Eschweiler-Weisweiler - Vom Steinzeitdorf zum Industriestandort

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Vom Steinzeitdorf zum Industriestandort

Von: Andreas Röchter
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Die Geschichte vom heutigen Weisweiler in Bildern: Rechts oben eine Federzeichnung von Roidkin (1684-1741), darunter die Hauptstraße 1926 und schließlich das Kraftwerk und die Brikettfabrik in einer Aufnahme von 1960. Foto: Günter Paulssen/Geschichtsverein/RWE-Power-Archiv
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Autoren mit Liebe zum Detail: Edmund Schain (rechts) und Franz Wilhelm Balden. Foto: Andreas Röchter
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Die Geschichte vom heutigen Weisweiler in Bildern: Eine Federzeichnung von Roidkin (1684-1741). Foto: Günter Paulssen/Geschichtsverein/RWE-Power-Archiv

Eschweiler-Weisweiler. Es ist ein „Rundumschlag“, der nahezu alle Facetten eines Ortes abbildet. Mehrere Tausend Jahre Geschichte auf gut 300 Seiten. Von der Jungsteinzeit bis in das Jahr 1972, in dem die Selbstständigkeit der Ortschaft ihr Ende fand. Von der Beschreibung des Landguts eines reichen Römers auf dem Gebiet des heutigen Hüchelns über die Reformation im Herzogtum Jülich bis zur Entwicklung zu einem wichtigen Industriestandort.

Im Jahr 2006 begannen Edmund Schain und Franz Wilhelm Balden mit der Arbeit an diesem Werk, nun stellten die beiden Autoren ihr Buch „Weisweiler – ein Ort verändert sich. Von der Jülich´schen Unterherrschaft zur Industriegemeinde“ in der Sparkasse Weisweiler vielen Gästen vor.

Bei ihrer Dokumentation konnten Edmund Schain und Franz Wilhelm Balden auf die jahrzehntelange Vorarbeit, die der verstorbene Lehrer Arnold Diemer, der von 1919 bis 1964 an der Weisweiler Schule unterrichtete, zwischen den 1930er und 1970er Jahren mit umfangreichen Nachforschungen geleistet hatte, zurückgreifen.

„Dessen Nachlass gelangte im Jahr 2002 in den Besitz des Eschweiler Geschichtsvereins. Einige Zeit später begann der aus diesem Grund ins Leben gerufene Arbeitskreis Stadtteilforschung Weisweiler mit der Auswertung“, blickt Edmund Schain zurück.

„Allerdings war es Arnold Diemer nicht gelungen, die Ergebnisse seiner Forschungen, die in Aufsätzen innerhalb der Schriftenreihe des Eschweiler Geschichtsvereins ihren Niederschlag fanden, in einem Buch zusammenzufassen. Unsere Idee im Jahr 2006 war, dies nachzuholen“, sagt der ehemalige Leiter der Weisweiler Grundschule.

Arbeitskreis aktiv

Eine Idee, die die beiden Schriftsteller, unterstützt durch die Mitstreiter ihres Arbeitskreises sowie durch die Vorstandsmitglieder des Geschichtsvereins, mit Akribie und Liebe zum Detail verfolgten. So startet ihr Werk mit der Beschreibung von Ausgrabungen, die ein Bild von Weisweiler in der Jungstein- und Bronze-, der Römerzeit sowie während der Besiedlung durch die Franken zeichnet.

Großen Raum nehmen die Epochen der Familien Palant und derer Von Hatzfeld ein. „Leider ergibt die Forschung dieser Zeit bisher noch kein vollständiges Bild. So wissen wir zum Beispiel nicht genau, wie die Palants eigentlich nach Weisweiler gekommen sind“, erklärt Edmund Schain, dass das Buch natürlich keinen Anspruch auf historische Vollständigkeit erhebe.

Die Umbrüche, die die Bewohner Weisweilers durch Kriege und Notzeiten immer wieder erlebten, spielen im Buch ebenfalls eine wichtige Rolle. So auch die Zeit der französischen Fremdherrschaft, die von 1794 bis 1814 dauerte.

„Die Franzosen brachten fortschrittliche Gedanken mit, etwa den der persönlichen Freiheit des einzelnen Menschen. Napoleon war beliebt, bis er begann, auch in Weisweiler und Umgebung Soldaten zu rekrutieren“, erläuterte Edmund Schain. Die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft durch die Preußen habe wiederum gesellschaftliche Rückschritte zur Folge gehabt.

„Der anschließende Kulturkampf hatte ebenso Auswirkungen auf Weisweiler. Politische Parteien gründeten sich. In Weisweiler war zunächst die katholische Zentrumspartei dominierend, bevor durch den Zuzug der Bergbauarbeiter auch die Sozialdemokraten Fuß fassten“, so der Buchautor.

Nach dem 1. Weltkrieg, dessen Folgen auch für Weisweiler gravierend gewesen seien, habe dann die KPD bei Wahlen bis zu 30 Prozent der Stimmen erhalten. „Hervorzuheben ist, dass die Nationalsozialisten in Weisweiler eigentlich chancenlos waren. Selbst bei den im Prinzip schon nicht mehr freien Wahlen im März 1933 erhielten sie lediglich 18 Prozent.

Dennoch wurden nach der Machtübernahme Menschen aus der Feuerwehr und dem Gesangsverein ausgeschlossen, nur weil sie Juden waren“, macht der Hobby-Historiker klar, dass auch das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte im Buch behandelt wird.

Spuren jüdischen Lebens

So auch das Schicksal sechs namentlich bekannter Weisweiler Kommunisten, die 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurden. „Fünf von ihnen überlebten, einer nicht“, so Edmund Schain. Im Kapitel „Evakuierung, Stunde Null und Wiederaufbau“ kommen Zeitzeugen wie Franz Wilhelm Balden und der 1952 verstorbene Pfarrer Wilhelm Hoffmanns zu Wort.

Die Spuren jüdischen Lebens in Weisweiler werden ebenfalls aufgezeigt. „Der Währungsreform folgte ein Bevölkerungszuwachs, die Menschen bekamen das Gefühl, es gehe aufwärts“, schloss Edmund Schain den Kreis, der am 31. Dezember 1971 mit der kommunalen Neugliederung und der Eingemeindung Weisweilers zur Stadt Eschweiler endete.

René Hahn, Vorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins, lobt die „fleißige und gründliche Arbeit“ des Autorenduos. „Ein solches Buch trägt dazu bei, die Entwicklung eines Ortes zu verstehen und nachvollziehen zu können.“ Sparkassen-Gebietsdirektor Klaus Wohnaut, der die Gäste auch im Namen der Kulturstiftung des Geldinstituts begrüßte, hebt die Zahl der Zuhörer hervor: „Dies dokumentiert, wie groß das Interesse der Bewohner an der Geschichte ihres Heimatortes ist.“

Bürgermeister Rudi Bertram spricht den Autoren seinen Dank aus. „Es ist wichtig, dass solche Bücher geschrieben werden, denn sie enthalten Geschichte, die festgehalten werden muss.“ Anschließend warf der Verwaltungschef einen Blick in die Zukunft: „Die Frage, wie es nach der Braunkohle in und um Weisweiler aussehen wird, ist das nächste Stück Geschichte, das wir schreiben werden. Denn dies wird die Welt vor Ort ein weiteres Mal verändern.“

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