Eschweiler - „Wie nach einem Bombenalarm verlassen”

„Wie nach einem Bombenalarm verlassen”

Von: Tobias Röber
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Scherben und Unkraut machen si
Scherben und Unkraut machen sich breit. Die Hertie-Immobilie in der Innenstadt verkommt immer mehr. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Sie gehört - nun ja - nicht gerade zu den schönen Objekten der Indestadt, und viele Bürger fragen sich, warum nicht endlich etwas unternommen wird. Die Rede ist von der Hertie-Immobilie (ehemals Karstadt) im City-Center.

Seit der Schließung im März 2009 steht das Gebäude leer, verfällt mehr und mehr. Oder wie es Bürgermeister Rudi Bertram ausdrückt: „Die Immobilie wurde wie nach einem Bombenalarm verlassen.” Der Leerstand hat sich auch im übrigen City-Center ausgebreitet. Bertram und sein Verwaltungsteam beantworten daher von Bürgern häufig gestellte Fragen.

Warum schafft es die Stadt nicht endlich, einen neuen Nutzer zu finden?

„Es vergeht fast kein Tag, an dem wir uns nicht um diese Immobilie kümmern”, sagt Bertram. Das Problem dabei: Der Stadt sind die Hände gebunden, da sie nicht Eigentümerin ist. Die Immobilie und das obere Parkdeck sind Eigentum der niederländisch-britischen Fondsgesellschaft Dawnay Day (der Rest des Parkhauses und des City-Centers gehört einer anderen Gesellschaft), und nur der Eigentümer kann bestimmen, ob, an wen und zu welchen Konditionen verkauft oder vermietet wird. Ein weiteres Problem: Gegen die niederländische Besitzgemeinschaft wurde inzwischen ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Somit müssen bei allen Entscheidungen auch Gläubiger mit einbezogen werden. Zum Eigentümer der Hertie-Immobilie hat die Stadt keinen Kontakt. Sämtliche Versuche scheitern, erklärt Dietmar Röhrig, Wirtschaftsförderung der Stadt Eschweiler. Mit der anderen Gesellschaft hingegen gebe es guten und regelmäßigen Kontakt.

Warum reißt die Stadt das Gebäude nicht einfach ab oder enteignet den Eigentümer?

Weil die Stadt nicht Eigentümerin ist. Die Voraussetzungen für eine Enteignung sind nicht gegeben, „nur” weil eine Immobilie leerstehend oder optisch unattraktiv ist. Die Eigentümer bezahlen etwa die Grundsteuer und kommen auch den anderen Pflichten nach, tragen unter anderem Sorge, dass von der Immobilie keine Gefahr ausgeht. „Sie reizen es bis zum letzten aus, aber machen alles rechtlich Notwendige”, sagt Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter der Stadt. Schon mehrfach musste die Stadt aktiv werden, weil das Gebäude nicht ordnungsgemäß gesichert war. Am Donnerstag war das auch der Fall. Ein Fenster auf dem Parkdeck war offen und auch eine Türe ins Innere des ehemaligen Warenhauses stand offen. Und wenn die Stadt enteignen würde, müsste sie den Eigentümern den Gegenwert zahlen. Allein für das Hertie-Gebäude steht eine Zahl von 4,5 Millionen Euro im Raum.

Warum unternimmt der Eigentümer nichts, um einen Käufer oder Nutzer zu finden?

„Ich verstehe die Leute nicht. Ich weiß nicht, was der Eigentümer davon hat”, sagt Rudi Bertram und erhofft sich, dass der Eigentümer nun auch endlich zu seiner sozialen Verantwortung steht. Fakt ist, dass der Eigentümer ein international tätiges Immobilienbüro mit der Vermarktung aller ehemaliger Hertie-Objekte beauftragt hat. Nach Informationen der Stadt strebt die Gläubigerversammlung einen Paketverkauf (aller Hertie-Filialen) an. Eine Einzelvermarktung wäre damit ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang betont Bertram auch, dass der Satz „Das gibt es nur in Eschweiler” so nicht stimme. Bundesweit stehen ehemalige Hertie-Immobilien leer.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt hat versucht, den Eigentümer für Zwischenlösungen oder wenigstens Schaufensterdekorationen (etwa zu Weihnachten und Ostern) zu begeistern. „Es kommt aber keine Reaktion”, sagt Gödde. Eine Chance sieht die Stadt nun im Insolvenzverfahren. Es gebe Konzepte von drei Investoren, die loslegen könnten, wenn grünes Licht vom Eigentümer kommt. Die Stadt hofft, dass er jetzt umdenkt. „Eschweiler ist als Einzelhandelsstandort gefragt”, betont Gödde.

Es gibt viele Gedankenspiele, was auf dem Gelände alles entstehen könnte. So könnte die große Hertie-Immobilie geteilt werden. Zudem wäre es laut Stadt wünschenswert, wenn „soziale Kontrolle gegeben wäre”, wie Bertram betont. Will heißen: Auch nach Geschäftsschluss soll die Immobilie nicht verwaist sein. Restaurants und Wohnungen sind mögliche Ansatzpunkte.

Auch wenn es wünschenswert gewesen wäre: Eine Ansiedlung des Mediamarkts im City-Center war seitens des Unternehmens nie ein Thema. „Sie haben klar gesagt, dass sie nur an den jetzigen Standort gehen”, betont Bertram.
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