Vorläufige Freigabe für Schlachtbetrieb

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
4927273.jpg
Im Eschweiler Schlachthof an der Indestraße dürfen seit Montag wieder Rinder geschlachtet werden. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Der reguläre Betrieb ist am Eschweiler Schlachthof am Montag wieder angelaufen. 21 Rinder wurden geschlachtet, und das ganze unter den wachsamen Augen von Dr. Peter Heyde, Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Städteregion Aachen. Anfang Januar hatte die Städteregion das Schlachten von Rindern untersagt.

Der Grund: Es gab Mängel an der sogenannten Tötebox. Die Mängel sind laut Dr. Peter Heyde behoben.

Ein kurzer Rückblick: Vor mehr als einem halben Jahr waren europaweit Schlachtbetriebe wie die Fleischversorgung Eschweiler (FVE) auf eine zum 1. Januar 2013 in Kraft tretende EU-Verordnung hingewiesen worden, die sich mit der Notwendigkeit von Tötungsboxen befasst, in denen Großvieh fixiert wird, ehe der Bolzenschuss fällt. Die Eschweiler Genossenschaft entwickelte eine eigene Box, die am 17. Dezember des Vorjahres vom Veterinäramt als in Ordnung abgenommen wurde.

Am 2. Januar passierte es dann. Während ein Mitarbeiter des Landesamtes bei einer Kontrolle filmte, befreite sich ein Bulle aus der Kopffixierung. Dem Schlachthof wurde die Schlachtung umgehend untersagt.

Umgehend begann die FVE, die Box zu verbessern. Einziges Problem: Deutschlandweit gibt es nur zwei Institute, die solche Anlagen abnehmen. Das renommierte Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung „BSI Schwarzenbeck“ hätte erst Ende Februar Zeit gehabt, sich in Eschweiler umzusehen. Schon damals sagte FVE-Vorstand Klaus Philippi: „Wenn hier zwei Monate die Großviehschlachtung stillliegt, sind wir am Ende.“

Rund 7000 Euro Schlachtgebühren fehlten fortan. Und auch die 25 Mitarbeiter mussten erhebliche Einbußen hinnehmen. Statt 2000 Euro standen bei dem einen oder anderen nur noch 600 oder 700 Euro auf dem Gehaltszettel.

Mit dem Max-Rubner-Institut wurde ein früherer Termin gefunden, und zwar am vergangenen Donnerstag. Das Gutachten fiel für die FVE positiv aus. Allerdings handelt es sich derzeit noch um eine vorläufige Freigabe. Das erstellte Gutachten ist ein sogenanntes Kurzgutachten. Das Langgutachten ist laut Frank Zimmermann von der FVE in drei bis vier Wochen fertig. Dann entscheidet das Verwaltungsgericht, ob das Schlachtverbot endgültig aufgehoben ist. Frank Zimmermann und Klaus Philippi glauben fest daran.

Drei Dinge waren in der Zwischenzeit an der Tötebox, die es so nur in Eschweiler gibt, verändert worden. Die Kopffixation war unzureichend. Ein Grund, warum der Bulle bei der Kontrolle entweichen konnte. Auch die Fixierung des Tierkörpers in der Box wurde nachgebessert. Und die Box leuchtet von innen nicht mehr in silberner Farbe, sondern ist grün. Das bewirke, dass die Tiere die Box lieber betreten, erklärt Dr. Heyde. Zehn bis 20 Sekunden dauere der Prozess vom Eintrieb bis zur Fixation lediglich noch.

„Durch ein vom MRI-Institut empfohlenes Bolzenschussgerät ist eine optimale Betäubung von Rindern bis zu schweren Bullen gewährleistet“, so Frank Zimmermann weiter. Dr. Peter Heyde fasst zusammen: „Der Tierschutz ist gewährleistet.“

Überdruck im Gehirn

Wie läuft der Prozess genau ab? Wenn Dr. Peter Heyde über den Vorgang in der Tötebox spricht, ist zunächst von Betäubung die Rede. Das Tier betritt die Box, ein Schieber drückt von hinten nach, die Seitenwand und der Nackenbügel fixieren das Tier. Ist das Tier fixiert, wird der Bolzen angesetzt. Ein zehn bis zwölf Zentimeter langer Dorn durchschlägt den Schädel und erzeugt einen Überdruck im Gehirn. „Als Schädelbasisbruch mit Gehirnerschütterung“ beschreibt Dr. Peter Heyde diesen Prozess.

Getötet wird das Tier erst anschließend, in dem es innerhalb von 60 Sekunden ausblutet. Rechtzeitig, bevor es eventuell das Bewusstsein wiedererlangen könnte. Für das Ausbluten muss das Herz noch schlagen. Dann folgen die üblichen weiteren Arbeitsschritte, bis das Rind für fünf bis sieben Tage in der Kühlung verschwindet.

Sechs bis sieben Tiere werden derzeit bei der FVE pro Stunde geschlachtet, das Ziel liegt laut Dr. Heyde bei zehn pro Stunde. Geschlachtet wird an bestimmten Tagen – je nach Bedarf.

Auf die FVE kommt nun wieder viel Arbeit zu. Auch Kunden, die einige Wochen nicht bedient werden konnten, gilt es, jetzt zurückzugewinnen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert