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Viele Fragen offen bei Tagespflege

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Tagespflege soll sich lohnen: Das Jugendamt will die Vergütung verbessern, obwohl bereits jetzt 170.000 Euro im Jahr gezahlt werden. Foto: imago

Eschweiler. „Der Gesetzgeber lässt die Kommunen ziemlich allein.” Jugendamtsleiter Heinz Kaldenbach kann sich ein kritisches Wort nicht verkneifen. Vor allem hinsichtlich der finanziellen Belastung der Kommunen. Dabei geht es einmal mehr um den Ausbau der Kindergarten- und Tagespflegeplätze, auf die Eltern dank des Kinderförderungsgesetzes (Kifög) ab dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch haben.

Bis dahin ist es vor allem auch bei der Tagespflege noch ein weiter und schwieriger Weg, den die Eschweiler Politik hinsichtlich ehrgeiziger Ausbauziele entsprechend geebnet hat.

„Vergütung nicht zeitgemäß”

Einen Grund dafür kennt Kaldenbach nur zu gut: „Die Vergütung für die Tagespflege ist einfach nicht mehr zeitgemäß.” Seit dem 1. Januar sind zudem die öffentlich geförderten Tagespflegestellen den privat finanzierten steuerlich gleichgestellt.

Bis zum Ende des vergangenen Jahres waren die Einnahmen bei einer Betreuung von bis zu fünf Kindern steuerfrei. Abgezogen wird von den Einnahmen ein Freibetrag von 300 Euro pro Kind und Monat.

Übrig bleibt für viele Tagesmütter (und -väter) da oft nicht viel. Dabei gehen sie hochqualifiziert an ihre Arbeit. Ein Grundkurs, der 60 Unterrichtseinheiten sowie einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder und Babys umfasst, ist inzwischen Pflicht. Erteilt das Jugendamt sein Einverständnis, dürfen die Pflegepersonen loslegen.

„Wir schauen natürlich genau hin und achten auf die Motivation, prüfen das polizeiliche Führungszeugnis des Bewerbers sowie aller volljährigen Familienmitglieder, schauen auf das Gesundheitszeugnis und besuchen die Personen auch zu Hause”, erklärt Angelika Henn von der Abteilung für soziale Dienste.

Wer danach für geeignet befunden wird, belegt begleitend weitere 30 Unterrichtseinheiten. Für die Kurse müssen Interessierte einen Eigenanteil von 50 Euro aufbringen.

Was die Tageseltern schließlich verdienen, hängt von der Anzahl der Stunden ab, in denen sie die Kinder betreuen. Für Kinder unter drei Jahren zahlt die Stadt 249 Euro (bei einer Betreuung bis zu 25 Stunden), 344 Euro (bis 35 Stunden) und 461 Euro (45 Stunden). Bei Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Beginn der Schulpflicht liegen die Geldleistungen bei 218, 296 und 394 Euro.

Genau an diesen Vergütungen will die Stadt noch drehen - in Abstimmung mit den Jugendämtern im Kreis. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet”, erklärt Kaldenbach. Ein Ziel der Gruppe ist die

Vereinheitlichung und Verbesserung der Geldleistungen. Entgegengekommen ist die Stadt den Eltern bereits bei den Beiträgen. Waren die bislang bei einem Jahreseinkommen von bis zu 16000 Euro von den Beiträgen befreit, wurde die Grenze zum 1. August auf 18000 Euro angehoben.

All das sind erste kleine Schritte auf dem Weg, die Vorgaben bis 2013 zu erfüllen. In Eschweiler sollen 454 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren entstehen, davon 318 Plätze in Tageseinrichtungen und 136 Plätze in der Kindertagespflege.

Zurzeit betreut das Jugendamt 60 Tagespflegeverhältnisse, bei 35 davon sind die Kinder jünger als drei Jahre. Die Nachfrage der Eltern nach Betreuungsplätzen ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Zudem hat sich in Eschweiler Anfang 2009 der Verein „Eschweiler Tagesmütter” gegründet.

Das Jugendamt der Stadt ist als ein Modellstandort (40 Standorte in NRW) im Aktionsprogramm Kindertagespflege ausgewählt worden. Mit den zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln sollen in Eschweiler die strukturellen Voraussetzungen für den notwendigen Ausbau der Kindertagespflege weiter verbessert werden.

Gabi Brettnacher, Leiterin der Abteilung für soziale Dienste, weiß, „dass für den weiteren Ausbau noch ein echter Kraftakt personell und finanziell notwendig ist”.
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