Wenn der blaue Dunst (k)ein Begleiter sein muss

Von: Robert Flader
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Darauf wollen viele nicht verzichten: In Deutschland genießen rund 20 Millionen Menschen den Konsum von Zigaretten. Foto: imago/blickwinkel

Eschweiler. Sicherheit oder Angst? Vergnügen oder Depression? Belohnung oder Entzugserscheinungen? Vor solchen Fragen stehen viele der in Deutschland rund 20 Millionen lebenden Raucher, wenn sie langfristig nach einem Ausweg vom blauen Dunst suchen. Viele Menschen empfinden rauchen als Anregung, Vergnügen, Entspannung.

„Doch es gibt für solche Gefühle eigentlich ganz andere Dinge, die nicht gesundheitsschädlich sind”, sagt Dr. Wolfgang Grebe bei einem Vortrag am Rande einer Ärztetagung über die neuesten Methoden der Tabakentwöhnung im Haus Kambach. „Man muss den Leuten solche Alternativen nur zeigen.”

An der Fachtagung in Kinzweiler nahmen rund 60 Ärzte aus Eschweiler und der Region teil, einige von ihnen selbst passionierte Raucher. Und die staunten nicht schlecht, als sie vom aus Frankenberg stammenden Grebe erfuhren, dass „es immer mehrere Schritte zu beachten gibt, wenn man mit dem Rauchen ernsthaft und langfristig aufhören will. Die bloße Warnung vor Schäden reicht in den meisten Fällen nicht aus.”

So qualmten viele regelmäßige und abhängige Raucher auch bei warnenden Hinweisen auf psychische und physische Folgeschäden trotzdem weiter - sprichwörtlich ohne Rücksicht auf Verluste. „Und wenn jemand partout nicht will”, stellt Grebe klar, „können wir als Ärzte auch nicht weiterhelfen. Gegen die Überzeugung, es zu wollen, bringt es nichts, da ist keine Therapie erfolgreich.” Und das obwohl Rauchen offiziell als Sucht klassifiziert ist. Obwohl die Zigarette in ihrer Zusammensetzung ein Giftgasgemisch ist.

Gesellschaftlicher Wandel

Dabei sei das politische und gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik heutzutage „außerordentlich nichtraucherfreundlich”, wie es Grebe beschreibt. Ein paar Beispiele: 2002 wurde das Gesetz zu rauchfreien Arbeitsplätzen eingeführt, 2003 alle Zigarettenpackungen mit mit Warnhinweisen versehen.

Zusätzlich kamen in den letzten Jahren rauchfreie Flüge, Gaststätten und Diskotheken hinzu. Ein Schritt in die richtige Richtung? „Sicher, aber das allein reicht nicht, die Leute rauchen trotzdem weiter, selbst wenn Zigaretten heutzutage unverschämt teuer sind.”

Grazina Urmonas sagt, dass die Ärzte in der Region stärker sensibilisiert werden sollen. „Einige sind selbst Raucher und haben da einen ganz anderen Blick drauf,” sagt die Geschäftsführerin der GOÄ (Genossenschaftlich organisierte Ärzte) Aachen Land, unter deren Federführung die Tagung stattfand. „Es lassen sich viele Schäden vermeiden, wenn man die Augen aufmacht.”

Doch dass die meisten Raucher nicht von heute auf morgen aufhören können, ist auch dem Spezialisten klar: „In den ersten drei bis vier Wochen kann es zu körperlichen Entzugserscheinungen kommen”, sagt Grebe. Das „Zigaretten-Verlangen” würde erst nach rund sechs Monaten spürbar abnehmen, nach knapp einem Jahr würde sich der Alltag dem Nichtrauchen angewöhnen und das Verlangen somit nachlassen.
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