Vorurteile über Vorurteile: Fatih Cevikkollu im Talbhanhof

Von: lbe
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„Komm zu Fatih”: Cevikkollu philosophiert über die verkommene deutsche Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Ein bläulich glänzender Hosenanzug, offene Zehensandalen und eine große Klappe - all das vereint Kabarettist Fatih Cevikkollu in einer Person. Egal, was die Zuschauer nach dem Abend im Kulturzentrum Talbahnhof mit nach Hause genommen haben, an seine „geilen Schuhe” dürften sie sich allemal erinnern.

Fatih (übersetzt „Der Eroberer”) bot nach eigenen Angaben einen schönen Abend und „brainfood to stay” statt des üblichen „fastfood to go.” Er, als „besserer Deutscher”, räumt in seinem aktuellen Programm „Komm zu Fatih” mit Vorurteilen und der verkommenen deutschen Sprache auf. Englisch, Deutsch, Türkisch und eine wirre Kombination aus allem präsentierte er seinem Publikum.

Schließlich heiße das Ampelmännchen nicht „Traffic Light Body” (oder im Osten „Leuchtmerkel”), auch wenn der „Laptop von Apple” sich besser anhört als der „Klapprechner von Apfel.” Ebenso spreche niemand von „Hirngewittern”, wenn das gängige Brainstorming gemeint ist. Es gibt nur ein Problem: „Auf der Bühne steht ein Türke und erzählt was über die deutsche Sprache.” Vorurteile über Vorurteile oder denkt nicht jeder, dass der große starke russische Mann vor der Tür von einem Inkasso-Unternehmen kommt, wenn er doch eigentlich die GEZ-Gebühren eintreibt? Verlässt nicht jeder weiße Mann die Dusche, wenn ein Schwarzer Mann sich nackt zeigt?

Fragen, die Fatih Cevikkollu beschäftigen: „Die Gedanken sind frei, auch wenn sie doof sind”, so der Kabarettist. Zu allem Übel wird er auch noch älter. Die Arme werden beim Lesen immer länger und der bereits 18 Jahre zurückliegende Abi-Jahrgang trifft sich zum ersten Mal. Früher spielte er auf den Kölner Straßen noch Verstecken, Fangen und Handtaschen klauen, während er sich heute Gedanken über die richtige Wahl der Worte „obschon, obgleich, sodann und sei´s wohl” macht.

Mit einem romantischen Moment verabschiedete Fatih Cevikollu sich von seinem vorlauten Publikum. Durch die Geburt seiner kleinen Tochter hat er zwei Dinge gelernt. Erstens: Wenn deine Frau Wehen hat, dann halte die Fresse und ihre Hand und zweitens: Der Moment der Geburt ist viel größer, als du selbst jemals sein könntest.
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