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Vom Atombunker zur 30-Zentner-Glocke

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Mit historischen Fotos machte
Mit historischen Fotos machte Simon Küpper einen Vergleich „damals-heute” möglich. Hier zeigt er einen Blick von Norden her auf den Broicher Hof links und die Kirche von Dürwiß rechts.

Eschweiler. Eins war am Ende allen klar: Der „Historische Rundgang durch Dürwiß” kann nur der Anfang gewesen sein. So viel gibt es zu erzählen über Dürwiß und seine Geschichte, da reicht ein Nachmittag für die vielen Anekdoten, Histörchen und Fakten nicht aus.

Schon gar nicht, wenn der Vorsitzende des Eschweiler Geschichtsvereins und Ur-Dürwisser Simon Küpper erzählt. Also: Im nächsten Jahr soll es eine weitere Runde durch den traditionsreichen Ort geben.

Amüsant und spannend

Eingeladen hatte der CDU-Ortsverband Dürwiß. Vorsitzende Pia Dondorf staunte: rund 50 Besucher kamen, Alt und Jung, zum Treffpunkt Drimbornshof. Ein Treffpunkt, über den Simon Küpper gleich viel zu erzählen wusste. Schließlich hat er vor der Kommunalen Neugliederung selber als Ratsherr dort im 1. Stock des Herrenhauses gesessen. „Rathaus von Dürwiß” war aber nur eine kurze Episode, gerade einmal zehn Jahre, in der jahrhundertealten Geschichte des Drimbornshofs.

Küpper kennt diese Geschichte so gut wie auswendig. Er plaudert amüsant und spannend über die Zeiten, als noch ein wehrhafter Burggraben dieses wohl älteste Anwesen des Ortes umgab. Die Herren von Drimborn wurden 1585 zum ersten Mal als Eigentümer des schon viel früher bestehenden Hofes genannt, andere Adelsgeschlechter folgten. Heute sind unter anderem Arztpraxen in dem schön restaurierten Anwesen. Dass sich ein Atombunker unter dem historischen Gebäude befindet, weiß sicher selbst mancher geborene Dürwisser nicht. Beim Aufbau des verfallenen Gemäuers 1962/63 wurde der Bunker angelegt, natürlich mit Bundesmitteln. Ausgereicht hätte er aber gerade einmal für die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung.

Bei einem Rundgang zeigt Küpper die Vertiefungen, wo früher Wassergräben waren, erinnert an die Sage, dass ein unterirdischer Gang den Drimbornshof mit der Laurenzberger Burg verbunden haben soll, und erwähnt die nahe (und heute natürlich abgebaggerte) Wolfskuhl, die Wolfsgrube, von der man nicht weiß, ob dort früher nicht auch ein historisches Anwesen gestanden hat. Er sei, so Küpper, als Kind noch mit dem Schlitten in diese Kuhle gerodelt.

Auch die Entstehung des Ortsnamens von Dürwiß wird erwähnt. Der sei zusammengesetzt aus „Dorne” und „Wiese”, also eine Wiese im Dornengestrüpp in einem Waldgebiet, und besiedelt wurde diese Dornenwiese wohl schon in fränkischer Zeit, also im 9. oder 10. Jahrhundert.

Gleich gegenüber vom Drimbornshof liegt das andere historische Kleinod von Dürwiß, der Broicher Hof. Von dem 1434 erstmals erwähnten Hof ist nur das Herrenhaus mit seinem markanten Ecktürmchen erhalten. „Sehen Sie das Wappen über dem Eingang, mit der Jahreszahl 1726?” Simon Küpper erzählt anhand dieses Allianzwappens, also eines Doppelwappens, die Geschichte des Hofes, der auch „Dürwisser Hof” genannt wurde. Sie ist eng mit der Geschichte der nur wenige Meter entfernten Kirche verbunden, denn wahrscheinlich ist die Kirche St. Bonifatius aus der Familienkapelle des Ritters von Broich hervor gegangen. Bis zur napoleonischen Zeit gehörte das Gut der Familie von Broich. Dann wechselten die Besitzer. In den vergangenen Jahrzehnten waren es die Gemeinde Dürwiß, die dort erst Wohnungen und dann Vereinsräume, zum Beispiel für die Arbeiterwohlfahrt, einrichtete, und das Land Nordrhein-Westfalen, das dort das Forstamt Eschweiler unterbrachte. Seit kurzem gehört das historische Anwesen einem Dürwisser Privatmann.

Die Kirche St. Bonifatius war eine weitere Station des Rundgangs. Am 16. November 1944 legte ein Bombenangriff Dürwiß in Schutt und Asche. Nach der Eroberung des Ortes wurden sogar die Ruinen der Kirche geschleift. Mit dem Schutt befestigten die amerikanischen Truppen Wege für die Panzer und Lastwagen, die Richtung Rhein weiter rollten, es war noch Krieg. Wo die Kirche einmal stand, war ein Benzinlager der Amerikaner, mit riesigen Fässern.

An einem Feldweg bei Aldenhoven fand man später die große Glocke der Kirche, die Bonifatius-Glocke. Mit einem Pferdefuhrwerk wurde das 30 Zentner schwere Stück nach Dürwiß zurück gebracht. Es ist eine der schönsten und ältesten Glocken im Rheinland, gegossen von Gottfried de Hyntum 1421, weit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Jetzt hängt sie wieder in der Kirche, die 1949/50 neu gebaut wurde, das ganze Dorf hat mitgeholfen, weiß Simon Küpper. Er ist heute noch bewegt, wenn er von der Einweihung erzählt: das Kirchenschiff, in dem noch keine Bänke standen, brechend voll, 2000 Menschen standen dicht gedrängt, und alle sangen „Großer Gott, wir loben dich”. Der heutige Vorsitzende des Geschichtsvereins war Messdiener bei dieser Feier.

In die Lohner Straße führte der Weg der Dorfbesichtiger als Nächstes. Dort hat der Stukkateurmeister Axel Reiff ein Jahrhunderte altes, herunter gekommenes Bauernhaus saniert und in jahrelanger Arbeit in ein Schmuckstück verwandelt. Der vierachsige Bau mit barocker Front ist, wie groß an der Fassade steht, von 1766. Aber bei der Sanierung fand Bauherr Reiff heraus, dass der ursprüngliche Bau noch hundert bis 150 Jahre älter sein muss, 1766 wurde er nur im großen Stil umgebaut. Axel Reiff kann weit zurück in die Vergangenheit blicken: „Die Eichen, die heute noch als Balken den Dachstuhl tragen, sind irgendwann 1450 oder 1500 gesetzt worden. Das ist ganz schön lange her.”

Ende am Kaafsäck-Brunnen

Am Kaafsäck-Brunnen, an dem Simon Küpper natürlich die Geschichte von den schlauen Dürwisser Bauern erzählte, die den napoleonischen Truppen Säcke voller Spreu (Kaaf) statt Weizen ablieferten, endete der historische Rundgang - fast. Letzte Station war die Gaststätte Zur Walz. Dorthin hatte der CDU-Ortsverband die Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
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