Wenn die Flanke in Nachbars Garten landet

Von: Andreas Gabbert
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Das Schild bittet im um VerstÀ
Das Schild bittet im um Verständnis: Trotzdem werden auf dem Spielplatz weiterhin Flanken und Standardsituationen geübt. Alle anderen müssen dann die Köpfe einziehen. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Wer neben einem Spielplatz wohnt, muss damit rechnen, dass die Geräusche der spielenden Kinder auch bis in seinen Garten dringen. Damit haben die meisten Anwohner des Spielplatzes an der Danziger Straße auch kein Problem. Im Gegenteil.

„Wenn der Ort als Spielplatz genutzt wird, ist es der schönste Platz der Welt”, sagt Inge Rinkens, die mit ihrem Mann Wolfgang in direkter Nähe wohnt. Was ihnen und anderen Anwohnern aber nicht gefällt ist, dass sich der Spielplatz in ihren Augen mittlerweile zu einem Bolzplatz entwickelt hat. Kleinen Kindern werde das Spielen und Schaukeln unmöglich gemacht, da sie sonst von den Bällen getroffen würden.

Die Eltern der Kinder würden von den Fußballspielern beschimpft, den Anwohner würden die Gläser vom Tisch geschossen und es werde ständig unerlaubt in die Gärten eingedrungen, beschweren sich die Anwohner. Jahrelang sei es rund um den Spielplatz gut gelaufen, sagt Rinkens, die auch im Namen anderer spricht: „Wenn ein Ball rüberflog, haben wir ihn einbehalten, bis ihn die Eltern abgeholt haben und wir ihnen die Problematik erklären konnten.” Das habe immer gut funktioniert, bis vor zwei Jahren die Situation eskalierte. Da stand die Polizei vor der Tür und verlangte die Herausgabe eines Balles. „Plötzlich waren wir die Bösen”, sagt Rinkens.

Nach einem Schreiben an die Stadt wurde vor zwei Jahren auf dem Spielplatz ein Schild aufgestellt, dass darum bittet, zum Fußballspielen die nahe gelegenen Bolzplätze aufzusuchen. Der Erfolg hält sich offensichtlich in Grenzen. Auf dem Spielplatz werden zum Leidwesen der Anwohner und der anderen Spielplatzbesucher weiterhin Flanken und Standardsituationen eingeübt.

Die Anwohner sprechen von einer unerträglichen Situation. Obwohl sich ihre Gärten hinter rund zwei Meter hohen Holzzäunen verstecken, fühlen sie sich nicht mehr wohl. Auf ihre Beschwerden hin werde oft mit versteckter Gewalt reagiert, so seien im Winter öfter Schneebälle mit Sand und Steinen gegen die Fenster geflogen. Inge Rinkens traut sich aus Angst vor Racheakten nicht mehr, sich auf dem Spielplatz blicken zu lassen.

Manche Anwohner haben bereits mit dem Gedanken gespielt, fortzuziehen, ein anderer hat seinen Gartenzaun mittlerweile mit Stacheldraht verstärkt, um das unbefugte Betreten seines Grundstückes zu verhindern.

Den Vorwurf, die Existenz des Spielplatzes sei ihnen ja bei ihrem Einzug bekannt gewesen, wollen die betroffenen Anwohner nicht gelten lassen. „Es geht nicht um den Spielplatz, unsere Kinder haben früher hier auch gespielt und unsere Enkelin würde jetzt auch gerne dort spielen”, sagt Inge Rinkens. „Kinderlärm ist etwas schönes, aber man hört ihn nicht mehr”. Und daran seien eben die Fußballspieler schuld, die zwischen 11- und 14-Jahre alt sein dürften.

Olaf Tümmeler, verantwortlich für die Jugendarbeit in der Stadt Eschweiler, hatte sich bereits im vergangenen Jahr mit der Situation befasst. Er hat mit den Anwohnern Gespräche geführt, sich ihre Gärten angesehen und versucht, den Fußballbegeisterten andere Plätze in der Nähe aufzuzeigen. Für Tümmeler ist das keine leichte Situation, da er für beide Seiten Verständnis hat. Umso bedauerlicher findet er es, wenn bestehende Alternativen nicht genutzt werden.

Tümmeler glaubt, das läge daran, dass die Fußballer wohl selber Anwohner des Spielplatzes seien und eben am liebsten vor der Haustüre spielten. Inge Rinkens sieht das ähnlich, andere Plätze seien eben weniger attraktiv und die Eltern wollten ihre Kinder auch im Auge behalten. Am Montag war Nicole Hillenmacher von der Mobilen Jugendarbeit vor Ort.

Der Zustand der Bolzplätze soll jetzt nochmals ins Auge genommen werden. Außerdem will sie Anwohner, Kinder und Eltern wieder miteinander ins Gespräch bringen, um einen Kompromiss zu finden. „Ich bin sicher, dass wir das schaffen”, sagt Hillenmacher.
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