Vermieter nicht zu erreichen: Jetzt droht Zwangsverwaltung

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
7376709.jpg
Für die Immobilie in Kinzweiler ist derselbe Vermieter verantwortlich. Seit Wochen schon ist der nicht mehr erreichbar. Foto: Thomas Vogel
7376701.jpg
Die Mieter haben keinen Ansprechpartner: Hausmeister Lutz Mauritz fährt noch die Mülltonnen raus und füllt Wasser in die Heizung nach, falls es nötig ist. Allerdings ist er sich bewusst: Das ist kein Dauerzustand. Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Den milden Winter hat der Herr geschickt. Es ist Anfang Januar. Hermann Frieshammer blickt auf die Anzeige der Ölheizung – der Tank ist leer. Wie konnte der Vermieter vergessen, Öl zu ordern – und das in dieser Jahreszeit?

Der Besitzer und Vermieter, eine niederländische Firma, ist nicht erreichbar. Der Unternehmer kann sich um nichts mehr kümmern, weil er nach bestätigten Informationen wegen millionenschweren Betrugs im Gefängnis sitzt.

Frieshammer und die anderen Mieter in Kinzweiler, Privatpersonen und Ärzte, haben niemanden, an den sie sich wenden können, und daraus ergibt sich ein Problem, denn von der gezahlten Miete werden die Nebenkosten nicht mehr weitergeleitet. Der Energieversorger hat bereits gedroht, das Wasser abzustellen, weil die Zahlungen ausbleiben.

Der Hausverwalter hat ebenfalls kein Geld mehr bekommen, ist abgesprungen. Die Mietergemeinschaft konnte das drohende Unheil abwenden. Sie haben sich zusammengetan, selbst Öl gekauft. Die Miete überweisen sie nicht mehr an den Vermieter, sondern auf ein extra eingerichtetes Konto. Einen Ansprechpartner in Bezug auf die Immobilie, zum Beispiel was Reparaturen angeht, gibt es derzeit aber nicht.

Neben zwei Objekten in Kinz­weiler gehören dem niederländischen Unternehmen unter anderem Häuser in Dürwiß, in Aachen, Bad Münstereifel und Sindorf bei Kerpen. Bei den Mietern eines großen Hauses in Dürwiß mit etlichen Mietparteien ist vor wenigen Tagen ein Schreiben des Energieversorgers eingegangen. Ab April soll das Wasser abgestellt werden, wenn der Vermieter die offenen Rechnungen bis dahin nicht begleicht. Alternativ kann die Mietergemeinschaft selbst die Rechnung zahlen.

Der Stadt sind erst einmal die Hände gebunden. Die Kommune kann kaum etwas unternehmen, wenn ein Vermieter seinen Pflichten nicht nachkommt. Der Gesetzgeber hat zwar erkannt, dass an dieser Stelle eine Handhabe fehlt und deshalb ein Wohnungsaufsichtsgesetz auf den Weg gebracht. Das befindet sich allerdings noch im Entwurfsstadium.

Bliebe das Mittel der Zwangsverwaltung. „Das ist kompliziert“, sagt Peter Müller, beim Amtsgericht Eschweiler Gruppenleiter der Zwangsversteigerungsabteilung. „Die Zwangsverwaltung wäre das richtige Instrument. Der Zwangsverwalter kümmert sich in einem solchen Falle um all die Dinge, um die sich der Vermieter normalerweise kümmern müsste.“

Allerdings gebe es eine wichtige Voraussetzung: Weil es sich um eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme handelt, muss ein entsprechender Titel vorliegen. Nur wer den hat, kann eine Vollstreckung beantragen. Zwar könne ein Mieter solch einen Titel erwirken, wenn er den Vermieter wegen geldwerter Forderungen verklagt. Müller empfiehlt das für Mieter aber nicht unbedingt. Zwangsverwalter und Gebühren kosten Geld, die Sache könnte teuer werden.

Was er aber jedem der Mieter ans Herz legt, ist, sich von einem Rechtsanwalt wenigstens beraten zu lassen. Eigenmächtig die Miete einzubehalten oder auf einem Extrakonto zu parken, könnte unerwünschte Folgen haben. Am Ende sähe sich der Mieter selbst mit einer Klage konfrontiert. Ein Anwalt könnte prüfen, ob es in einem Fall rechtens ist, weniger oder gar keine Miete mehr zu überweisen. Sollte jemand nicht die finanziellen Mittel haben, sich einen Rechtsbeistand leisten zu können, dann kann er bei Gericht einen Beratungshilfeschein oder Gerichtskostenhilfe beantragen.

Eine weitere Möglichkeit: Die Stadt Eschweiler könnte selbst eine Zwangsverwaltung beantragen. Auch sie braucht zuerst einen Vollstreckungstitel, an den sie aber leichter kommt, als eine Privatperson – zum Beispiel, weil der Besitzer der Immobilien offene Rechnungen nicht zahlt. Die Kommune muss außerdem keine Gebühren zahlen. Die Stadt wird prüfen, ob das ein gangbarer Weg ist. Jürgen Rombach, Leiter des Sozialamts: „Sollte das Wasser in einem der Häuser abgestellt werden, hat die Stadt Eschweiler die dann bestehende Obdachlosigkeit zu bewältigen und Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“

Als letzter Ausweg bleibt immer noch der Wegzug. Das ist für Hermann Frieshammer und seine Frau Nada aber keine Alternative. „Wir hatten niemals vor, hier wegzuziehen.“ Und so warten sie nun erst einmal ab, was weiter passiert. Viel schlimmer könne es nicht mehr kommen, glaubt Frieshammer. Denn harte Zeiten hat das Ehepaar unter diesem Vermieter schon hinter sich.

Als der Abfluss der Waschmaschine in der Küche defekt war, hat der Rentner selbst einen Schlauch von der Küche ins Bad gelegt. Im Herbst, erzählt er, sei eine neue Heizung eingebaut worden. Frieshammer rief den Heizungsbauer an, um die Heizung in Betrieb zu nehmen. Der aber wiegelte ab: Die Heizung war noch nicht bezahlt. Eine Fortsetzung der Geschichte ist sicher, wie das Ende aussieht, noch nicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert