Eschweiler - Wilder Müll in Eschweiler kostet 90.000 Euro pro Jahr

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Wilder Müll in Eschweiler kostet 90.000 Euro pro Jahr

Von: Valerie Barsig
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Auch an der Dürwißer Straße, kurz vor der Autobahnauffahrt mit Blick aufs Kraftwerk hat jemand gleich mehrere Säcke Müll einfach an ein Feld gelegt. Foto: Valerie Barsig

Eschweiler. Man kennt diese Szenen, zum Beispiel an der Autobahnauffahrt in Weisweiler: Alles liegt voll mit alten Dosen, Papieren, Zigarettenstummeln, Kaugummi und alten Kaffeebechern. Eine Fahrt durch Eschweiler zeigt ähnliche Bilder: Am Kraftwerk in Weisweiler liegt – idyllisch im Kornfeld – gleich säckeweise Müll und auch am Industrie- und Gewerbegebiet haben Menschen Müllbeutel mit Dosen und Flaschen abgelegt.

Ebenfalls beliebt: Das Hinauswerfen von Windeln aus fahrenden Autos. In der Fußgängerzone geht die Szenerie weiter, hier haben Kaugummis und alte Zigaretten die Oberhand. Wie jede andere Stadt auch ist Eschweiler voll mit Müll.

„Das ärgert einen natürlich“, sagt Siegfried Zehn von der Abteilung für Umweltbelange und Friedhofswesen. Der wilde Müll kostet die Stadt jährlich 90.000 Euro, 40 Tonnen wilder Müll muss in jedem Jahr beseitigt werden. So richtig verstehen kann Siegfried Zehn das Problem nicht. „Wir haben in Eschweiler ja ein bürgerfreundliches System“, sagt er. Elektroschrott und Sperrmüll werde kostenlos abgeholt.

10 Euro für Kofferraum voller Müll

Zur Mülldeponie nach Warden kann jeder einen ganzen Kofferraum voll Müll fahren. Das Abgeben koste nur zehn Euro, sagt Siegfried Zehn. Die Müllgebühren in der Indestadt richten sich danach, ob jemand eine Biotonne besitzt, oder nicht. So kostet beispielsweise ein 60-Liter-Abfallbehälter ohne Biotonne 132,75 Euro jährlich, mit Biotonne 168,56 Euro im Jahr. Für einen 1,1 Kubikmeter Abfallbehälter bezahlt man ohne Biotonne 1806,68 Euro, mit grüner Tonne 1880,50 Euro.

Die Menge des wilden Mülls indes sei gar nicht so das Problem für die Stadt. „Selbst wenn jemand nur einen Müllsack irgendwo ablegt, muss dafür extra jemand rausfahren.“ Für Eschweiler sind fünf Müllfahrzeuge im Einsatz, zehn Mitarbeiter der WBE sammeln Bioabfälle, gelbe Säcke, Papier und Co. ein.

Müll ist überall ein Problem

Dass das Problem in Eschweiler größer sein könnte, als in anderen Städten, glaubt Siegfried Zehn nicht. „Die Abfallwirtschaftssysteme sind ja von Stadt zu Stadt ähnlich“, sagt er. Auch Brigitte Averdung-Häfner, die die Aufräum- und Sensibilisierungstruppe Blausteinsee und Umgebung ins Leben gerufen hat, sagt: „Ich gucke in puncto Müll nicht über den Tellerrand.“ Denn das Problem liege im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür. Sie sagt, dass es den Menschen gar nicht bewusst sei, dass sie immer wieder achtlos etwas wegwerfen. Brigitte Averdung-Häfner denkt, dass man mehr Mülleimer in Eschweiler bräuchte. Auch die Form der Mülleimer in der Grabenstraße sieht sie als problematisch an. Es passe einfach zu wenig durch den Schlitz. Auch dass immer noch keine Aschenbecher an den Bushaltestellen vorhanden seien, obwohl es von der Sensibilisierungstruppe mehrfach kritisiert worden war, kann sie nicht verstehen.

An weniger Abfall durch mehr Papierkörbe glaubt Siegfried Zehn jedenfalls nicht. In Eschweiler gebe es 530 Straßenpapierkörbe und Mülleimer an Bushaltestellen. „Auf der Grabenstraße steht alle 20 oder 30 Meter ein Mülleimer. Es gibt also genug. Trotzdem liegt überall Müll“, sagt Siegfried Zehn.

Lieblingsabladestellen

Einige Stellen in Eschweiler seien besonders prädestiniert für heimliche Müllableger, so zum Beispiel die Straße Im Hasselt. Dort finde man beinahe wöchentlich Müll. „Stellen, wo Müll heimlich abgelegt wird, sind die, die gut mit dem Auto zu erreichen, aber schlecht einzusehen sind“, erklärt Siegfried Zehn. Weitere typische Müllabladestellen in Eschweiler seien auf der Straße An Wardenslinde und der Parkplatz an der Halde Nierchen sowie die Dürwißer Straße zwischen Kreisel und Autobahnauffahrt Eschweiler Ost.

Neben Hausmüll, der den größten Teil des wilden Mülls ausmacht, werden aber auch Altreifen oder Bauschutt abgeladen. „Eigentlich alles, was anfällt, wenn man sein Haus renoviert oder sein Auto repariert“, sagt Siegfried Zehn. Auch kuriose Funde begegneten den Müllarbeitern zuweilen: „Hin und wieder laden Leute Müll ab, in denen Papiere mit ihrer Adresse sind.“

Wie viel Müll aber produzieren die Eschweiler, der dann auch ordnungsgemäß abtransportiert wird?

Im Jahr 2012 waren es 23360 Tonnen Müll, die Richtung Mülldeponie Warden gebracht wurden, das sind 421,1 Kilo Müll jährlich pro Einwohner. Die 55478 Eschweiler entsorgten 2012 23,2 Kilo Glas, 70,4 Kilo Biomüll und 78,3 Kilo Pappe. Am wenigsten wurde Grünabfall entsorgt: 2012 waren es nur 2,5 Kilo pro Indestädter.

Hausmüll weit vorne

Ganz vorn liegt der Hausmüll mit 172,6 Kilogramm. Dass der auch immer wieder an Feldwegen oder im Wald entsorgt wird, versteht auch Brigitte Averdung-Häfner nicht. „Tiere werden so in Mitleidenschaft gezogen und auch Schadstoffe gelangen in den Boden.“ Sie denkt, dass man Menschen für das Problem, auch in der Innenstadt mehr sensibilisieren muss. „Ich spreche jeden an, der etwas wegwirft“, sagt sie. Bisher sei sie immer auf freundliche Gegenreaktionen gestoßen. „Ich bitte die Leute dann immer, selbst mal jemanden anzusprechen, der achtlos etwas wegwirft.“

Von der Stadt würde sie sich wünschen, dass jeder Stadtmitarbeiter einmal im Monat eine halbe Stunde öffentlich kehrt. Auch Brigitte Averdung-Häfner fegt regelmäßig vor ihrem Laden und an der Bushaltestelle um die Ecke. Sie ist sich sicher: „Die Menschen können zum Mond fliegen, dann ist es auch möglich, eine Stadt sauber zu kriegen.“

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