Weisweiler haben den Lärm gründlich satt

Von: Rudolf Müller
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Bis zu 250 Lastzüge pro Tag (
Bis zu 250 Lastzüge pro Tag (im Durchschnitt aller Werk- und Sonntage sind es 157) rollen durch Weisweiler. Viel zu viel, sind sich SPD und CDU einig. Sie fordern eine Sperrung des Ortskerns für den Durchgangsverkehr. Bislang vergeblich. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Seit Jahren haben sie die Nase voll von Verkehrslärm und -dreck: Die Anwohner der Hauptstraße und Lindenallee in Weisweiler wollen den Ortskern ihres Stadtteils möglich frei von Lkw halten.

So ganz geht das natürlich nicht: Etliche Geschäfte und Unternehmen sind auf Belieferung mittels Lkw angewiesen. Aber die sind es nicht, die stören: Der Durchgangsverkehr, so betont auch die örtliche SPD, hat im Ortszentrum nichts verloren.

Die Genossen betonen dies nicht erst seit kurzem: Schon 2008 - vor der jüngsten Kommunalwahl - stand dieses Anliegen ganz oben auf einer Wunschliste der SPD. Und auch bei den Veranstaltungen zum Projekt „Weisweiler im Wandel” (das nach intensiver Vorarbeit und breiter Beteiligung von Bürgern und Städtebau-Studenten inzwischen mangels ausbleibender Landesmittel ad acta gelegt worden ist), spielte die Forderung nach einer weitgehend Lkw-freien Orts-Hauptstraße eine zentrale Rolle.

Passiert ist wenig. Jetzt macht die SPD Weisweiler erneut mobil. Und freut sich darüber, dass auch die örtliche CDU sich inzwischen des Themas annimmt. „Wir fordern Verbotsschilder für Lkw-Durchfahrt und die konsequente Überwachung durch die Polizei!”, forderte CDU-Ortsverbands- und Ratsfraktionsvorsitzender Bernd Schmitz vor kurzem in dieser Zeitung. „Gemeinsam bekommen wir möglicherweise mehr bewegt”, hofft Ottmar Krauthausen, Ratsmitglied sowie stellvertretender Ortsvereins- und Stadtverbandsvorsitzender der SPD.

„Kaum zu überwachen”

Zwei simple Schilder sind, es die er und seine Mitstreiter aufgestellt sehen wollen: am Hagelkreuz und an der Kölner Straße. Durchfahrtsverbot für Lkw. Und des notwendigen Lieferverkehrs wegen mit dem Zusatz: Anlieger frei.

Dass sich alle Träger öffentlicher Belange (Polizei, Landesbetrieb Straßenbau) gegen eine solche Sperrung ausgesprochen haben, können die Weisweiler nicht nachvollziehen. „Der Zusatz ?Anlieger frei ist aus polizeilicher Sicht nicht empfehlenswert, weil die Anlieger-Regelung kaum zu überwachen bzw. zu ahnden wäre”, teilte Bürgermeister Rudi Bertram den Weisweiler Genossen mit. Für Krauthausen ein Unding: „Das heißt: Wir stellen keine Schilder auf, weil sich ohnehin kaum einer daran hielte?! Mit einem solchen Argument könnte man sich 90 Prozent aller Verkehrsschilder sparen.”

Tatsache ist: es war schon schlimmer in Weisweiler. Damals, ehe die Umgehungsstraße gebaut wurde. Seither stehen zwei Großunternehmen bei den Weisweilern im Wort: „AWA-Chef Ulrich Koch hat uns versichert, die Lkw-Fahrer, die die Müllverbrennungsanlage ansteuern, angewiesen zu haben, die Umgehungsstrecke zu nutzen. Und Kraftwerksleiter Gerhard Hofmann hat darauf hingewiesen, dass in den Lieferverträgen des Kraftwerks auch die zu fahrende Route festgeschrieben sei. Und die führe um Weisweiler herum.”

Feststellbar sei aber auch, dass zahlreiche Fahrer sich verständlicherweise die kürzeste Route suchten. Und dann eben doch durch den Ort kurven.

Dafür sprechen auch Verkehrszählungen, die im Juni dieses Jahres gemacht wurden. Die städtischen Zähler registrierten an 15 Tagen - genauer gesagt: von Dienstag, 5. Juni, 14.02 Uhr bis Dienstag, 19. Juni, 8.43 Uhr - auf der Lindenallee insgesamt 37.797 Fahrzeuge, darunter 4008 Transporter, 1914 Lkw und 2294 Lastzüge. Macht eine durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) von 5839 Fahrzeugen pro Tag, die mit durchschnittlich 49 Stundenkilometern (Richtung Zentrum) bzw. 52 km/h (Richtung Bahnübergang) unterwegs waren. Bei einer Verkehrszählung im Jahr 2000 waren hier 15.872 Fahrzeuge unterwegs - 10.033 mehr als heute. Macht einen Rückgang von 63 Prozent. Eine stolze Zahl, die die Weisweiler aber wenig beeindruckt. Hat die Zählung doch auch ergeben, dass täglich noch immer bis zu 254 Lastzüge durch den Ort rollen. „Lastzüge”, betont Krauthausen, „normale Lkw nicht eingerechnet!” Da kämen dann noch einmal bis zu 200 dazu.

Für die SPD Weisweiler ist klar: „Ohne ein Hinweisschild ist es für einen Lkw-Fahrer nicht klar, warum er den weiteren Weg um den Ort herum fahren soll”, betont SPD-Geschäftsführerin Angelika Zimmermann. „Mit einer solchen kleinen Maßnahme würde die Lebensqualität in Weisweiler bereits entschieden verbessert.”

Antwort steht aus

Bereits im Juli hatte Bürgermeister Rudi Bertram den Weisweilern zugesagt, ihren Antrag der Polizei und dem Landesbetrieb Straßenbau, der für die Aufstellung der gewünschten Schilder zuständig ist, gemeinsam mit dem Ergebnis der jüngsten Verkehrszählung weiterzuleiten. Obwohl, so Bertram, die Belastung von Hauptstraße und Lindenallee heutzutage „deutlicher geringer ist als die Belastung auf vergleichbaren Durchgangsstraßen anderer Ortsteile.” Die Antwort des Landesbetriebs wie auch der Polizei steht noch aus.
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