Eschweiler - Wahrzeichen weicht der neuen Landstraße

Wahrzeichen weicht der neuen Landstraße

Von: Patrick Nowicki
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Der Abriss hat begonnen: Zwei Bagger fressen sich von oben in die Tiefe, ein dritter schaufelt den Schutt fort. Foto: Nowicki
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Der Abriss hat begonnen: Zwei Bagger fressen sich von oben in die Tiefe, ein dritter schaufelt den Schutt fort. Foto: Nowicki

Eschweiler. Schlag für Schlag bröckelt ein Stück Historie vom Widerlager der ehemaligen Eisenbahnbrücke an der Phönixstraße. Zwei Bagger fressen sich von oben in die Tiefe, ein dritter schaufelt den Schutt fort. Der Schriftzug des Unternehmens, das Eschweiler vor Jahrzehnten weit über die Stadtgrenzen hinaus repräsentierte und Tausende Menschen beschäftigte, ist bereits verschwunden.

Die Initialen des Eschweiler Bergwerksvereins. Die drei Buchstaben erinnerten an die industrielle Hochzeit Eschweilers, als der Bergbau blühte und Schwerindustrie das Stadtbild prägte. Jetzt muss das Widerlager einer Straße weichen, auf die viele Indestädter seit Jahrzehnten warten: dem 2. Bauabschnitt der Landesstraße 238 neu, kurz: L238n.

Die industrielle Blütezeit hat nicht nur positive Spuren hinterlassen. Die Industrieschlacken wurden einfach aufgekippt und angehäuft. So entstanden der Hohenstein, aber auch die Halde Hasselt. Dort verläuft die Trasse der Ortsumgehung Pumpe-Stich. Zahlreiche Bodenproben haben in den vergangenen Jahren zu klären versucht, was sich alles im Untergrund befindet. Die Städteregion als Umweltamt einigte sich schließlich mit dem Landesbetrieb Straßenbau darauf, dass das Material an Ort und Stelle bleibt.

Das bedeutet, dass die Schlacke zwar abgetragen, aber an anderer Stelle der 2,5 Kilometer langen Baustelle wieder ausgeladen wird – als Wall oder Untergrund für die Straße. Anschließend wird das Material, das auch für Böschungen benutzt wird, mit Lehm und Mutterboden abgedeckt und bepflanzt. Die Behörden gehen davon aus, dass so keinerlei zusätzlicher Schaden für die Umwelt entsteht.

So ganz ohne Beschwerden von Anwohnern läuft auch die Großbaustelle zwischen Hohenstein und Phönixstraße nicht. Dreck und Lärm lassen sich nicht vermeiden, wenn Bagger sich in den Boden fressen. Allerdings halten sich die Beschwerden in Grenzen, wie Christoph Dohms bestätigt. Er ist Bauleiter und Bauingenieur beim Landesbetrieb Straßenbau. Er räumt ein, dass gerade bei trockenem Wetter viel Staub aufgewirbelt wird. „Während der Bauarbeiten wird die Baustelle deswegen bewässert“, erläutert er. So soll vermieden werden, dass die Belastung für die Anwohner unerträglich wird.

In vielfacher Hinsicht ist der Straßenbau auf dem Hohenstein außergewöhnlich und für die Ingenieure eine Herausforderung. Im Boden verstecken sich nicht nur Schlacken, sondern auch alte Bergbaustollen. In Karten sind nicht alle eingezeichnet. Deswegen mussten Fachbüros genau feststellen, wo sich die unterirdischen Gänge befinden. Verschiedene Verfahren wurden bei der Planung in Erwägung gezogen, letztlich entschied sich der Landesbetrieb dafür, die Stollen mit Beton auszugießen, um zu vermeiden, dass die Straße später einmal absackt. Damit nicht genug: Eine Spezialfirma pumpt derzeit unter Druck flüssigen Zement in die Stollen. „So wollen wir erreichen, dass möglichst viele Hohlräume geschlossen werden“, sagt Dohms.

Schwierigkeiten bereitet auch die Koordination der Baustelle. Schließlich bewegen die Arbeiter 180.000 Kubikmeter Erde, Schlacke und Fels. Dies entspricht 18.000 Lkw-Ladungen oder 360.000 Tonnen Material. Da müssen die Wege klar sein. Deswegen startete der Bau an beiden Enden der zukünftigen Straße. Am Hohenstein wurden im Mai die Bäume gefällt. Jetzt kratzen Bagger die Schlacke ab. Irgendwann treffen die Baumaschinen auf Lehm, später auf Fels. Während der Lehm zunächst gelagert wird und später als Abdeckung der Schlacke dient, wird das Gestein zerkleinert, um es als Straßenuntergrund zu nutzen, ehe die Asphaltschicht aufgetragen wird. Dieses Material lasse sich ideal verdichten, versichert Christoph Dohms.

An der Phönixstraße nutzt der Landesbetrieb eine Straßensperrung der Stadt, die die Indebrücke dort erneuern lässt, um das Widerlager abzutragen. Seit Montag laufen dort die Arbeiten. Vier Wochen Zeit sind einkalkuliert, in den letzten zwei Wochen soll die Phönixstraße nur zur Hälfte gesperrt werden. Aktuell geht Dohms allerdings davon aus, dass man so lange nicht benötige.

Im Frühjahr des nächsten Jahres soll der Bau beendet sein. Das Land zahlt für die Straße 5,5 Millionen Euro.

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