Eschweiler - Wenn im Bahnhof Elena mit dem Teufel tanzt

Wenn im Bahnhof Elena mit dem Teufel tanzt

Von: na
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„Camarel” (links) ließen na
„Camarel” (links) ließen nach ihrem fulminanten Auftritt auf überregionalen Erfolg hoffen. Und „The Radio Broadcast” organisierten die Konzerte und legtenauch selbst einen dynamischen Auftritt hin. Foto: Nils Aßmus

Eschweiler. Wieder einmal hat es jetzt „Jugend rockt” geheißen, um junge Musiker aus der Region vorzustellen und ihnen Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Dass reichlich Potential und künstlerische Kreativität auch in der Indestadt vorhanden ist, bekamen die Zuhörer im Talbahnhof eindrucksvoll zu hören.

Mit den „Marching Mellows” startete der Konzertabend um 20 Uhr. Die vier jungen Musiker rund um Frontfrau Katarina Radonic präsentierten einen bunten Mix aus selbst geschriebenen Songs und gecoverten Stücken. Dass das Quartett nicht mehr zur Schule geht, sondern bunt über die Republik verstreut in Berlin, Hamburg und Köln studiert, machte das Proben in letzter Zeit zwar nicht einfach, aber dafür lassen sich die neuen Songs gut anhören.

Neben älteren Eigenkompositionen wie „Get well soon” oder „Someones Life” gab es am Freitag auch eine Premiere für die meisten Zuschauer. Die Ideen zum neuen Stück „Devils Dance” kamen diesmal von Bassistin Elena Hauten, die ihren Song dann gleich auch selber sang. Dabei überzeugte die ansonsten nur zweite Stimme mit einer Fülle und Stimmfarbe, die die Zuhörer fesselte und der eingänglichen und reifen Melodie des Songs Leben einhauchte. „Devils Dance” versetzte den Talbahnhof eigentlich einige Jahrzehnte zurück, in eine Zeit, in der sicherlich Johnny Cash seinen Spaß an dem blueslastigen Stück gehabt hätte.

Ansonsten bewegten sich die „Marching Mellows” mit Markus Hagel (Keyboard) und Alisha Offergeld (Schlagzeug) genreübergreifend als Crossover-Band und bereiteten die Fans auf den weiteren Verlauf des Abends vor. Im Anschluss eroberte die ebenfalls aus Eschweiler stammende Combo „Camarel” die Bühne.

Das Quartett wurde erst letztes Jahr gegründet und stellte sich im Dezember der Öffentlichkeit vor. Mit diesem Hintergrundwissen war die positive Überraschung nach den ersten Takten noch größer. Die eigenen Songs erzählen Geschichten, die das Leben schreibt. Beeindruckend war vor allem der druckvolle Gitarrensound, der von deftigen und ausgefeilten Beats von Schlagzeuger Stefan Engels noch verstärkt wurde.

Im ersten Moment erinnert die Musik der vier jungen Künstler um Sängerin Michelle Kuban und die Gitarristen Michael Heidmann und Joel Braun an die aus der Indieszene bekannte Band „Flyleaf”, die ebenfalls mit einer tollen Stimme der Frontfrau und melodischen Gesangsstimmen besticht. Die melodische Klarheit der Stücke riss dabei während des Konzertes nie ab, auch wenn die Instrumentalabteilung in einigen Passagen härtere Gangarten anschlug und den Talbahnhof zum Beben brachte. Dabei wirkten die Songs so durchdacht und die Akkordfolgen so grandios, dass man eigentlich Musiker erwartet hätte, die deutlich älter sind als die Nachwuchstalente aus der Indestadt.

„Camarel” folgen keiner festlegbaren Musikrichtung, sondern erweitern die Grenzen der Genres. Mal wirken die Gitarrenriffs „punkig”, mal kommt steht ein unglaublich breiter Indie- und Alternativsound im Vordergrund und beschert den Zuhörern einen wahren Ohrenschmaus. „Rain”, oder „Valentine”, genauso wie „Good for nothing”, sind die Stücke, die begeisterten Beifall der Fans nach sich zogen und mit epischen Charakterzügen die Zuhörer mitreißen und auf zukünftigen, vielleicht auch überregionalen Erfolg hoffen lassen.

„Headliner” des Abends waren die vier Jungs von „The Radio Broadcast” aus Aachen. Die Besetzung der Band, die schon auf Tour in großen Teilen der Bundesrepublik war und sogar in Schweden auftrat, dürfte den Kennern der Eschweiler Musikszene wohl bekannt sein. Sänger Fabian Kamp war auch mal der Frontmann von „Skies Turn Red”, die vor einigen Jahren das musikalische Geschehen in der Indestadt entscheidend mitprägten. Gitarrist Michael „Miggi” Fahl war Teil der für ihre explosiven Auftritte gefeierten Band „Superplex”.

Am Freitagabend fehlte Bassist Florian Eggert aufgrund eines Auslandsaufenthaltes. Für ihn sprang Jens Hellmich in die Bresche, der ebenfalls zur Combo „Superplex” gehörte. Komplettiert wurde die Alternativ-Band, die sich 2009 gründete durch Schlagzeuger Frank Roeger.

Von Beginn an merkte man den Aachenern ihre Bühnenroutine an, mit der die ihre Songs präsentierten. Das Gefühl des Aufbruchs ist der treibende Motor für die Stücke, in denen es um Loslassen und Neuanfang geht. Die Musik wirkt ehrlich und wird von harten Rhythmen am Schlagzeug vorangetrieben. Die beiden Gitarren von Fabian Kamp und „Miggi” Fahl präsentieren alternativen Sound und Kamps markante Stimme sorgt für Wiedererkennungswert. Titel wie „Leave this City” oder „Collaps” kommen beim Publikum an. Dazu kommt eine sprunggewaltige Bühnenperformance von Jens Hellmich und rundet das Musikpaket des Abends ab.

Neben ihrem Auftritt lag auch die Organisation zum größten Teil in den Händen von „The Radio Broadcast”, die einen tollen Konzertabend für Publikum und Bands erst möglich machte.
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