Wie begegnen Menschen in Eschweiler der beißenden Kälte?

Von: Andreas Gabbert
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Blitze
Der Finger am Abzug friert am meisten: Oberkommissarin Heike Pfennings war gestern mit ihren Kollegen beim Blitzmarathon unterwegs.

Eschweiler. Einen Finger hat sie immer am Abzug. In einen dicken blauen Parka der Polizei gehüllt, steht Oberkommissarin Heike Pfennings mit einer Laserpsitole an der Bohler Straße. Sie und ihre vier Kollegen haben sich ein windgeschütztes sonniges Plätzchen ausgesucht, um das Geschwindigkeitsmessgerät aufzubauen.

„Hier ist es wenigstens etwas wärmer”, sagt Pfennings und reibt sich kurz die Hände. Trotz der Lederhandschuhe ist ihr kalt. „Der Finger am Abzug bekommt den meisten Wind ab und friert am heftigsten”, erklärt die Kommissarin. Damit sie nicht dauernd in der Kälte stehen muss, wechselt sie sich ab mit den Kollegen, die sich im Auto aufwärmen.

Während Pfennings noch erzählt, kommt ein Auto mit hohem Tempon angerauscht. Pfennings zielt, piep, piep, piep signalisiert die Laserpistole und wieder ist der Polizei ein Raser ins Netz gegangen. 60 Fahrzeuge hatten Pfennings und ihre Kollegen im Rahmen des sogenannten Blitzmarathons kontrolliert, sechs davon waren zu schnell. Das ist sei ein gutes Verhältnis, sagt Pfennings und zieht den Reißverschluss ihres Parkas noch etwas weiter zu.

Wenige hundert Meter weiter an der Hubertusrunde regelt Schülerlotse Horst Conzen den Verkehr und hilft Schülern und älteren Menschen über die Straße. „Man konnte sich ja langsam an die Kälte gewöhnen, ich habe nichts zu klagen”, sagt der 67-Jährige. Vier bis fünf Mal muss er am Tag für 20 bis 30 Minuten nach draußen, um seine Aufgabe zu erledigen. Dabei hat es ihn besonders gut getroffen: Seine Arbeitsstelle befindet sich quasi direkt vor seiner Haustüre, so dass sich Conzen zwischendurch schon mal richtig aufwärmen kann. „Vor allem hält mich aber die Abwechslung warm; ich bin immer in Bewegung”, sagt Conzen.

„Warm anziehen und warm arbeiten”, lautet das Rezept von Rolf Maier, der täglich in Eschweiler unterwegs ist, um den Müll der Indestädter zu entsorgen. Ein T-Shirt, ein dicker Pulli, eine Jacke und eine Mütze reichen dem Mann als Schutz gegen die Kälte. Nur auf die lange Unterhose mag er nicht verzichten: „Sonst werden die Waden kalt.” Man dürfe sich nicht zu dick einpacken, sonst bekomme man auch kalt, sagt Maier. Deshalb dreht er die Heizung im Fahrzeug auch lieber runter als rauf. „Der ständige Wechsel zwischen heiß und kalt ist ja auch nicht gesund”, weiß Maier.

Die Auslage ihrer Waren hat Gemüsehändlerin Ursula Palmen längst nach drinnen verlagert. Trotzdem ist es kalt, die Verkaufsfläche ist zur Fußgängerzone hin weit offen. Mit Kaffee und Tee versuchen sie und ihre Mitarbeiterin sich von innen zu wärmen, hinzu kommen mehrere Lagen Kleidung nach dem Zwiebelprinzip. „Ins Detail möchten wir aber nicht gehen”, sagt ihre Mitarbeiterin und lacht. Palmen ist froh, wenn Kunden in den Laden kommen und bedient werden wollen. „Dann kann ich mich wenigstens etwas bewegen, damit mir wärmer wird.”

Viel bewegen kann sich Adam Burda nicht. Fast jeden Tag steht er bei Wind und Wetter an der Kreuzung Englerth- und Grabenstraße, um seine Bratwürste zu verkaufen. Seine Hände hält er über den brutzelnden Wurste warm. „Problematisch ist der Wind, der pfeift ganz schön im Rücken”, sagt Burda. Er hat gleich mehrere Tipps zum Schutz gegen die Kälte auf Lager: abends kalt duschen, sich einen Bart wachsen lassen und eine dicke Filzmütze aufsetzen.

Eine Mütze trägt Sebastian Götze nicht, dafür aber zwei T-Shirts und zwei Pullover unter der dicken Jacke und eine Jogginghose unter der Arbeitshose. Der 21-jährige Azubi im Metallbau ist gemeinsam mit seinen Kollegen an einer Fassade an der Grabenstraße beschäftigt. Für einen warmen Kaffee oder einen Kakao sind die Männer immer dankbar. „Das wärmt von innen.” Wenn gar nichts mehr hilft, hat Sebastian ein besonderes Geheimrezept: „Dann mache ich mir warme Gedanken und träume von schönen Frauen.”
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