Weltenwanderer auf der Suche nach sich selbst

Von: ran
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„Es fordert bereits Überwind
„Es fordert bereits Überwindung, Gedichte anderen vorzutragen. Von der Veröffentlichung in einem Buch ganz zu schweigen”, sagt Dr. Martin Furtkamp. Bis Anfang vergangenen Jahres war der Mathematiker und Physiker Lehrer an der Eschweiler Realschule. „Wanderungen zwischen den Welten” heißt sein gerade erschienener Gedichtband. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Seit seiner Referendarzeit führt er Tagebuch. Ganz herkömmlich mit Stift und Kladde. Zunächst hielt der ehemalige Lehrer der Realschule Patternhof darin lediglich Notizen für den Unterricht fest. Doch bald fand auch fast alles Übrige den Weg auf das Papier. Und aus diesen Gedanken wurden schließlich Gedichte.

Eine Auswahl davon hat Dr. Martin Furtkamp nun in seinem ersten Gedichtband unter dem Titel „Wanderungen zwischen den Welten” im Verlag „Shaker Media” veröffentlicht.

„Ein Gedicht zu schreiben, bedeutet für mich das Festhalten eines flüchtigen Augenblicks”, beschreibt Dr. Martin Furtkamp seine Empfingungen, wenn er Zeilen zu Papier bringt. „Meine Werke haben einen autobiographischen Hintergrund, einen philosophischen Ansatz und sind ursprünglich für mich geschrieben”, macht der Autor deutlich. Der 1951 in Krefeld Geborene studierte zunächst Mathematik auf Lehramt und unterrichtete anschließend am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Solingen-Ohligs. „Doch nach fünf Jahren habe ich gekündigt, weil ich mich für einen schlechten Lehrer hielt.”

Durch Australien und Neuseeland

Dass seine Schwerhörigkeit, Martin Furtkamp ist auf einem Ohr hochgradig schwerhörig und leidet auf dem anderen Ohr an Altersschwerhörigkeit, zu den Problemen in seinem Beruf führte, wollte er sich damals noch nicht eingestehen. Stattdessen ging er mit seiner damaligen Lebensgefährtin und heutigen Frau Regina Becker auf eine eineinhalbjährige Reise durch Australien, Neuseeland und zu den Pazifikinseln. „Damals habe ich meine Eindrücke in einem Reisetagebuch festgehalten. Aus diesen Aufzeichnungen wurden komprimierte Texte, aus denen dann zahlreiche Gedichte entstanden”, erinnert er sich. Nach seiner Rückkehr studierte der heutige Wahl-Würselener Physik und war am Institut für Metallkunde der RWTH Aachen tätig, bevor es ihn wieder in den Schuldienst an die Realschule I nach Stolberg und dann zur Realschule Patternhof verschlug, wo er im Februar 2011 in die Ruhephase seiner Altersteilzeit eintrat.

Gedanken auf den Punkt bringen

„In den Gedichten setze ich mich mit meinen Zweifeln auseinander, stelle mich selbst in Frage, gebe mir aber auch Antworten. Es ist eine Art der Selbstorientierung und der Versuch, ungeordnete Gedanken auf den Punkt zu bringen”, erklärt der Pädagoge, der seit Mitte der 90er Jahre Mitglied des Literaturbüros der Euregio Maas-Rhein ist. „Ich wollte wissen, wie meine Texte wirken und habe dort auch die Möglichkeit entdeckt, Literaturseminare für Schwerhörige zu besuchen, was mir bei der Auseinandersetzung mit meiner Behinderung sehr geholfen hat”, blickt er zurück. Andere Mitglieder des Literaturbüros waren es auch, die Dr. Martin Furtkamp immer wieder ansprachen, ob er seine Werke nicht veröffentlichen wolle. Den letzten Anstoß erhielt der Autor schließlich, als er im Herbst 2011 das Seminar „Kreatives Schreiben für Schwerhörige” belegte. „Es fordert bereits Überwindung, Gedichte anderen vorzutragen. Von der Veröffentlichung in einem Buch ganz zu Schweigen”, unterstreicht der Dichter, dass er im Vorfeld Zuspruch benötigte und bekam. Besonders fasziniert ist Martin Furtkamp vom Zusammenspiel zwischen den Naturwissenschaften Mathematik und Physik auf der einen, sowie Lyrik auf der anderen Seite. „Dieser produziert einen Wechsel der Sichtweisen. Nämlich Ursache und Wirkung gegen den Versuch, Assoziationen beim Leser in Gang zu setzen und ihnen den Blick über den Tellerrand hinaus zu ermöglichen. Ich möchte mit Beidem arbeiten.”

Von 1981 bis 2010 reicht die Spannweite der Entstehung der 42 Gedichte. Die letzten 14 Werke bilden einen Zyklus, in dem sich Furtkamp mit dem letzten halben Jahr seiner Berufstätigkeit beschäftigt und annähernd die Bilanz eines zu Ende gehenden Lebensabschnitts zieht. Im nun seit gut einem Jahr andauernden neuen Lebensabschnitt schreibt Furtkamp weiterhin Gedichte. Ob diese einmal veröffentlicht werden, bleibt abzuwarten. Der Autor spielt mit dem Gedanken, eventuell Prosatexte zu einem Buch zusammenzufassen. Einige der Exemplare seiner „Wanderung zwischen den Welten” sind in der Buchhandlung Oelrich & Drescher zu erhalten. Darüber hinaus können Exemplare unter http://www.shaker-media.eu/de bestellt werden.
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