Wieder mehr Taucher dank besserer Sicht

Von: Tobias Röber
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Den Einstieg in den See nutzen wieder mehr Taucher. Offenbar ist die Sicht unter Wasser in den vergangenen Monaten wieder besser geworden. Foto: Tobias Röber
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Den Einstieg in den See nutzen wieder mehr Taucher. Offenbar ist die Sicht unter Wasser in den vergangenen Monaten wieder besser geworden.

Eschweiler-Dürwiß. Hermann Gödde ist zufrieden, Hans Johnen auch und – das sagen sowohl der Geschäftsführer der Blausteinsee-GmbH als auch der „Seesheriff“ – auch wieder mehr Taucher. Die Sicht unter Wasser sei in den vergangenen Monaten deutlich besser geworden. Finanziell wirkt sich das derzeit nicht aus.

Noch nicht. Auch 2014 ist die Zahl der verkauften Tauchkarten bislang rückläufig. Allerdings: „In der kommenden Woche bekommen wir die neuen Zahlen, und wir rechnen mit einer leichten Steigerung“, sagt Heinz Rehahn, Kaufmännischer Prokurist der See-GmbH.

Besserung in Sicht

Diesen Eindruck teilt Hans Johnen, der seit der ersten Stunde des Blausteinsees beinah täglich an dem Gewässer unterwegs ist. Er spricht mit vielen Tauchern und verkauft auch Karten an die Wassersportler. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen (siehe Infobox). Vergleicht man die Jahre 2006 und 2013 werden 96.257,50 Euro weniger eingenommen.

Jedes Jahr. 2014 sind es bislang 1625 verkaufte Tages- und 149 Jahreskarten. Hans Johnen erinnert sich noch gut an einen 3. Oktober vor etlichen Jahren, an dem er an einem Tag 85 Tageskarten an Taucher verkaufte.

Nun ist also Besserung in Sicht, und wer sich die Ufer am See aufmerksam anschaut, stellt tatsächlich fest, dass die Trübung nachgelassen hat und auch wieder die eine oder andere Wasserpflanze als solche zu erkennen ist. Nämlich in grüner Farbe.

Hans Johnen berichtet von Tauchern, die ihm wiederum gesagt hätten, die Sicht unter Wasser betrage wieder zehn Meter und mehr. In Tauchforen werden die Änderungen ebenfalls verbreitet. „Ich war am 23.10.14 nach ca. 5 Monaten nochmals im Blausteinsee tauchen und angenehm überrascht, dass die Sichtweite sich deutlich gebessert hat“, schreibt etwa ein Nutzer in einem Forum.

Bleibt die Frage, woran die Verbesserung liegt. Es gibt einige Nutzer des Sees, die unserer Zeitung gegenüber angeben, dass es an einem anderen Sümpfungswasser liegt. Da der Grundwasserspiegel auf Grund des Tagebaus unterhalb des Sees liegt, werden jährlich 3,5 bis vier Millionen Kubikmeter Wasser in den See gepumpt. Die Diskussionen über das trübe Wasser sind nicht neu. Ebenso wird seit langer Zeit über den Eisengehalt diskutiert. Die einen sagen, dass dies gut sei, andere wiederum befürchten Schäden für den See.

Finanzielle Situation angespannt

Fakt ist: Laut Planfeststellungsbeschluss darf der Eisengehalt bei höchstens drei Milligramm pro Liter liegen. Eingeleitet wurde jedoch meistens deutlich mehr, mitunter betrug der Eisengehalt das Zehnfache. Hermann Gödde bestätigt als Geschäftsführer der See-GmbH, dass ein Brunnen des RWE ausgefallen sei und Wasser seit einigen Monaten aus einem anderen komme. Einen Zusammenhang zwischen Wasser aus einem anderen Brunnen und der besseren Sicht möchte er nicht herstellen.

Das sieht auch der Tagebaubetreiber so. Auf Nachfrage erklärt Pressesprecher André Bauguitte, dass das Wasser aus einer Brunnengalerie bei Bourheim komme. Somit werde das Wasser nicht aus einem, sondern aus mehreren Brunnen in den See gepumpt.

Auf Grund der geringen Menge an Pumpwasser im Vergleich zur Wassermenge im Gesamtsee kann auch er sich nicht vorstellen, dass die bessere Sicht daran liegt. Er bringt jahreszeitbedingte Umwälzungen im See ins Spiel. Wie dem auch sei: Derzeit ist die Sicht besser und offenbar besuchen mehr Taucher den See. Das würde auch wieder mehr Geld in die klamme Kasse der See-GmbH spülen.

Das liebe Geld spielt beim Blausteinsee permanent eine Rolle. Seit der Inbetriebnahme des Sees ist die finanzielle Situation der GmbH angespannt. Der Gesamtverlust beläuft sich auf rund eine Million Euro. Der durchschnittliche Jahresverlust beläuft sich auf rund 180.000 Euro. Zur Liquiditätssicherung mussten in der Vergangenheit Grundstücke veräußert, beziehungsweise Darlehen aufgenommen werden. Die Freizeitzentrum Blausteinsee-GmbH wurde 1982 als kommunale Trägergesellschaft der Kommunen Aldenhoven, Alsdorf, Eschweiler, Stolberg und Würselen gegründet und fungiert als Betreiber des Gewässers.

Die CDU regte jetzt an zu prüfen, ob der See nicht ohne die anderen Gesellschafter betrieben werden könne, da die Kosten ohnehin stets an der Indestadt hängen blieben. Aus dem Gesellschaftervertrag von 1983 ergeben sich für die Gesellschafter keine Nachschusspflichten, soweit sich für die Gesellschaft finanzielle Bedarfe ergeben. Da die Stadt Eschweiler natürlich daran interessiert ist, dass der See erhalten bleibt, hat sie bislang für die finanziellen Ausgleiche gesorgt. Das Thema wird in der Ratssitzung am Mittwochabend ab 17.30 Uhr behandelt.

Warten auf das „Ausgezeichnet“

Bleibt eine weitere Frage: Wann wird der Blausteinsee wieder mit einem „Ausgezeichnet“ bewertet? Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW benotet die Wasserqualität der Seen Nordrhein-Westfalens und vor zwei Jahren war der Blausteinsee als einziger landesweit auf „Mangelhaft“ abgerutscht. Verschiedene Maßnahmen waren daraufhin eingeleitet worden.

Unter anderem wurde eine Frischluftschneise geschlagen, ein Fütterungsverbot für Wasservögel wurde erlassen und Mülltonnen wurden aufgestellt. Mit Erfolg. Bei den wöchentlichen Proben wurde festgestellt, dass die fäkalen Verunreinigungen zurückgegangen sind und sämtliche Grenzwerte deutlich unterschritten werden.

Nachdem der See im Vorjahr auf „Gut“ heraufgestuft worden war, hofft Hermann Gödde nun auf eine „ausgezeichnete Wasserqualität“. Anfang 2015 wird die neue Bewertung der Gewässer wohl erfolgen.

Von 2005 bis 2014: Die verkauften Tauchkarten

Im Jahr 2005 wurde mit dem Verkauf von Tauchkarten noch ein Umsatz von 100.645 Euro erzielt. Im Jahr 2006 waren es sogar 121.257,50 Euro und ein Jahr darauf noch 118.722,50 Euro. Danach ging es weiter bergab. Im Jahr 2008 nahm die GmbH 86.765 Euro ein, 2009 waren es 84.133,50 Euro.

Seit 2010 liegen die Zahlen der verkauften Tauchkarten aufgeschlüsselt nach Tages- und Jahrestickets vor. Tageskarten gibt es zum Preis von 8,50 Euro, eine Jahreskarte kostet 95 Euro.

2010 wurden 4996 Tageskarten (das macht 42 466 Euro) und 384 Jahreskarten (30.045 Euro) an die Taucher gebracht. Gesamterlös: 72.511 Euro. 2011 wurden 4179 Tages- (35.521,50 Euro) und 315 Jahreskarten (24.480 Euro) verkauft. Zusammen macht das 60.001,50 Euro. 2012 gab es das nächste große Minus: Nur noch 44.321,50 Euro kamen zusammen. 3039 Tages- und 242 Jahreskarten fanden einen Abnehmer.

Nur noch 25.000 Euro wurden im vorigen Jahr erlöst. 212 Jahres- und 2170 Tageskarten wurden verkauft. 2014 wurden bislang 1625 Tages- und 149 Jahreskarten veräußert. Übrigens: Wer sich die Mühe macht und die Zahl der verkauften Jahreskarten mit dem üblichen Preis von 95 Euro multipliziert, kommt auf einen anderen Betrag. Der Grund: Es gibt auch Sonderkonditionen, etwa für Vereine.

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