Viele Eltern wünschen sich einen Ort der Trauer

Von: pan
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Das „Frühchenfeld“ auf dem Friedhof Dürener Straße besteht seit etwas mehr als einem Jahr. Bekannt ist es vielen Betroffenen noch nicht.

Eschweiler. Zunächst die große Vorfreude auf den Nachwuchs, dann der große Schock: Das Baby im Mutterbauch lebt nicht mehr. Viele Eltern leiden noch Jahre später darunter. Die einen wollen vergessen, andere wünschen sich einen Ort, wo sie trauern können – auch Jahre später.

Diese Möglichkeit bietet seit einem Jahr die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul auf dem Friedhof an der Dürener Straße. Dort befindet sich ein „Frühchenfeld“, wo die Kinder bestattet werden.

„Jedes menschliche Leben hat eine Würde – von Anfang an“, sagt Schwester Martina Kohler, Pastoralreferentin der katholischen Gemeinde. An vier Terminen im Jahr können Betroffene das früh- oder fehlgeborene Kind bestatten lassen. Kosten entstehen dadurch nicht.

Es spielt auch keine Rolle, welcher Konfession die Eltern des Kindes angehören. Da der Bestattung ein ökumenischer Wortgottesdienst vorausgeht und die Trauerzeremonie christlich geprägt ist, können sie sich auch für eine Beerdigung auf dem städtischen Friedhof in Düren entscheiden.

Eine Bestattungspflicht besteht laut Gesetz erst, wenn das frühgeborene Kind ein Körpergewicht von mindestens 500 Gramm aufweist. Nach einer pathologischen Untersuchung im Dürener Krankenhaus wird das Kind bestattet, anonym.

Die Pfarrgemeinde geht einen anderen Weg: Sie macht betroffenen Eltern das Angebot, sich im Rahmen eines Gottesdienstes zu verabschieden. Währenddessen kann ein Gedenkstein gestaltet werden, der mit dem Namen oder einem Spruch versehen wird. Selbstverständlich können Einzelbestattungen stattfinden, diese sind allerdings kostenpflichtig.

„Die Verabschiedung ist sehr flexibel zu gestalten, einmal wünschte sich eine Mutter, für ihr Kind Luftballons steigen zu lassen“, berichtet Martina Kohler. Das habe man natürlich gestattet mit der Bedingung, für jedes der Kinder einen Luftballon zum Himmel schweben zu lassen. Meistens halten sie und Pfarrerin Ulrike Sommer die Gottesdienste, die immer von einem Organisten begleitet werden.

Pro Bestattungstermin werden bis zu 30 Kinder beerdigt. Die Bestattungsunternehmen Hamacher, Bücken-Brendt und Beitzel-Mirbach übernehmen kostenlos den Transport und die Dekoration in der Kapelle. Einmal im Jahr findet zudem ein Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Kinder statt.

Für die trauernden Eltern kann diese Form des Abschieds wertvoll werden. „Eine ältere Dame, die ein Kind verloren hat, bedauerte, dass es früher eine solche Möglichkeit nicht gegeben hat“, sagt Pastoralassistent Robert Stiller. Sie vermisse einen Ort, an dem sie trauern könne, berichtete die Frau.

Dass dennoch relativ wenige Menschen Abschied nehmen in den Gottesdiensten, führen er und Martina Kohler darauf zurück, dass es noch zu wenige gibt, die das Angebot kennen. Betroffene seien herzlich eingeladen, das Gespräch zu suchen.

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