Willkommen: Menschen, die zu uns gehören

Von: ran
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Gestalteten die Einbürgerungs
Gestalteten die Einbürgerungsfeier musikalisch auf beeindruckende Weise: Sängerin Joyce van de Pol (nicht im Bild) und Pianist Benjamin Nauschütz. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Ihre Lebensgeschichten sind so unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer. Manche mussten vor Krieg, Gewalt und Verfolgung aus ihrer Heimat fliehen, andere kamen bereits als kleine Kinder in die Bundesrepublik oder wurden sogar hier geboren.

Eines haben die 118 indestädtischen Bürger jedoch gemeinsam: Sie erhielten zwischen dem 17. November 2009 und dem 27. Januar 2012 die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus diesem Grund hatte die Stadt Eschweiler zum vierten Mal zu einer „Einbürgerungsfeier” eingeladen, die am Freitag im Ratssaal vor zahlreichen Gästen in einem feierlichen und würdigen Rahmen stattfand.

Das Aushändigen von Urkunden habe in erster Linie eine symbolische Bedeutung, erklärte Bürgermeister Rudi Bertram zu Beginn seiner Begrüßungsrede. Das Mitein­ander der Menschen unabhängig ihrer Staatsangehörigkeit müsse dagegen tagtäglich gelebt werden. „In der Stadt Eschweiler mit ihren rund 56 000 Einwohnern leben Menschen aus 112 Nationen. Diese Zahl kann kaum jemand glauben, sie muss aber Ansporn sein, uns weiterhin als offene und tolerante Stadt zu präsentieren”, so der Verwaltungschef weiter. Bürger all dieser Nationen seien fest im Sozialgefüge der Stadt verankert und befruchteten das Allgemeinwesen. Vieles, etwa gemeinsame Aktivitäten in Vereinen oder Institutionen, sei inzwischen Gott sei Dank zur Normalität geworden. Zwei Aspekte betonte Rudi Bertram abschließend ausdrücklich: „Wichtig ist, zu erkennen, dass hinter jedem Indestädter, egal welcher Nationalität, ein Mensch zu sehen ist, der zu unserem Stadtbild gehört.” Und: „Deutscher Staatsbürger zu sein, bedeutet nicht, seine Wurzeln zu vergessen.”

Anschließend unterstrich der Integrationsbeauftragte Jürgen Rombach im Gespräch mit vier Menschen, die in den zurückliegenden Monaten eingebürgert wurden, wie unterschiedlich die Lebenserfahrungen, und damit auch die Beweggründe, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, sein können. So kam Switlana Kornfeld vor zehn Jahren nach Deutschland und musste erkennen, dass die deutsche Sprache schwierig zu erlernen ist. „Doch mit Hilfe von Bekannten und des Radios ist es mir gelungen”, so die gebürtige Ukrainerin, die sich nun in Eschweiler zu Hause fühlt.

Wahnsinn des Bürgerkriegs

Kabba Conteh aus dem westafrikanischen Sierra Leone erlebte als Soldat den Wahnsinn des Bürgerkriegs in seinem Heimatland, desertierte aus der Armee und floh. „Ich verdanke Deutschland sehr viel, eigentlich mein Leben”, lauteten seine beeindruckenden Worte, denen sich eine klare Feststellung anschloss. „Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus.” Seit 1992 lebt die nun ehemalige Bosnierin Ines Hujdur, die mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg auf dem Balkan floh, in der Indestadt.

„Eschweiler ist meine Heimat”, lässt die Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der FH in Aachen keine Zweifel aufkommen. In Deutschland geboren wurde Esma Koc. „Ich bin in Eschweiler aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, habe die deutsche Geschichte, Mentalität und Weltanschauung verinnerlicht. Ich musste weder einen Sprach- noch einen Integrationskurs belegen. Warum also nicht zu einer Nation zusammenwachsen?”, fragte die Tochter türkischer Eltern, die ihre Ausbildung bei der Stadt absolviert.

Bevor Bertram den neuen Staatsbürgern persönlich gratulierte, wurde eine Einbürgerung während der Feierstunde vollzogen: Nejla Omar, deren Herkunftsland Syrien ist, ist seit Freitag deutsche Staatsbürgerin. Musikalisch eindrucksvoll gestaltet wurde die Einbürgerungsfeier von Sängerin Joyce van de Pol sowie dem Pianisten und Sänger Benjamin Nauschütz. Dem Duo gelang es mit stimmgewaltigen Interpretationen von unter anderem „Walking in Memphis”, „Ain´t nobody”, „New York, New York”, „I will survive” und zu guter Letzt Aretha Franklins „Respect” die Zuhörer tatsächlich von den Sitzen zu reißen und der Veranstaltung neben der würdigen auch eine dem Anlass entsprechende fröhliche Atmosphäre zu verschaffen.

Ilker Zaman, Vorsitzender des Integrationsrates, sprach schließlich eindringliche Schlussworte: „Ich wünsche mir, dass sie als neue deutsche Staatsbürger aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen, Weltanschauungen und Mentalitäten ist nicht immer einfach. Deshalb gilt es, für die Integration zu kämpfen. Und zwar von beiden Seiten”, so seine Aufforderung.

118 Indestädter aus 31 Ländern

Von den seit dem 17. November 2009 eingebürgerten 118 Indestädtern sind 64 Frauen/Mädchen und 54 Männer/Jungen. Marokko stellt mit 20 Eingebürgerten das größte Kontingent, gefolgt von der Türkei mit 16. Die weiteren 29 Herkunftsländer sind: Kosovo (acht Einbürgerungen), Togo, Polen (beide sieben), Nigeria, Ukraine (beide sechs), Irak, Serbien, Montenegro (jeweils vier), Angola, Afghanistan, Kroatien, Niederlande, Syrien (jeweils drei), Kasachstan, Mazedonien, Russland (jeweils zwei), sowie Ägypten, Albanien, Armenien, Brasilien, Dominikanische Republik, Elfenbeinküste, Lettland, Malta, Montenegro, Sierra Leone, Turkmenistan, Algerien und Pakistan (jeweils eine). Bei zwei Eingebürgerten ist das Herkunftsland ungeklärt.

19 neue deutsche Staatsbürger sind 13 Jahre oder jünger, neun sind zwischen 14 und 17 Jahre, 90 der Eingebürgerten sind 18 Jahre oder älter.

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