Wenn andere frei haben, fängt die Arbeit das Hausmeisters an

Von: Anja Klingbeil
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Der Lack ist ab: Jetzt muss neuer drauf. Solche Streicharbeiten erledigt Ralf Linzen in den Sommerferien. Foto: Anja Klingbeil

Eschweiler. Im Musikraum der Grundschule Kinzweiler stapeln sich die Stühle auf den Tischen. An der Wand lehnen neue Fensterrahmen und Scheiben. Die ganze Szenerie erinnert mehr an eine Baustelle als einen Klassenraum. Mitten drin steht Ralf Linzen. Und der ist sich sicher: „In vier Wochen ist alles fertig. Dann kann das neue Schuljahr beginnen.”

Ganz schön optimistisch der Mann. Doch er muss es schließlich wissen. Seit November 2008 ist Ralf Linzen Hausmeister der Grundschule.

Als solcher hat er auch in den Ferien jede Menge zu tun. Sechs Wochen auf der faulen Haut zu liegen, sieht anders aus. Der Tag fängt morgens um 7 Uhr an und endet um 14.30 Uhr. Bis 17.30 Uhr hat Ralf Linzen dann noch Bereitschaftsdienst.

„Und abends mache ich immer mal einen Kontrollgang”, erzählt der 48-Jährige. Denn zur Schule gehört auch ein kleines Außengelände. Ein idyllischer Platz mit Schaukel, Tisch und Bank, der sich zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche entwickelt hat.

„Das wäre ja auch nicht weiter schlimm”, sagt Linzen. Doch leider werfen die nächtlichen Besucher oft auch ihren Müll einfach auf den grünen Rasen. Es ist gar nicht so lange her, dass Hausmeister Linzen am Sonntagmorgen den Rasen gesaugt hat.

Knapp 40 zerbrochene Glasflaschen lagen dort. Und damit sich kein Grundschulkind an einer Scherbe verletzt, hat Linzen das Grün gründlich gereinigt.

Während die 180 Mädchen und Jungen sowie die Lehrer ihren Urlaub genießen, erledigt Ralf Linzen unterdessen all jene Arbeiten, die er im laufenden Schuljahr nicht anpacken kann. Ein Außengeländer muss etwa gestrichen werden.

Durch die Witterung ist der Lack abgeplatzt. Was einst rote Farbe war, hängt nun in Fetzen am Geländerlauf herab. „Sowas kann ich nicht machen, wenn die Kinder da sind. Die Eltern würden sich sicher nicht freuen, wenn die Kleidung ihrer Sprösslinge voller Lackfarbe ist”, sagt Ralf Linzen.

Normalerweise wird in den Sommerferien auch der Boden vom Klassenzimmer bis zur Turnhalle gesäubert und gebohnert. „Das müssen wir in diesem Jahr aber in die Herbstferien verschieben”, erklärt Linzen.

Denn zurzeit stehen noch größere Arbeiten in der Grundschule an: Die Fenster werden komplett ausgetauscht, die Decken erneuert und neue Brandschutztüren werden eingebaut. Knapp 170.000 Euro kostet das. Geld, das aus den Mitteln des Konjunkturpakets II stammt. „Diese Arbeiten muss ich beaufsichtigen. Die Firmen müssen ja irgendwie in die Schule kommen”, sagt Ralf Linzen.

Dass er, während andere Ferien machen, arbeiten muss, macht ihm dabei nichts aus: „Es ist traumhaft, Hausmeister an einer Grundschule zu sein. Ich finde es klasse. Kein Tag ist wie der andere. Und die Kinder sind sehr pflegeleicht.”

Aber wann hat denn nun der Hausmeister mal Urlaub? „Das ist gar nicht mehr so lange hin”, sagt Ralf Linzen und lächelt. Die Wochen drei, vier und fünf der Sommerferien hat der 48-Jährige frei. „Ich fahre in diesem Jahr aber nicht weg”, erzählt er.

Die Schule hat er somit weiter stets im Blick. Denn gerade mal knapp 100 Meter wohnt er mit seiner Familie entfernt. „In der letzten Ferienwoche geht´s auch schon wieder los. Da muss alles für den Schulbeginn hergerichtet werden.”

Die Baustelle soll dann wieder eine echte Grundschule sein.
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