Violine als Symbol für Einheit der Religionen

Von: ran
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Lieferten eine großartige Symbiose von Literatur und Musik: Johanna Platz (links), Autor Andreas Séché und Myriam Audin. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Wellen des Pazifischen, des friedlichen Ozeans spülen eine Violine an den Strand von Syrakesh. Dieses Eiland ist ein (fiktiver) arabischer Inselstaat, der sich von einem Paradies in eine „Hölle der Diktatur“ verwandelt hat.

Weit davon entfernt rettet der Schäfer Ibrahim einen völlig entkräfteten Mann aus der Wüste und pflegt ihn bei sich zu Hause gesund. Die ersten Worte des Geretteten, bei dem es sich um den Straßengeiger Selim handelt, lauten: „Wo ist sie?“

Doch wen meint Selim? Seine Violine, mit der er in der Lage ist, die Menschen in ihrem Innersten zu berühren? Oder seine noch größere Liebe Miriam, die das Land auf Grund der politischen Situation verlassen musste? Fragen, die der Autor Andreas Séché während seiner Lesung in der Buchhandlung Oelrich & Drescher aufwarf. In behaglicher Atmosphäre trug der Schriftsteller, musikalisch unterstützt durch die Violinistinnen Myriam Audin und Johanna Platz, aus seinem hochgelobten Werk „Zeit der Zikaden“ vor, das im vergangenen Jahr erschien und nach „Namiko und das Flüstern“ sowie „Zwitschernde Fische“ der dritte Roman des studierten Politikwissenschaftlers ist.

„Andreas Séché hat drei hervorragende Bücher verfasst. Ich bin davon überzeugt, dass er in Zukunft mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wird. Deshalb haben wir ihn auch jetzt zu uns eingeladen. Zu einem Zeitpunkt, zu dem er für uns noch bezahlbar ist“, begrüßte Buchhändler Jörg Drescher den Autor und die Zuhörer mit einem Augenzwinkern.

Kurz darauf ließ der Schriftsteller die Gäste der Lesung abtauchen in eine fremd erscheinende Welt, die jedoch durchaus Parallelen zu unserer modernen, westlichen Gesellschaft aufweist. „In meiner Erzählung fällt ein islamisches Land in eine Diktatur. Aber diese Verwandlung hat nichts mit dem Islam zu tun. Die Gründe liegen viel mehr darin, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, die Gleichschaltung der Presse voranschreitet und der Einfluss der Wirtschaft auf die Politik immer größer wird. Prozesse, die wir durchaus auch bei uns beobachten müssen“, so Andreas Séché.

Doch „Zeit der Zikaden“ ist keinesfalls ein pessimistisches Buch. „Die Geschichte handelt auch und vor allem von Leidenschaft, Liebe, Freiheit und nicht zuletzt von der unerschöpflichen Magie der Musik. Unzerstörbare Kräfte, die den Menschen prägen. Kostbarkeiten, die nicht verloren gehen können und nicht zu vernichten sind“, unterstrich der im Jahr 1968 Geborene, der zwölf Jahre lang bei einer großen Zeitschrift in München tätig war und nun im Raum Viersen lebt. Wortgewaltig und dennoch poetisch gelang und gelingt es Andrea Séché, diese Schätze, auf die der Mensch zurückgreifen kann, zu beschreiben.

So lernt Selim vom Violinspieler Arif die Geheimnisse des Instruments kennen: „Mit dem Bogen holt man keine Töne aus der Violine heraus, sondern gibt sie hinein. Denn nur Dinge, in die man etwas hineingibt, werden zur unerschöpflichen Quelle“, unterweist Arif seinen Schüler Selim. Musik dringe tief in den Menschen ein und sei in der Lage, dessen Inneres in Schwingung zu versetzen. So wie die Liebe. Schließlich ist Miriam für Selim „das Schönste, was ich je gefühlt habe“.

Die Bedeutung der geheimnisvollen Lerche im Wald, der Sternendeuterin Jamila und des von Charles-Camille Saint-Saens für die Violine komponierten Werkes „Totentanz“, das in „Zeit der Zikaden“ eine außerordentliche Rolle spielt, riss Andreas Séché während seiner Lesung ebenfalls kurz an. Diese stellte, auch aufgrund der grandiosen Einlagen von Myriam Audin und Johanna Platz, eine wunderbare Symbiose von Literatur und Musik dar.

Ein besonderes Anliegen: „Die Geige hat ihre Wurzeln nicht nur in Europa, sondern auch in islamisch geprägten Ländern. Der Islam sowie das Christen- und Judentum können eine Einheit bilden. Und die Geige ist ein wunderbares Symbol dafür.“ Auch für Miriam, Selim und Syrakesh besteht Hoffnung! Nach einer besonderen Nacht zieht der Frühling über den Inselstaat ein...

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