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Zivilcourage erfordert vor allem Empathie

Von: ran
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Zivilcourage aufbringen zu können setzt Empathie für den Mitmenschen voraus: Ein wichtiger Baustein während des Workshops „Zivilcourage“, den die Schüler des Polytechnischen Instituts Pskow und ihre Gastgeber des Berufskollegs Eschweiler während des Besuchs der jungen russischen Menschen in der Indestadt gemeinsam absolvierten. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Den „Anderen“ zu verstehen setzt voraus, sich mit ihm auseinanderzusetzen, mit ihm zu reden, ihm zuzuhören und vielleicht sogar den Versuch zu unternehmen, sich in seine Situation zu versetzen. Der Schlüssel zum Erfolg ist also, kurz gesagt, sich kennenzulernen.

Seit nunmehr elf Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem Polytechnischen Institut Pskow der Staatlichen Polytechnischen Universität Sankt Petersburg und dem Berufskolleg Eschweiler. Im jährlichen Wechselrhythmus statten sich die russischen Schüler aus der Stadt, die in der Nähe der estnischen Grenze liegt und rund 200.000 Einwohner zählt, sowie ihre meist deutschen Altersgenossen Besuche ab. In den zurückliegenden Tagen war nun erneut eine Delegation aus Pskov mit 13 Schülern und den Lehrern Olga Obradneva sowie Igor Savraev in der Indestadt zu Gast, um die Bindungen zum Berufskolleg weiter zu stärken.

Im Rahmen eines anspruchsvollen Programms, das auch den Besuch der Burg Vogelsang mit der Teilnahme am ganztägigen Seminar „Widerstehen“ beinhaltete, kamen ebenso viele Schüler der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Technik sowie der Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales mit ihren osteuropäischen Gästen, die darüber hinaus bei ihnen wohnten, in vielerlei Hinsicht ins Gespräch. „Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl zu sehen, wie die Schüler ihre womöglich zu Beginn vorhandene Scheu ablegen und Kontakte knüpfen. In solchen Momenten wird einem bewusst, dass sich die Arbeit lohnt, die hinter dieser Schulpartnerschaft steckt“, erklärt Studiendirektorin Evi Spennes, die seitens des Berufskollegs für den Austausch verantwortlich zeichnet und in diesem Jahr von ihren Kollegen Mareen Mantler und Michael Joußen unterstützt wurde.

Neben der Teilnahme am Unterricht des Berufskollegs, einer Stadtführung durch Eschweiler unter der Leitung von Josef Stiel sowie Ausflügen nach Aachen und Köln nahmen die russischen und deutschen Schüler erstmals auch an einem gemeinsamem Workshop zum Thema „Zivilcourage“ teil, der von Silke Peters vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion Aachen angeboten wurde. „Dabei galt es auch, die unterschiedlichen Sichtweisen zum Thema ‚Zivilgesellschaft‘ auf russischer und deutscher Seite herauszuarbeiten und auch zu akzeptieren“, unterstreicht die Workshop-Leiterin. Zivilcourage erfordere von Menschen vor allem die Fähigkeit zur Empathie. Wichtig sei dabei nicht zuletzt, den Begriff „Zivilcourage“ kontinuierlich und langfristig zu betrachten. „Es gibt eine Reihe von Negativbeispielen fehlender Empathie, die bei Bekanntwerden zu einer heftigen, aber kurzen Empörungswelle führen, die jedoch ebenso schnell wieder abebbt“, so Silke Peters, die dafür plädiert, Positivbeispiele konsequenter zu benennen. „Davon gibt es nämlich auch Tausende!“, macht sie deutlich.

Ein gutes Stichwort für Evi Spennes, die aus den Erfahrungen der zurückliegenden elf Jahre den Wert der von der „Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch“ unterstützten Schulpartnerschaft zu schätzen weiß: „Auf zwischenmenschlicher Basis funktioniert zwischen unseren Schülern das, was auf höchster politischer Ebene derzeit Schwierigkeiten bereitet, trotz so manch unterschiedlicher Sichtweise gut“, erklärt die Pädagogin.

Kommendes Jahr nach Russland

Dem Besuch der russischen Schüler in Eschweiler schließt sich die Teilnahme an einem Seminar an der Europäischen Akademie in Otzenhausen an, bei dem auch Berufskollegschüler der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung mit von der Partie sein werden. Im kommenden Jahr, so der Plan, wird sich dann wieder eine Delegation aus Eschweiler auf den durchaus weiten Weg nach Pskow machen, das 250 Kilometer südwestlich von Sankt Petersburg liegt.

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