Eschweiler - Verkehrssünder stehen im Fokus der Stadt

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Verkehrssünder stehen im Fokus der Stadt

Von: Mischa Wyboris
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Wer hier fährt, der fährt verkehrt: Autos sind in der Fußgängerzone auch außerhalb der Ladezeiten immer wieder anzutreffen. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. Heinz-Gerd Müller ist mit den Nerven am Ende. Irgendwie hat er sich das Wohnen an der Fußgängerzone ganz anders vorgestellt. „Morgens um 4.30 Uhr rattern schon Lkw durch die Neustraße.” Auch Anneliese Brendt würde nachts gern schlafen, aber sie sagt: „Das ist die Hölle hier. Um 1 Uhr finden plötzlich Motorradrennen statt. Bei geöffnetem Fenster ist an Nachtruhe nicht zu denken.”

Nach Angaben der beiden Anwohner hat sich die ohnehin nicht neue Situation in den vergangenen Monaten „dramatisch zugespitzt”: Lieferanten ignorieren Ladezeiten und Einbahnstraßen, Autofahrer benutzen den neuen Bitumenbelag als Fahrbahn und somit die Fußgängerzone als Durchfahrtsstraße, Graben-, Neu- und Englerthstraße verkommen zum Parkplatz. „Auch Taxis, Pizzaservice und Apothekendienste geben sich ständig die Klinke in die Hand”, sagt Müller.

Poller zu teuer

Die Fußgängerzone künftig einfach per Poller dichtzumachen, wäre für Müller und Brendt ein Traum - aber eben nicht realisierbar, wie bereits der Planungsausschuss am 9. September gezeigt hat: 14 solcher Barrieren, die nötig wären, um die insgesamt sieben Zugänge zur Fußgängerzone abzuriegeln, würden die Stadt rund 267.400 Euro kosten, rechnete die Verwaltung vor.

Es muss also andere Wege geben, die immer wieder anrollende Blechlawine aus dem eigentlich für den Verkehr unerlaubten Bereich zu verbannen. Deshalb geht die Indestadt gegen die Verkehrssünder weiter in die Offensive. Wer etwa mal eben in die Englerthstraße einbiegt und an der Neustraße anhält, um in der Bank Geld abzuheben, kann einen Teil davon gleich bei der Stadt lassen - wenn er Pech hat.

So gab es in der vergangenen Woche gemeinsame Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt - außerhalb der Ladezeiten von 7 bis 10 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 19 bis 21 Uhr, versteht sich. „Wir haben immerhin sieben Verwarnungen ausgesprochen”, resümiert Rainer Neitzel, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes.

Auch in der kommenden Woche werde man wieder gemeinsam Präsenz zeigen, auch nach 21 Uhr - und wenn nötig durchgreifen. Die Doppelstreife ist dabei gut begründet: Während das Ordnungsamt nur Strafen aussprechen darf, wenn jemand sein Gefährt abgestellt hat, darf die Polizei auch diejenigen ahnden, die mit ihrem Fahrzeug gerade durch die Fußgängerzone fahren.

Und das fällt bei den Verkehrssündern unterschiedlich schwer ins Gewicht: Wer außerhalb der erlaubten Zeiten mit seinem Fahrrad unterwegs ist, zahlt 10 Euro, wer dasselbe mit dem Auto tut, ist fünf Euro mehr quitt. Lieferanten, die ihre Geschäfte außerhalb der Ladezeiten versorgen, bekommen ein Bußgeld von 30 Euro aufgebrummt.

„Wir können solche gemeinsamen Kontrollen nicht jeden Tag machen”, sagt Dieter Kamp, Referent für das Ordnungswesen. Aber es müsse ein größeres Bewusstsein für das Problem geschaffen werden. „Ladezeiten sind dafür da, dass man sie einhält. Nachts um 1 Uhr hat da keiner was verloren.”

Dass die neu gestaltetet Fußgängerzone mit ihrem straßenähnlichen Erscheinungsbild Autofahrer geradezu einlädt, glaubt Kamp jedoch nicht: „Diejenigen, die nicht wissen, dass es sich hier um eine Fußgängerzone handelt, sind in der absoluten Minderheit.” Auch in der alten Fußgängerzone habe man schon mit Lieferanten und Ladenbesitzern gesprochen.

„Wir sind nicht wirklich zufrieden mit der Situation, aber die Kontrollen sind natürlich besser als nichts”, sagt Franz-Dieter Pieta, Mitglied der Grünen-Ratsfraktion. Lieber hätte man es bei den Grünen gesehen, wenn solche Kontrollen gar nicht erst stattfinden müssten, weil die Fußgängerzone durch Baumaßnahmen dicht ist.

Poller wird es zwar nicht geben, aber bis zur nächsten Sitzung des Planungsausschusses am 4. November will sich die Verwaltung bei anderen Kommunen schlaumachen, wie diese mit ähnlichen Problemen umgehen.
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