Eschweiler - Wilfried Schmickler gibt ein Gastspiel im Talbahnhof

Staukarte

Wilfried Schmickler gibt ein Gastspiel im Talbahnhof

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
16017712.jpg
Das Schnellfeuergewehr unter den Kabarettisten: Wilfried Schmickler auf der Bühne des Kulturzentrums Talbahnhof in Eschweiler. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. 63 ist er inzwischen, aber noch immer kein bisschen leise und vor allem unvermindert bissig und böse: Wilfried Schmickler verdient es, die Urgewalt unter den deutschen Kabarettisten genannt zu werden. Reden kann er wie ein Maschinengewehr auf Dauerfeuer – und dann macht der Kölner und Spießgeselle von Jürgen Becker (WDR-“Mitternachtsspitzen“) auch sogleich alles nieder, was ihm ins Schussfeld kommt.

Proben (und das gleich zentnerweise) dieser Vehemenz gab der Kölner am Samstagabend rund 220 Zuhörern und -schauern im Saal des völlig ausverkauften Kulturzentrums Talbahnhof zu Eschweiler.

Schmicklers Alleinstellungsmerkmal hatte die Scharen, sehr zur Freude von Chef Walter Danz, vor die Bühne mit Gleisanschluss gelockt: Der Mann mit der eindringlichen tiefen Stimme ist nämlich, ganz gegen den Trend, immer noch politischer Kabarettist und kein Witze reißender Spaßmacher vom Stamme der Komödianten. Mit Schmicklers Pointen, die er auch in seinem aktuellen Programm „Das Letzte“ und damit bei seinem Gastspiel an der Inde setzte, lässt es sich nicht wohlig-wohnlich einrichten. Schmickler stachelt an: Darin lag auch in Eschweiler das zutiefst Politische seiner Kunst.

Dabei zieht der Mann mit der schnellen Zunge und der nicht minder flotten Denke nicht so sehr gegen das Personal des Zeitgeschehens zu Felde – das tat er im Talbahnhof zwar auch, indem er zum Beispiel Schlagerstar Helene Fischer als „Sirene des Grauens“ titulierte. Aber vor allem ist Schmickler ein Anstifter im besten Sinne – und das besonders eindringlich in seinen Liedern. Da ist dann jedes Wort und jeder Ton ein „Denkt mal nach!“ oder „Tut endlich was!“ Das funktioniert oft nicht direkt, sondern geht mit einem gewissen Zeitzünder-Effekt einher. Aber diese Sekunden, die es braucht, bis ein Bild oder ein Gedanke im Hirn zündet und explodiert, weil der Intellekt des Zuhörers nun mal nicht so schnell sein kann wie Schmicklers Worte sprudeln – das macht die besonders fesselnden Momente von „Das Letzte“ aus.

„Drei blöde Witze“

Sogar mit seinen Zuhörern spielt er und offerierte zu Beginn der (mit Pause) knapp zweistündigen Vorstellung „drei blöde Witze“ mit reichlich Pose und Grimasse – das Publikum könne in dieser Zeit gerne fotografieren. Tat natürlich keiner. Vielleicht wusste der eine oder andere im Talbahnhof, dass Schmickler es in Wirklichkeit hasst, während der Show ins Auge einer Kamera zu schauen oder von einem Handy-Knipser angeblitzt zu werden. Ist auch im Grunde egal: So zeigt Schmickler in kurzer Zeit, was seinen Humor, sein mimisches Repertoire und sein Tempo ausmacht.

Ein weiteres Glanzlicht: die Lieder. Da tänzelt der durch und durch rheinische Star um das Mikro herum, dass es nur so eine Lust ist. Da wird sein Geist und sein Mundwerk, das er mühelos auf die Geschwindigkeit eines ICEs auf der Schnellfahrtrasse zwischen Siegburg und Frankfurt hochjubeln kann, auf den Takt der Musik heruntergebremst. Ein fesselnder Moment von vielen anderen mehr im Talbahnhof.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert