Vier Mediziner widmen sich einem heißen Thema

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
Informierten zum Thema „Probl
Informierten zum Thema „Probleme am anderen Ende des Darms”: Dr. Stefan Müller, Dr. Burkhardt Bündgens, Hildegard Tschorn und Dr. Eberhardt Schneider (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist ein „heißes” Thema, das schon Goethes „Götz von Berlichingen” vor mehr als 120 Jahren bewegte, wie Dr. Eberhard Schneider als Moderator des von unserer Zeitung präsentierten Eschweiler Medizinforums am Mittwochabend im gut gefüllten Talbahnhof schmunzelnd bemerkte. Und es betrifft (beinahe) jeden.

Auch berühmte Persönlichkeiten: „Napoleon konnte während der Schlacht von Waterloo seine Truppen kaum führen, weil er sich mit seinen Hämorrhoiden beschäftigen musste. Das Ergebnis ist bekannt”, blickte Referent Dr. Stefan Müller gar in die Weltgeschichte zurück.

Dabei bilden Hämorrhoiden bei weitem nicht die einzig denkbaren Beschwerden in diesem Bereich des Körpers. „Feuer im Hintern - Probleme am anderen Ende des Darms” lautete die Überschrift des Forums, bei dem neben den beiden Ärzten des St.-Antonius-Hospitals auch Dr. Burkhardt Bündgens, niedergelassener Facharzt für innere Medizin, und Hildegard Tschorn, Physiotherapeutin für Beckenbodentherapie am St.-Antonius-Hospital, Rede und Antwort standen.

„Es ist wichtig, dieses Thema aus der Schmuddelecke herauszuholen. Statistisch gesehen müsste der Talbahnhof heute Abend nämlich aus allen Nähten platzen, denn kaum jemand ist in diesem Bereich völlig ohne Probleme”, eröffnete Dr. Eberhard Schneider, Leiter des Euregio Reha Zentrums und Chefarzt der Klinik für Fachübergreifende Frührehabilitation, die Diskussion. Klar sei, dass eine Unmenge von Nerven, Muskeln und Blutsträngen diese Körperregion durchliefen. „Allein zwölf Muskeln bewegen den After, das ist natürlich ein kompliziertes Zusammenspiel.” Dies unterstrich auch Dr. Burkhardt Bündgens. „Der Enddarm ist ein komplexes Organ, an dem viele Krankheiten auftreten können. Ein Problem ist aber, dass viele Patienten nur ungern über ihre Beschwerden reden und sich auch nur selten untersuchen lassen.”

Erfahrenen Proktologen konsultieren

Dabei reiche es meistens aus, den After von außen, also ohne Spiegelung, zu untersuchen. „Entscheidend ist aber, einen erfahrenen Proktologen zu konsultieren”, so Dr. Burkhardt Bündgens, der deutlich machte, dass „Hämorrhoiden” an sich keine Krankheit sei. „Hämorrhoiden hat jeder Mensch, ohne sie wäre der Schließmuskel nämlich nicht funktionsfähig.”

Erst die Vergrößerung dieser Gefäßpolster sei eine Krankheit, die durch einen Blutstau im kleinen Becken verursacht werde, allerdings keine Schmerzen mit sich bringe. Das Veröden, einsaugen sowie bei großen Hämorrhoiden die Operation seien anwendbare Therapien. „Eine wirksame Behandlung mit Salben ist nicht möglich. Und eine Garantie, dass nach einer Operation keine weiteren Probleme auftreten, gibt es nicht”, räumte der Facharzt für innere Medizin ein. Neben Hämmorhoiden sorgten vor allem Ekzeme, also Hautreizungen, Abszesse (Eiteransammlungen), Thrombosen, die mit schmerzhaften kleinen Knoten einhergehen und Fissuren, also Schlitze im Schließmuskel, bei deren Behandlung die vollständige Entfernung Ziel sein muss, für Beschwerden.

„Bei letztgenanntem Problem handelt es sich um Risse in der Analschleimhaut. Symptome sind Schmerzen beim Stuhlgang, Blut am Toilettenpapier und ein Kneifen des Schließmuskels”, erklärte Privatdozent Dr. Stefan Müller, der den Zuhörern ebenfalls die Angst vor einer Untersuchung nehmen wollte. „Eine Diagnose erfolgt immer zunächst durch Gucken und Befragen des Patienten. Erst dann folgen Finger und Geräte.” Allerdings lasse sich dies nicht immer umgehen. „Ein Abszess ist per Ultraschall von innen mit einer Sonde zu entdecken. Die Therapie lautet immer, den Abszess zu öffnen, denn der Eiter muss raus”, so der Chefarzt für Allgemein- und Thorax-Chirurgie.

Nicht vergessen werden dürfe aber, dass es auch bösartige Erkrankungen des Enddarms gebe. „Hinter einem Knoten kann sich auch Krebs verbergen”, betonte Dr. Burkhardt Bündgens. So etwa ein Analkarzinom, das in den letzten zwei bis drei Zentimetern des Analgangs entstehe, in die Lymphknoten streuen und Schmerzen verursachen könne. „Hier ist als Therapie eine Radio-Chemotherapie vorgesehen”, machte Dr. Stefan Müller deutlich. Ein Rektumkarzinom mache dagegen fast immer eine Operation notwendig, bei der allerdings der Darm nicht zwingend entfernt werden müsse.

Als Prophylaxe empfehlen die Experten eine ballaststoffreiche Ernährung. „Sport und körperliche Bewegung sind immer gut, also auch für den Stuhlgang”, erklärte Dr. Stefan Müller. Und damit kam mit Hildegard Tschorn eine Physiotherapeutin für Beckenbodentherapie ins Spiel. „Das Motto lautet für uns immer: Wenig ist viel! Je weniger Druck auf die Muskeln ausgeübt wird, je erfolgreicher ist eine Therapie. Schließlich reicht bereits die Kraft eines Augenzwinkerns, um den After- und Blasenschließmuskel zu betätigen.” Zu pressen sei grundsätzlich nicht nur falsch, sondern gefährlich.

Zusammenfassend richteten die Experten den Appell ans Publikum, Beschwerden ernst zu nehmen und sich Rat bei Spezialisten, also Gastroenthologen, Proktologen oder proktologisch arbeitenden Chirurgen zu holen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert