Wahlkampf im Netz: Da staubt es gewaltig

Von: Patrick Nowicki und Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Der Kommunalwahlkampf tobt im Netz: Die Parteien haben die Möglichkeiten des Internets lange erkannt und werben mit ihren Seiten. Wie viel Information sie allerdings enthalten, ist unterschiedlich.

Unsere Zeitung nahm die Seiten der Parteien, die am 30. August in Eschweiler antreten, am Montag unter die Lupe: Bündnis 90/Die Grünen:

Kühltürme im Hintergrund, ein Windkraftrad im Vordergrund - so empfängt die Homepage der Eschweiler Grünen unter http://www.gruene-eschweiler.de ihre Besucher. Das Plakat zur Kommunalwahl ziert die Seite, direkt darunter gibt es die passenden Links zum Programm in pdf-Format.

Wer die Kandidaten entdecken will, der muss wieder den Zeigefinger strapazieren und scrollen, denn die Artikel sind chronologisch untereinander angeordnet.

Wesentlich übersichtlicher präsentieren sich die Leisten an der Seite: Links stellt sich der Ortsverband vor, rechts nimmt er Stellung zu Themenfeldern. Allerdings haben einige Rubriken bereits Spinnweben angesetzt: Unter „Sport/Kultur” befindet sich nur ein Beitrag vom 14. Februar 2007.

Auch sonst beschränkt man sich auf das Nötigste: Die Kandidatenliste versteckt sich erst als pdf-Link beim Artikel über die Inthronisation der Bürgermeisterkandidatin Gabriele Pieta.

CDU: „Zukunft richtig gestalten!” betiteln Eschweilers Christdemokraten ihr Wahlprogramm. Und auch im Internet möchten sie als „Zukunfts-Partei” glänzen, auch wenn die Farbwahl orange-grau eher etwas altbacken wirkt.

Ihr Bürgermeisterkandidat Dr. Christoph Herzog ist auf der Startseite omnipräsent: Rechts lächelt er vom Wahlplakat, darunter finden sich Links zu seiner Person und Vita. In der Mitte schreibt Herzog (mit Bild) zum Thema Wohnbaugebiet „Verkeskopf”, links in der Leiste leitet ein Link gleichfalls direkt zu seiner persönlichen Vorstellung. Darunter das Wahlprogramm „Zukunft” (als pdf-Version) und das Team „Zukunft”.

Hier findet der potenzielle Wähler mit ein wenig Scroll-Geduld alle Stadtrat- und Städteregionstag-Kandidaten der CDU mit Bild, persönlicher E-Mail-Adresse und Telefonnummer.

Die letzte Meldung unter „Aktuelles” stammt vom 13. Juli. Zudem bitten die Christdemokraten bei aktuellen Themen per Internet-Voting zur Stimmabgabe. Wer lieber Bilder sprechen lassen möchte, muss bei der CDU allerdings mit Fotos vergangener Tage Vorlieb nehmen. Dort gibt es lediglich Impressionen von der Segnung der „Christian-Nießen-Brücke” im Stadtwald. Datum der Feierlichkeiten: 14. Oktober 2007.

Die Linke: Eine eigene Internetadresse hat Eschweilers jüngste Partei nicht. Von der Seite des Kreisverbandes http://www.dielinke-aachen.de aus gelangt man über die Schaltfläche „Ortsverbände” zum Eschweiler Linke-Portal.

In „Kontakt”, „Termine” und „Downloads” findet man Grundsätzliches zum Ortsverband. Sprecher und Bürgermeisterkandidat Albert Borchardt steht multimedial mit Telefonnummer, E-Mail und Wohnadresse als Ansprechpartner zur Verfügung. Die aktuellsten Meldungen stammen von Anfang Juni (Europawahl). Das am 10. Juni verabschiedete Wahlprogramm als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Auffallend ist der ständige Verweis auf „Neuer Impuls Eschweiler”, einer Online-Zeitung, die vor allem das Linke-Klientel bedient. Als medienrechtlich verantwortliche Person wird im Impressum Linke-Bürgermeisterkandidat Albert Borchardt genannt.

FDP: Die Liberalen setzen auf die Englischkenntnisse ihrer Besucher. Wer http://www.fdpeschweiler.de eintippt, kann auf der Startseite unter den Rubriken „Main Menu”, „Latest News” und „Popular” gleich ins Eschweiler FDP-Leben eintauchen. Danach wird´s deutsch: Unter „Aktuelles” steht als letzter Eintrag eine Meldung vom 1. Mai 2009 zum Neubau des Mensa-Gebäudes an der Preyerstraße. Auf der Startseite findet man als letzten Vermerk (9. Juli) das Wahlprogramm der Liberalen. Wer es lesen will, muss viel scrollen, denn eine pdf-Version zum Herunterladen gibt es nicht.

Die bisherigen Rats- und Ausschussmitglieder stellen sich mit Fotos kurz vor. Direkte Kontakmöglichkeiten zu den Kommunalpolitikern sucht der Besucher allerdings vergebens; lediglich im Impressum stehen Telefonnummer des Fraktionsbüros und eine E-Mail-Adresse. Ansonsten präsentiert sich die FDP übersichtlich, aber nicht kreativ. Zudem ist die Informationsfülle eher dünn: Drei Rubriken im „Main Menu” verweisen einfach auf andere Seiten.

SPD: Die Sozialdemokraten gönnen sich eine eigene Internetadresse für die Kommunalwahlen: Von der Homepage des Stadtverbandes (http://www.spd-eschweiler.de) gelangt man auf http://www.in-eschweiler-zuhause.de.

So lautet auch der Titel des SPD-Wahlprogramms, der sich so schnell über Suchmaschinen entdecken lässt. Per Klick öffnet sich die Seite mit dem Wahlprogramm und den Kandidaten. Keine Frage, optisch gelungen und sehr übersichtlich. Allerdings sind die hinterlegten Seiten nicht gestalterisch angepasst, sondern befinden sich auf der Homepage des Stadtverbandes mit der Navigationsleiste an der Seite. Zudem muss sich jeder auf längeres Scrollen einstellen, denn die Kandidaten müssen in einer langen Liste aufwändig gesucht werden. Dies geht eleganter und einfacher!

Unter dem Strich sammelt die Seite jedoch viele Pluspunkte, angefangen von den ausführlichen Daten zu den einzelnen Kandidaten bis hin zur Möglichkeit, das Wahlprogramm als pdf-Datei herunterzuladen. Der Spitzenkandidat Rudi Bertram besitzt übrigens eine eigene Internetseite: http://www.rudi-bertram.de. Auch darauf wird verwiesen. Aktuelle Termine, eine Seitenübersicht, interne Suchmaschine und als einzige Seite ein RSS-Feed (das gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich über Aktualisierungen der Homepage informieren zu lassen) runden den Internetauftritt ab.

UWG: Nachholbedarf hat die Seite der Unabhängigen. Wer http://uwg-eschweiler.cator.de anklickt, landet nicht nur auf der Startseite, sondern bei einem offenen Brief an den Stadtkämmerer Manfred Knollmann vom 4. Juli. Optisch bider gestaltet, überwiegt die Farbe lila. Lediglich eine Navigationsleiste führt die Benutzer durch die sieben Rubriken.

Kann man das Fehlen des grafischen Schnickschnacks noch verkraften, so wiegt die fehlende Informationen zu den Kommunalwahlen ungleich schwerer. Weder ein Programm, noch eine Kandidatenliste befinden sich auf der Seite - und dies fünfeinhalb Wochen vor der Wahl.

Unter der Rubrik „Aktuelles aus Eschweiler” sind die Anträge der Partei vermerkt: Der aktuellste datiert vom 20. April diesen Jahres. Noch verstaubter präsentiert sich der Abschnitt „Leserbriefe”: Der letzte Beitrag trägt das Datum vom 1. August 2008, viele andere Unterabschnitte enden mit Beiträgen aus 2004.

Immerhin: Ein Kontaktformular gibt dem Internetnutzer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auch eine Telefonnummer ist vermerkt: Wer sich dort allerdings meldet, wird auf der Seite nicht ersichtlich. Analog zum Stadtbild sind bei der UWG viele Online-Baustellen zu bearbeiten.
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