Eschweiler - Vereine der Vogelzüchter kämpfen ums Überleben

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Vereine der Vogelzüchter kämpfen ums Überleben

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Josef Prost, Udo Backs und Robert Nikles (von links) sind Vogelzüchter aus Leidenschaft. Allerdings mangelt es ihrem Verein an Nachwuchs.

Eschweiler. So ein bisschen Wehmut schlägt in den Stimmen dann doch immer wieder durch, wenn Udo Backs, Josef Prost, Robert Nikles und Andreas Cremer über ihr Hobby sprechen. Backs (66 Jahre alt), Prost (70) und Nikles (68) sind drei der verbliebenen fünf Mitglieder der Vogelliebhaber Hehlrath, Cremer (75) ist Vorsitzender der Vogelfreunde 1960 Eschweiler und Umgebung. Der Verein hat noch sieben Mitglieder – im Alter zwischen 60 und 76 Jahren.

Die Vogelliebhaber Hehlrath feiern im Jahr 2025 ihr 50-Jähriges Bestehen, und damit der Verein auch den 50. Geburtstag erlebt, müssen neue Mitglieder her. Das wird jedoch alles andere als einfach...

„Es ist Arbeit, es ist mit Dreck verbunden, und wenn man in Urlaub möchte, muss man auch noch jemanden finden, der nach den Tieren sieht“, sagt Udo Backs, das letzte verbliebene Gründungsmitglied des Clubs und liefert damit gleich einmal ein paar Gründe, warum das Hobby – nun ja – nicht mehr ganz so beliebt bei der jungen Generation ist. Dazu später noch mehr.

Die Vogelliebhaber Hehlrath entstanden im Jahr 1975 aus dem Verein Vogelfreunde 1960 Eschweiler und Umgebung. Dieser Verein war ein reiner Gesangskanarienzuchtverein, einige Mitglieder wollten jedoch Farbkanarien züchten, erklärt Josef Prost die Entstehung der Hehlrather Vogelliebhaber.

Für den Laien ist es zunächst gar nicht so einfach, einen Überblick zu bekommen, da die Vielfalt der Vögel groß ist. Da gibt es neben den Gesangs- und Farbkanarien auch etwa noch sogenannte Positurkanarien, und auch bei den Rassen gibt es die abenteuerlichsten Namen: den Pariser Trompeter zum Beispiel und Bossu Belge. „Wenn sich jemand für das Hobby interessiert, dann helfen wir natürlich“, sagt Josef Prost.

Der Bossu Belge

Apropos Bossu Belge: Bei den Vogelliebhabern gibt es durchaus verschiedene Ansichten, welche Vögel schön anzusehen sind und welche nicht. Zu den Bossu Belge etwa sagt Udo Backs: „Das sind in meiner Hinsicht Krüppel.“ Der Hintergrund: In Arbeitshaltung, sprich: bei Schauen, wenn der Wertungsrichter die Tiere begutachtet, ist der Hals nach vorne gestreckt und die Schultern sind hochgezogen. Von hinten betrachtet ist der Kopf nicht sichtbar. Rücken und Schwanz bilden eine gerade senkrechte Linie. Die Beine sind leicht angewinkelt. Experten sagen, dass der Vogel in seiner Form dann an eine „7“ erinnert.

Aber zurück zu den Nachwuchsproblemen. Die beiden Eschweiler Vereine teilen das mit vielen anderen Vereinen und wie eben diese, führen auch Prost und seine Mitstreiter Gründe wie die Schule, die den Kindern mehr abverlangt und das Handyzeitalter an. Natürlich ist es ein Hobby, das auch sehr viel Zeit abverlangt: Füttern, frisches Wasser, Volieren reinigen – die Vogelliebhaber schauen mitunter mehrmals täglich nach ihren Tieren.

Nicht zu verschweigen die Kosten. Volieren baut man entweder selbst oder kauft welche, ein Zuchtpaar Kanarienvögel gibt es bereits ab 30 bis 50 Euro, teurer kann es aber – natürlich – ebenso werden. Auch das Futter reißt ein Loch ins Portemonnaie. Robert Nikles beziffert seine Ausgaben auf etwa 40 bis 50 Euro monatlich. Er nennt 22 Zuchtpaare und sechs bis acht Paare „auf Reserve“ sein Eigen. Josef Prost besitzt ähnlich viele Tiere. Udo Backs gibt monatlich 100 Euro für Futter aus. Er hält neben den Kanarienvögeln allerdings auch noch Hühner und Tauben. Und dann verschlingt auch der Veterinär den einen oder anderen Euro.

Zudem brauchen Züchter Platz für die Zucht. In einer kleinen Mietwohnung ist das Hobby nicht zu machen.

Andreas Cremer hat 75 Vögel. Seine Leidenschaft wurde im Alter von 14 Jahren geweckt, als er einen Vogel geschenkt bekam. Backs, Prost und Nikles wurde der Umgang mit Tieren quasi in die Wiege gelegt. Backs Eltern hatten einen Bauernhof, Backs selbst begann seine Vogelleidenschaft mit Hühnern und Tauben. Auch seine beiden Mitstreiter kamen über ihre Familie zu diesem Hobby. Ihre Kinder und Enkel konnten sie jedoch nicht für die Vogelzucht begeistern. Neben Backs, Prost und Nikles gehören noch Fred Gielchen und Günter Gennen zu den Vogelliebhabern Hehlrath. Inaktiv hält zudem Silke Gansera dem Verein noch die Treue. Sie ist deutlich jünger als die männlichen Kollegen, aber eben nur inaktiv.

Das große Geld kann man mit dem Verkauf von gezüchteten Kanarienvögeln nicht verdienen, betonen die Züchter unisono. Dennoch mache das Hobby viel Spaß. „Es ist einfach beruhigend. Wenn man von der Arbeit kommt oder sonst zu Hause Stress hat, tun die Vögel einfach gut“, sagt etwa Robert Nikles und Udo Backs ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Zu Hause bekommt man schon mal Widerworte, von den Vögeln aber nicht.“ Auch, wenn es nicht das große Geld zu verdienen gibt, Erfolge lassen sich schon feiern. So war Robert Nikles im vorigen Jahr Deutscher Meister, Günter Gennen feierte diesen Titel im Jahr 2013. Aber auch bei der Deutschen Meisterschaft, die jedes Jahr in Bad Salzuflen stattfindet, sei das geringer werdende Interesse zu spüren. „Es sind gravierend weniger Tiere und vielleicht noch 20 junge Leute, die ihre Vögel ausstellen“, sagt Andreas Cremer.

Ganz aufgeben wollen Prost & Co. ihre Hoffnung auf neue Mitglieder noch nicht und laden Interessierte ein (siehe Infobox). Josef Prost kennt Vogelzüchter, die sich jedoch nicht einem Verein anschließen wollen. Auch so ein Problem der heutigen Zeit. Und dann war da ja auch noch die Vogelgrippe. „Da wurden alle Leute bekloppt gemacht“, ärgert sich Udo Backs.

2025 feiern die Vogelliebhaber – wie gesagt – ihr 50-jähriges Bestehen. Und auch bei diesem Satz von Josef Prost schwingt wieder ein wenig Wehmut mit: „Hoffentlich erleben wir das noch.“

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