Und täglich summt die Nadel hier...

Von: Tobias Röber
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Konzentriert bei der Arbeit: D
Konzentriert bei der Arbeit: Daniel Pöggeler setzt die Maschine bei einem Kunden im Eschweiler Studio an. Die Indestädter lassen sich gerne tätowieren. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Daniel holt noch einmal tief Luft, schaltet seine Maschine ein und unter dem so typischen Summgeräusch beugt er sich über den Unterschenkel seines Kunden. Kurz darauf sind die ersten Nadelstiche gesetzt. Ab jetzt ist Konzentration gefragt, für anderthalb, vielleicht zwei Stunden, bis das Werk vollbracht ist.

Daniel heißt mit vollem Namen Daniel Pöggeler, ist 27 Jahre alt und Tätowierer in Eschweiler. Die Indestädter bezeichnet er als durchaus „tätowierfreudiges Völkchen”.

Der kleine Laden an der Neustraße ist beinah jeden Tag gut besucht. Daniel (wir bleiben beim Vornamen, weil das unter Tätowierern und Tätowierten so üblich ist) und sein Eschweiler Team haben ordentlich zu tun. Aber wie wird man eigentlich Tätowierer? „Ich habe stets gerne gemalt und war schon immer kunstbegabt”, sagt Daniel. Bis zum Tätowierer war es dennoch ein weitere Weg. Ein Tattoo ist eben etwas anderes, als ein Bild auf dem Papier. Vor allem etwas bleibendes.

An ein, wenn nicht sogar das Schlüsselerlebnis erinnert sich der 27-Jährige sehr gut. „Ich war etwa zwölf Jahre alt, als meine Schwester mit einem kleinen Tattoo nach Hause kam. Das fand ich geil”, sagt Daniel. Im Alter von 16 Jahren reiften die Gedanken an ein eigenes Tattoo. „Am 18. Geburtstag führte mich mein erster Gang zum Tätowierer”, sagt Daniel und schmunzelt. Bei einem Gang ist es nicht geblieben. Auf die Frage, wie viele Tätowierungen er hat, sagt er nur: „Keine Ahnung.” Es sind einige.

Beim Tätowierer „habe ich später rumgehangen”, wie Daniel erklärt. Und dann kam der Zufall ins Spiel. Der Tätowierer hatte zwei Kunden gleichzeitig im Studio. Also sprang Daniel spontan ein. Natürlich nicht als Tätowierer, sondern als Zeichner. Er stellte eine Zeichnung fertig. Und irgendwie war auch so der Berufswunsch geboren.

Daniel klapperte etliche Studios ab. „Aber erst wollte mich keiner”, sagt er. Daniel gab aber nicht auf, machte sein Abi an der Abendschule und hatte schließlich Glück. Bei der Firma Helbeck (Aaaautschi-Tattoo), die in Düren, Echtz, Jülich und eben Eschweiler sitzt, durfte er bleiben. Rund fünf Jahre ist das nun her.

Natürlich wurde Daniel nicht gleich auf die Kunden losgelassen. Bei aller Kunstbegabtheit gehört eine umfassende Ausbildung dazu. Dabei ist die Hygiene ein ganz großer Aspekt. Nicht nur für ein Tattoo, sondern auch für ein Piercing. Wie desinfiziere ich die Haut? Welche Einwirkzeiten haben die einzelnen Desinfektionsmittel? Mit solchen Fragen setzte sich Daniel auseinander. Nebenher verkaufte er im Laden. Er lernte, die Tätowiermaschine zu verstehen und welche Nadel wann zum Einsatz kommt.

Irgendwann war es soweit. Daniel tätowierte seinen ersten Kunden. „Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen. Und er schwamm sich frei, um im Bild zu bleiben. „Ich habe mit kleinen Sternchen und chinesischen Zeichen angefangen”, erinnert er sich. Jetzt sagt er : „Ich bin froh, wie es sich entwickelt hat.”

Damit meint er nicht nur seine persönliche Entwicklung, sondern auch die deutlich gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz. „Zu 80 Prozent wird es inzwischen akzeptiert”, sagt Daniel. Es gebe jedoch immer noch Leute vom alten Schlag, die ein Tattoo mit der Marine oder Knasterfahrungen verbinden. So wie das früher eben war.

„Es ist schön, dass es sich verlagert hat”, sagt Daniel. Inzwischen zählt er Menschen aller Schichten zu seinen Kunden. Vom einfachen Arbeiter bis hin zum Staatsanwalt. Genau der Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen mache den Beruf schön und interessant.

„Viele Leute schütten mir ihr Herz aus”, erzählt er. So manches Tattoo ist für den Kunden für das eigene Seelenheil. Der eine lässt sich den Namen, den Fußabdruck oder ein Bild des eigenen Kindes stechen, der andere schließt mit einer Beziehung ab. Bei den Frauen ist Florales immer voll im Trend, Sterne und Schriftzüge gehen ebenfalls stets gut. Das ist generell so und (natürlich) auch in Eschweiler.

Es gibt aber auch durchaus ungewöhnliche Wünsche. Daniel grinst schon vorher, wenn er an eine Anfrage zurückdenkt. Ein Kunde wollte die Hoden seines Hundes auf dem Oberarm haben. Der Hintergrund: Der Mann liebte seinen Vierbeiner, der kurz zuvor sterilisiert worden war. Daniel erfüllte den Wunsch. „Das war auch so ziemlich der letzte noch nicht tätowierte Fleck”, sagt Daniel und grinst wieder.

Das macht er aber längst nicht bei allem. Rechtsradikale Symbole wurden schon gewünscht. „Das lehne ich ganz strikt ab”, sagt Daniel. „Ich würde einem gerade 18-Jährigen auch nicht den ganzen Hals oder die Hände voll tätowieren”, betont er. Er will vermeiden, dass jemand in jungen Jahren einen Schritt macht, der ihm später leid tut. Beratung sieht er als sehr wichtig an.

Das absolute Maximum für ein Tattoo liege zeitlich bei sechs bis acht Stunden. Für den Kunden sei das die Grenze, aber auch für die Konzentration des Tätowierers. Und von der braucht Daniel täglich jede Menge - bei dem tätowierfreudigen Völkchen.
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