Von der „Nissenhütte“ zum modernen Kindergarten

Von: zsa
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Kleine Marienkäfer, Schmetterlinge, Vögel und Bären begeben sich auf Noahs Arche. Die Kinder und Erzieherinnen des Kindergarten St. Johannes Baptist gestalteten die Messe zur Feier des neuen Anbaus mit. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Der Kindergarten St. Johannes Baptist in Hücheln hat eine bewegende Geschichte zu erzählen, die jetzt ein neues Kapitel erhalten hat. Nach über einem Jahr Bauzeit und fast zwei Jahre nach Beantragung der Baugenehmigung wurde der neue Anbau feierlich von Kindergarten-Leiterin Claudia Seeberg und Pfarrer Josef Wienand eröffnet.

Bereits im liebevoll gestalteten Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist standen die Kindergartenkinder im Mittelpunkt. Sie hatten für den besonderen Anlass eine bunte Kerze für den Altar gestaltet. Und neben dem Kirchenchor St. Severin Weisweiler waren es auch die Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen, die aktiv zur Gestaltung der Messe beitrugen.

Kleine Mäuse und Schmetterlinge

Während Kindergarten-Leiterin Claudia Seeberg die Geschichte von Noah und seiner Arche vortrug, sangen die Kleinen und betraten als Tiere verkleidet die Arche Noah. Schmetterlinge, Mäuse, Elefanten, Vögel und auch Bären wurden von Noah und seiner Frau auf dem großen Schiff vor der Flut gerettet. Für ihre tolle Leistung bekamen die Kinder natürlich auch viel Applaus von Eltern, Erzieherinnen und den Gottesdienstbesuchern.

Anschließend ging es direkt hinüber in den Kindergarten. Dort begrüßte Pfarrer Josef Wienand noch einmal alle Besucher, bevor er zusammen mit Claudia Seeberg und seinen Messdienern jeden neuen oder renovierten Raum besuchte, um diesen zu segnen. Dabei ging er in ein paar persönlichen Worten auch immer auf die jeweilige Funktion des Raumes ein, zum Beispiel, dass der neue Bewegungsraum die Gesundheit der Kinder fördern werde. Zurück im Atrium ließ Claudia Seeberg die Besucher in ihrer Ansprache an der langen Historie des Kindergartens St. Johannes Baptist teilhaben.

Am 18. Oktober 1949 wurde der Kindergarten eröffnet. Damals war es allerdings nur ein Raum, circa 11 Meter lang und fünf Meter breit. Er wurde „Nissenhütte“ genannt. Die Erstellung kostete insgesamt 5000 DM. Im Jahr 1956 fiel dann der Beschluss, dass eine neue Einrichtung entstehen müsse und so wurde 1961 zusätzlich ein neuer Hort für 190.000 DM gebaut, der zu den 30 Kindern des Kindergartens noch 90 weiteren Kindern Platz bot. Doch aufgrund zu geringer Anmeldezahlen wurde der Hort 1965 wieder geschlossen.

Weitere tiefgreifende Veränderungen erlebte der Kindergarten St. Johannes Baptist im neuen Jahrtausend. Aufgrund von finanziellen Kürzungen wurde 2005 eine Gruppe der bisher dreigruppigen Einrichtung geschlossen. Der mittlere Raum wurde nach links und rechts aufgeteilt, um somit fortan Nebenräume für die anderen beiden Gruppen zu bieten.

Zwei Jahre später, 2007, wurden aus der Not heraus die ersten Kinder unter drei Jahren aufgenommen und deshalb auch ein Wickeltisch angeschafft. Aufgrund der neuen Auflagen zur U3-Betreuung erfolgte dann 2009 ein erneuter Umbau, um einen eigenen Wickelraum für die kleineren Kinder zu schaffen.

Der Startschuss für den neuen Anbau fiel im August 2011 mit der Antragstellung für den Neubau bei der Stadtverwaltung. Diese ließ sich allerdings einige Monate Zeit, bevor sie die Genehmigung erteilte. Aus Sicherheitsgründen bestand die Stadt zunächst auf eine Bodenuntersuchung und so erfolgten im Frühjahr 2012 die Probebohrungen für den Anbau. Im Juni 2012 konnte endlich die Bodenplatte gegossen werden. Nach vielen Verzögerungen und Komplikationen, die unter anderem auch zeitweise üblen Geruch im ganzen Kindergarten beinhalteten, konnte der Neubau nun diesen Monat fertig gestellt werden.

Neben einer neuen Küche für die Erzieherinnen, einem Büro, einem neuen Bewegungsraum, einem Schlafraum, und einem Ess-/Mehrzweckraum ist auch ein temperierter Kinderwagen-Abstellraum entstanden. Außerdem wurden beide Gruppenräume mit einer neuen kindergerechten Küche inklusive Induktionskochfeldern, Backofen und Spüle versehen. Eine Gruppe erhielt auch einen eigenen Waschraum.

So bietet der Kindergarten nun genügend Platz für die sechs Erzieher und aktuell 47 Kinder. Die Kinder werden in zwei Gruppen betreut, davon 21 in der U3-Gruppe und 26 Kinder in der normalen Gruppe im Alter von drei bis sechs Jahren. Neben Tagesplätzen mit 45 Stunden Wochenbetreuung werden auch zwei Konzepte der 35-Stunden-Betreuung angeboten.

Claudia Seeberg betonte, dass der Um- und Neubau bei laufendem Betrieb erfolgte, was natürlich nicht immer einfach war. Besonders die Erzieherinnen mussten noch wachsamer sein, dass sich keins der Kinder an herum liegendem Werkzeug verletzte oder gar aufgrund der offen stehenden Türe den Kindergarten eigenmächtig verließ.

Auch jeder Gang der Kinder zur Toilette musste deshalb immer unter Begleitung erfolgen. Dank der Rücksichtnahme der am Bau beteiligten Firmen lief jedoch immer alles glatt.

Auch Pfarrer Josef Wienand hatte seitens der Pfarre St. Severin/St. Johannes Baptist einige Anmerkungen zur Eröffnung des Anbaus zu machen. Er beschrieb den langen Weg zum Um- und Neubau des Kindergartens als einen Kraftakt der Pfarre, die dafür sogar Vermögen verkaufen musste. Aus den geplanten Kosten von circa 312.000 Euro wurden bereits 294.000 Euro ausgegeben und Rechnungen in Höhe von 66.000 Euro stehen noch aus. Insgesamt käme man für die Renovierungen und den Anbau auf Gesamtkosten von aufgerundet 396.000 Euro.

35 000 Euro für Inventar

Davon wurden 96.000 Euro aus Mitteln der Pfarre aufgewendet, sonst wäre der Bau nicht möglich gewesen. Weitere 35.000 Euro müssen für neues Inventar in die Hand genommen werden. Die Mehrkosten von 130.000 Euro würden von der Stadt leider nicht unterstützt. Dennoch zeigte sich auch Josef Wienand mehr als zufrieden mit dem Ergebnis: einem neu gestalteten Kindergarten, wo sich Erzieher und Kinder mehr als wohlfühlen können und werden.

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