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Vortrag: Ermunterung und Ansporn in der Kirche aktiv zu sein

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Theologieprofessor Dr. Dr. Hans Waldenfels, Autor eines Buches über Papst Franziskus, sprach am Dienstag im Gemeindezentrum St. Michael in Eschweiler. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Ermunterung und Ansporn, selber aktiv Kirche zu sein, übermittelte am Dienstagabend im katholischen Gemeindezentrum St. Michael der Theologieprofessor Dr. Dr. Hans Waldenfels in einem Vortrag vor fast hundert interessierten Zuhörern. Waldenfels, Jesuit wie auch Papst Franziskus, ist Autor des Buches: „Sein Name ist Franziskus – Der Papst der Armen“.

In Eschweiler sprach er auf Einladung des „Forums Gott und die Welt“. Einmal zwischendurch, mitten in dem einstündigen Vortrag, gab es spontan heftigen Beifall der Besucher. Da hatte sich Waldenfels, ganz im Sinne des Papstes, gegen die Bildung immer größerer und unpersönlicherer Strukturen innerhalb der katholischen Kirche gewandt und sich für kleinere Gemeinden ausgesprochen. Und auch gleich gesagt, was das ganz praktisch für Eschweiler bedeutet „Also erhalten Sie um Gotteswillen diesen Raum hier!“ Dieser Raum – das ist das Gemeindezentrum St. Michael, für das nach den Plänen der Pfarre St. Peter und Paul künftig eine andere Nutzung gefunden werden soll.

„Feldlazarett voller Kranker“

Immer wieder kam Hans Waldenfels auf das Kirchenbild des Papstes zu sprechen. Es ist ein doppeltes Bild. Da ist zum einen das, was der Papst heftig kritisiert: die Kirche, „die um sich selbst kreist und die ihren eigenen Auftrag vergessen hat“. In einem Interview habe Papst Franziskus die Kirche mit einem Feldlazarett verglichen, voll von Kranken. Und da ist zum anderen ein Kirchenbild, „das der Papst erneuert sehen möchte: eine Kirche im Sinne Jesu und seines Evangeliums für die Menschen“. Die wichtigste Aufgabe der Kirche sei es, Menschen neu zu gewinnen für die Sache Jesu. Der Papst, so Waldenfels, vermittele von der ersten Stunde seines Pontifikats ab das Bild einer Kirche, „die eine Botschaft für die ganze Welt hat und ihre Mitglieder verpflichtet, bis an die Grenzen nicht allein der Erde, sondern eben der menschlichen Existenz zu gehen.“ Dann aber sei zu fragen, warum die Kirche in Deutschland nach wie vor in vieler Hinsicht einen eher traurigen Eindruck mache. Von einem Neuaufbruch sei wenig zu erkennen: „Was ist mit dem viel zitierten Franziskus-Effekt?“

„Das Bild der Kirche, das mir gefällt, ist das des heiligen Volkes Gottes“ zitierte Waldenfels aus einem Papst-Interview. Dieses Bild stamme aus dem Dokument „Lumen gentium“ des 2. Vatikanischen Konzils (1962 - 1965), und dem Papst gehe es offensichtlich darum, diese Vorstellung neu zu beleben. Das Volk Gottes – das seien im wörtlichen Sinne die Laien, sagte Professor Waldenfels. Und Laien, das seien eben nicht die Unwissenden, die Ungebildeten, sondern das seien die Mitglieder des Volkes Gottes, auch wenn manche Kleriker dazu neigen, das Wort Laie eher abwertend zu verstehen.

Unfehlbares Gottesvolk

Das sei ein ganz wichtiges Thema bei Papst Franziskus: „Das Gottesvolk als Ganzes ist unfehlbar! Das hat er bereits als Kardinal gesagt, in Buenos Aires.“ Die Unfehlbarkeit des Volkes, „das klingt revolutionär, und vielleicht ist es das auch, aber das ist keine Erfindung des jetzigen Papstes.

Das stammt nicht von ihm, sondern das stammt aus dem 2. Vatikanischen Konzil.“ Unfehlbar sei die Gesamtheit der Gläubigen im Glauben: „Das einfache Volk irrt nicht im Glauben, auch wenn es keine Worte findet, um seinen Glauben auszudrücken“, zitierte Hans Waldenfels das erste apostolische Schreiben des Papstes, Evangelii Gaudium. Glaube, Hoffnung, Liebe – das könne sich in einem Griff zum Rosenkranz ausdrücken, auch wenn man die Worte des Glaubensbekenntnisses nicht zusammenbekommt, oder in einer Kerze, die man in der Kirche anzündet. Waldenfels: „Die Menschen brauchen offensichtlich Formen, um zu sagen: Das ist meine Sehnsucht. Und der Papst sagt dazu: Menschen, die sich so verhalten, können doch nicht irren im Glauben.“

„Sagen Sie das dem Bischof“

Die Kirche, so interpretiert Waldenfels den Papst, baue sich von unten auf. Das habe wesentlich mit der Identität der Menschen zu tun, weil der Mensch sucht, weil er wissen will, wohin er gehört. In der Tendenz zur kleinen Gemeinschaft als Ort religiöser Zugehörigkeit sehe der Papst einen Schüssel zum geistlichen Leben. Der Referent zitierte aus einem Interview, das Franziskus noch in seiner Zeiot als Kardinal Jorge Mario Bergoglio gegeben hatte: „Das entspricht einem Bedürfnis nach Identität, die nicht nur religiös, sondern auch kulturell ist.“ Diese Worte könne man heute in Deutschland nicht häufig genug vorlesen, versicherte Waldenfels und wandte sich dann direkt an den Pfarrer von St. Peter und Paul, Dr. Andreas Frick: „Sie können das ruhig weitersagen, lieber Mitbruder, auch in Aachen, auch dem Bischof Mussinghoff.“ Wenn das Eigenleben kleiner Gemeinden durch die übergeordnete Struktur außer Kraft gesetzt und vereinnahmt wird, also den Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit beraubt wird, dann sei das eher das Gegenteil von dem, was der Papst anstrebe. Waldenfels: „Es ist ja kein Geheimnis, dass durch die Strukturüberlegungen in Deutschland offensichtlich anders gedacht wird. Da werden Pfarreien zusammen gelegt, weil es nicht genug Pfarrer gibt. Aber das sei von oben nach unten gedacht. „Wir müssen in aller Deutlichkeit sagen, die deutsche Kirchenleitung denkt hier nicht wie der Papst! Sie denkt viel zu sehr von oben nach unten, und nicht von unten nach oben.“ Das Kirchesein neu zu verstehen ist nach Waldenfels’ Darlegungen aber nicht nur Sache der Kirchenhierarchie, sondern jedes Menschen: „Da müssen wir uns alle selber fragen: Fühlen wir uns in der Kirche als Subjekt? Das auf Grund der Geisteserfülltheit sich aktiv einsetzt und wirkt, wo Menschen in Not sind und der Hilfe und Zuwendung bedürfen? Werden wir initiativ in der Kirche?“ Es sei doch so, dass sich viele Mitglieder der Kirche nach wie vor als Objekte verstehen, als passive Empfänger. „Der Gedanke, dass wir alle Subjekt sind, also aktives, tätiges, gestaltendes und helfendes Subjekt, jeder nach seinen Fähigkeiten, ist in unseren Gemeinen längst nicht mehr vorhanden.“

Kirche ist keine Zollstation

Wie Papst Franziskus die Aufgabe der Kirche ganz praktisch versteht, machte Professor Waldenfels an einem einfachen Beispiel deutlich, es stammt aus dem Sendschreiben Evangelii gaudium: „Eine Kirche soll eine Kirche mit offenen Türen sein.“ Das gelte in mehrfacher Hinsicht. Zum einen räumlich. Ein Kirchengebäude, das verschlossen ist, weist den Suchenden zurück. Es gilt aber auch für die Kirche als Institution, zitierte der Redner das Schreiben des Papstes: „Auch die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden.“ Zum Beispiel die Eucharistie – sie sei „nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen.“ Das müsse, so der Papst weiter, auch pastorale Konsequenzen haben. „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“

Hans Coenen von „Gott und die Welt“, Organisator des Vortrags und auch Moderator des Abends, waren solche Worte geradezu aus dem Herzen gesprochen. Er dankte Professor Dr. Hans Waldenfels in bewegten Worten dafür, deutlich gemacht zu haben, wie ernst Papst Franziskus das 2. Vatikanische Konzil nimmt, „was er herausgräbt und jetzt erst wirklich zur Sprache bringt, nachdem das in 50 Jahren nicht so richtig geschehen ist.“

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