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Von der Tücke der Kartoffel

Von: jope
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Glänzte mit seinem Programm
Glänzte mit seinem Programm „Ich bin kein Tag für eine Nacht” im Kulturzentrum Talbahnhof: Jochen Malmsheimer. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. „Ich bin kein Tag für eine Nacht!” Na - was ist denn das für verbaler Nonsens? Zumal, wenn es sich um das Programm-Motto eines versierten Wortakrobaten handelt?

Des Rätsels Lösung: Es sind erdachte stammelnde Wort-Sedimente eines 17-Jährigen Jünglings. Er stößt sie aus, weil er beim Anblick seiner Angebeteten in der Disco von seinen sprießenden Hormonen einerseits und den verinnerlichten mütterlichen Warnungen andererseits hin- und hergerissen wird. Wie ein Expander sozusagen.

Erfunden hat dieses und manch anderes Wort-”Gaga” Kabarettist Jochen Malmsheimer. Mit seiner Ein-Mann-Show strapazierte das Comedy-Ass aus dem Ruhrpott die Zwerchfelle der Besucher im ausverkauften Talbahnhof. Und auch die Gehirne wurden hinsichtlich Gedankenschnelligkeit im Halb-Minuten-Takt ordentlich trainiert. So wurde die bei einem „trockenen Vortrag” gegebene Gefahr des Wegnickens im luftarmen Dampfkessel Talbahnhof schon im Ansatz „erstickt”...

Des schüchternen Jünglings Verbal-Erruption war nur der Höhe- und Schlusspunkt einer Performance, welche die zweite Hälfte des Programms in Anspruch nahm. In genialer Fortführung eines alten Otto-Waalkes-Sketches („Großhirn an Kleinhirn: Faust ausfahren!”) mimte Johann Malmsheimer eine Einsatz-Zentrale. Sie sandte an die Organe, Hormone und innere Skrupel des jugendlichen Disco-Besuchers ihre Befehle aus („Zunge zur Vorbereiung des Kusses befeuchten”, „Abteilung Sitte und Moral: Blockaden errichten!”).

Ein herrlicher Slapstick - mit nachgereichter Zugabe. Die fiel Johann Malmsheimer um so leichter. weil „die zweite Hälfte zeitlich kürzer war als die erste. Es war also bisher gar keine richtige Hälfte”.

Dass der Ruhrpott-Mensch zu Unrecht im Verdacht steht, eher ein mundfauler Zeitgenosse zu sein, darüber hatte der Gast im Talbahnhof schon vor der Pause ausgiebig Zeugnis abgelegt. Zwar huschte ihm oft das Essener „Passauf” über die Lippen, doch dieses Weckrufes hätte es nicht bedarft. „Ich rede den ganzen Tag Quatsch und ab 20 Uhr kriege ich sogar noch Geld dafür!” Wie wahr, doch gerade dieser Klamauk ist ein getarnter Tiefsinn, mit dem man die Verrücktheiten des Alltages in den Griff bekommen kann. Seine nachgestellten Kneipengespräche waren köstliche, wenn auch nicht immer geruchs- und jugendfreie Griffe ins pralle Leben: von dem für die Kellnerin doppelbödigen italienischen Kaffee-Wunsch „Mach mir mal die Latte” bis hin zum rülpsenden Lallen eines Gastes: „Könnt Ihr eigentlich ohne Alkohol nicht fröhlich sein?”

Und dann erst „Kochen mit Jochen!” Wer das einmal live gesehen hat, sehnt sich weder nach „Steinzeit-Sendungen” mit Fernseh-Koch Max Inzinger (die älteren Gäste) zurück noch wird er zukünftig moderne TV-Formate wie mit Alfred Biolek oder Meisterkoch Lafer (die jüngeren Gäste) vermissen. „Kochen mit Jochen” lehrt die kulinarische Vielfalt der Kartoffel, deren Zubereitung von einer halben Stunde (geschält in heißem Wasser) bis zu einem halben Jahr (ungeschält in kaltem Wasser) reichen kann.

Tröstliches Fazit eines prächtigen Talbahnhof-Abends: „Ein Unfall ist kein Beinbruch” - auch wenn ein Beinbruch durchaus Folge eines Unfalls sein kann.
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