„Wir mussten uns das Glück erkämpfen”

Von: ran
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In seinem Werk „Eine jüdisch-christliche Liebe” erzählt Autor Werner Weihrauch die Geschichte eines Paares, das schmerzhafte Erfahrungen machen musste, den zahlreichen Vorurteilen jedoch widerstand. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Seine ersten beiden Bücher handelten von ihm selbst. In „Erzähl aus deiner Kindheit” und der Fortsetzung „Erzähl aus deiner Jugend” berichtet Werner Weihrauch über seine jungen Jahre in der schlesischen Heimat.

Nun hat der Autor, der inzwischen im Alsdorfer Stadtteil Broicher Siedlung wohnt, zuvor aber 20 Jahre in Eschweiler lebte, seine dritte Erzählung vollendet. In dieser schlägt er eindrucksvoll ein schwieriges und sehr nachdenklich machendes Kapitel auf.

Denn das Werk „Eine jüdisch-christliche Liebe” schildert die authentische Geschichte des Juden Icu (von Isaak abgeleitet), dessen Eltern im Konzentrationslager Auschwitz umkamen, und der katholischen Christin Marlies, die sich nach dem Krieg in Aachen kennen und lieben lernten, ihre Verbindung aber häufig gegen äußere Widerstände verteidigen mussten.

„Das Buch ist geschrieben worden, um einem Menschen zu helfen, seine Trauer zu verarbeiten”, erklärt Werner Weihrauch seinen Beweggrund, die Geschichte von Marlies, einer guten Freundin von Werner Weihrauchs Lebensgefährtin, und des vor nahezu drei Jahren verstorbenen Icu niederzuschreiben.

Nach der Steinsetzung für Icu, einer jüdischen Zeremonie, die Ehrerbietung für den Verstorbenen und Abschied von dem Toten beinhaltet, hatte Marlies dem Autor nämlich auf dem alten jüdischen Friedhof in Aachen ihr Herz ausgeschüttet.

„48 Jahre waren wir zusammen, aber wenn ich an den Anfang zurückdenke, kommt bei mir Groll hoch, denn nicht alle diese Jahre konnten wir glücklich sein. Wir mussten uns das Glück erkämpfen”, so ihr Rückblick, der Werner Weihrauch tief bewegte.

„Was ihr erdulden musstet, müsste einmal aufgeschrieben werden, damit so etwas nicht mehr vorkommt”, lautete sein Vorschlag. Doch erst einige Monate später war die Trauernde bereit, ihre Geschichte zu erzählen. „Bei einer gemeinsamen Feier im Bekanntenkreis teilte sie mir dies mit. Da ich kein Papier bei mir hatte, schrieb ich die ersten Notizen auf weiße Servietten”, erinnert sich Werner Weihrauch. Es folgten zahlreiche Gespräche bei gegenseitigen Treffen und noch häufigere Telefonate. Inzwischen ist das 232 Seiten starke Werk „Eine jüdisch-christliche Liebe” vollendet und im Aachener „Shaker Media”-Verlag erschienen.

„Darin spielt auch der Werdegang meiner Lebensgefährtin eine entscheidende Rolle, so dass der Untertitel des Buches âLebenswege zweier FreundinnenÔ lautet”, erklärt der 1928 im schlesischen Breslau geborene Autor. „Auf diese Zeile kam meine Tochter Elke, die im Anhang auch ihre Gedanken zu Tod, Schmerz, Trost und Liebe niederschrieb sowie ein Gedicht verfasste, während des Korrekturlesens”, betont der zweifache Vater.

Mosaikstücke

Gerne denkt Werner Weihrauch an die vielen Zusammenkünfte mit Marlies und seiner Lebensgefährtin zurück, bei denen sich die Mosaikstücke des Buches langsam zusammenfügten: „Neben den nachdenklich stimmenden Momenten, in denen Marlies über die vielen Vorurteile, mit denen man ihrer Verbindung zu Icu begegnete, berichtete, gab es auch immer wieder etwas zu lachen. Vor allem, wenn die gemeinsame Schulzeit der Frauen zur Sprache kam, in der die Beiden zu allerlei Streichen aufgelegt waren.”

Häufig wurde der Schriftsteller von seinen Gesprächspartnerinnen ermahnt, alles genau so zu beschreiben, wie es sich zugetragen habe. „Deshalb ist die Erzählung auch nicht mit den Stilmitteln eines Romans ausgeschmückt. Stattdessen beruht sie ausschließlich auf Tatsachen”, betont der gelernte Kaufmann, der bedingt durch den Krieg auch als Bergmann und Filmvorführer tätig war. Im Jahr 1993, in dem Werner Weihrauch in den Ruhestand trat, begann er zu schreiben. Und ob das dritte veröffentlichte Buch sein letztes gewesen sein wird, ist noch lange nicht sicher. „Material wird in ausreichendem Maß an mich herangetragen”, mangelt es Werner Weihrauch nicht an der Grundvoraussetzung.
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