Zensus: Viele Wohnungen mit Standard des 20. Jahrhunderts

Von: Rudolf Müller
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54671 Indestädter gab es zum Stichtag 9. Mai 2011 – 747 weniger als bisher angenommen. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse des jüngsten Zensus‘ geben Aufschluss über ihre Wohnsituation, ihre schulische und berufliche Situation, ihre Herkunft, ihre Wohnsituation und manches mehr. Foto: Rudolf Müller
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Auch das gibt‘s noch in Eschweiler: Wer seinen Kohleofen „stochen“ will, muss eimerweise Briketts aus dem Keller hochschleppen. Foto: Stock/Petra Schneider

Eschweiler. Es gibt sie noch immer: Wohnungen mit dem Standard des frühen 20. Jahrhunderts. Wohnungen, in denen lediglich Kohleöfen für wohlige Wärme sorgen. Und für breite Schultern – vom Schleppen der Eimer. Wohnungen, die weder über Badewanne oder Dusche noch über ein WC verfügen.

Eschweiler im Mai 2011: Der Zensus, dessen Ergebnisse seit dem Wochenende vorliegen, zeigt auf: In 289 Wohnungen, davon 286 in reinen Wohngebäuden, sind Wanne und Dusche ebenso Mangelware wie WCs. Nicht viel angesichts der Gesamtzahl von 27194 Wohnungen in der Indestadt. Und kein Grund, mit dem Finger auf Eschweiler zu zeigen: Die Zahl der sanitär weit der Zeit hinterher hinkenden Wohnungen liegt nur ein halbes Prozent niedriger als in der Städteregion und in Nordrhein-Westfalen – und 0,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Ein Blick über den Zaun zum Nachbarn Stolberg zeigt: Dort liegt die Zahl mit 1,8 Prozent deutlich über der in Eschweiler und summiert sich auf 489 von insgesamt 27648 Wohnungen. Letztere sind im Durchschnitt ein wenig größer als in Eschweiler: 91,8 Quadratmeter beträgt die Durchschnitts Wohnfläche in Stolberg, 89,9 Quadratmeter sind‘s in Eschweiler – 5,1 Quadratmeter mehr als im Durchschnitt der Städteregion, 0,9 mehr als in NRW, aber 0,2 weniger als in der Gesamtrepublik.

Die durchschnittliche Eschweiler Wohnung hat übrigens 4,3 Räume – in Stolberg sind‘s 4,5, in der Städteregion 4,1, in NRW 4,2 und im Bund 4,4. Während 3,8 Prozent der Eschweiler Wohnungen unter 40 Quadratmeter groß sind, umfassen 1,8 Prozent 200 und mehr Quadratmeter. In Stolberg klafft die Schere nicht ganz so weit auseinander: Hier sind 2,9 Prozent auf der einen und 2,2 Prozent auf der anderen Seite. In Zahlen: 869 Kleinstwohnungen stehen in Eschweiler 497 „Paläste“ gegenüber. In Stolberg sind‘s 814 zu 618.

Gängigste Größe unter den 27194 Eschweiler Wohnungen: 60 bis 79 Quadratmeter. Darin unterscheidet sich Eschweiler weder von Stolberg noch von Städteregion, NRW oder Bund, liegt mit 29,8 Prozent aber deutlich über dem Schnitt von 25 Prozent. Die Verteilung der übrigen Wohnungsgrößen in Eschweiler (Stolberger Vergleichszahlen in Klammern): 40 bis 59 Quadratmeter 15,4 Prozent (17,1), 80 bis 99 Quadratmeter 17,8 Prozent (19,7), 100 bis 119 Quadratmeter 11,7 Prozent (11,4), 120 bis 139 Quadratmeter 11,0 Prozent (10,7),140 bis 159 Quadratmeter 5,6 Prozent (6,4), 160 bis 179 Quadratmeter 2,4 Prozent (2,6), 180 bis 199 Quadratmeter 1,2 Prozent (1,8).

Zurück zur Ausstattung der Wohnungen: 194 davon werden in Eschweiler mit Fernwärme beheizt (in Stolberg sind dies 185), 1542 nutzen Etagenheizungen (1864), lediglich 108 eine Blockheizung (78) und 10884 eine Zentralheizung (11482). Immerhin 1062 Wohnungen verfügen über Einzel- oder Mehrraumöfen (auch Nachtspeicherheizungen (769).

8,5 Prozent ohne Schulabschluss

Nicht nur die Wohnsituation der Indestädter hatte der Zensus im Blick, auch Alter, Schulabschluss, berufliche Situation, Erwerbszweige und mehr wurden zum Stichtag 9. Mai 2011 erfasst. Was die Schulabschlüsse betrifft, sei auch hier ein Blick nach Stolberg gestattet: Während in Eschweiler erschreckende 8,5 Prozent der über 15-Jährigen ohne Schulabschluss sind, sind es in Stolberg 8,1 Prozent. 43,7 der Inde- und 42,8 Prozent der Kupferstädter haben einen Haupt- oder Volksschulabschluss. Über Mittlere Reife oder einen gleichwertigen Abschluss verfügen in Eschweiler 23,2, in Stolberg 21,8 Prozent. Die Hochschul- oder Fachhochschulreife besitzen 24,6 Prozent der Eschweiler und 27,3 Prozent der Stolberger Bevölkerung.

10,1 Prozent mit Studienabschluss

Ein ähnliches Bild bieten die beiden Nachbarstädte auch in Sachen Berufsabschluss. In Eschweiler besitzen 32,1 Prozent der Menschen ab 15 Jahren keinerlei Ausbildungsabschluss, in Stolberg 31,5. Eine berufliche Ausbildung von mindestens einem Jahr haben in Eschweiler 57,8 und in Stolberg 56,1 Prozent absolviert. Und über einen Hochschulabschluss verfügen 10,1 Prozent der Inde- so wie 12,5 Prozent der Kupferstädter.

Übrigens: So unterschiedlich die beiden Städte in vieler Hinsicht auch sein mögen, in punkto Wirtschaftszweige zeigen sie überraschende Ähnlichkeit: In Eschweiler verdienen 33,4 Prozent der Erwerbstätigen (9000) ihr Geld im produzierenden und 65,4 Prozent (17610) im Dienstleistungsbereich. In Stolberg gab das produzieende Gewerbe zum Stichtag im Mai 2011 35,5 Prozent der Erwerbstätigen (9520) Arbeit, während 63,6 Prozent (17060) im Dienstleistungsbereich tätig waren.

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