Eschweiler - Umweltaktivisten sorgen sich um Eschweiler Grundwasser

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Umweltaktivisten sorgen sich um Eschweiler Grundwasser

Von: Patrick Nowickiund Andreas Gabbert
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Die Düngeverordung legt die Maximalmenge Gülle fest, die Landwirte auftragen dürfen. Dennoch sorgen sich manche ums Grundwasser. Foto: Philipp Schulze

Eschweiler. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) Deutschland verurteilt hat, weil die Bundesregierung zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen hat, ist auch der sogenannte Gülletourismus wieder stärker in den Fokus gerückt.

Auch in Eschweiler greifen die Landwirte immer wieder auf sogenannte „Lohnunternehmer“ zurück, die die Gülle mit großen Tankwagen zu den Bauernhöfen oder direkt zu den Feldern gebracht, wo die stinkende Fracht umgepumpt und verteilt wird.

Win-Win-Situation?

Positiv formuliert könnte man hier von einer Win-Win-Situation sprechen, von einem Geschäft von dem beide Seiten profitieren. Denn in den Niederlanden ist das Angebot größer als der Bedarf, und in der deutschen Grenzregion soll es eher umgekehrt sein. Das sagt zumindest die Landwirtschaftskammer. Negativ formuliert, könnte man von einer riesigen Schweinerei sprechen, wenn die Überreste einer intensiven Fleischindustrie auf den Feldern Eschweiler landen.

Umweltschützer sehen die Gefahr einer Vergiftung des Grundwassers durch die Nitratbelastung, aber auch durch die Rückstände von Antibiotika und anderer Medikamente, die in der Massentierhaltung zum Einsatz kommen. Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbund (NABU) NRW, befürchtet, dass noch mehr Gülle „in formal unterversorgte Bereiche“ fließen wird: „Das betrachten wir mit großer Sorge.“

Auch wenn die Gülletransporte aus den Niederlanden immer wieder für Aufregung sorgen, sind sie nicht illegal. Für Franz-Josef Schockemöhle, Leiter der Stabsstelle Kontrolle Düngeverordnung bei der Landwirtschaftskammer NRW, entspricht der Import dem Kreislaufwirtschaftsdenken. „Da Pflanzen Nährstoffe brauchen, ist es besser, organischen Dünger dort einzusetzen, wo es sinnvoll ist als auf wesentlichen günstigeren mineralischen Dünger zurückzugreifen“, sagt er. Schließlich handele es sich bei mineralischem Dünger um eine endlicheRessource, der den Einsatz mit einem hohen Energieverbrauch verbunden sei. Aus seiner Sichtist der Gülletourismus deshalb sogar ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft. „Gülle ist ein Handelsgut wie jedes andere auch“, sagt Schockemöhle.

Nichtsdestotrotz zeigt er Verständnis für besorgte Bürger. Die Auseinandersetzung mit ihnen sei wichtig, und ihre Hinweise seien von entscheidender Bedeutung, um den schwarzen Schafen unter den Landwirten auf die Schliche zu kommen. Er streitet nicht ab, „dass es in Einzelfällen möglich ist, dass Rückstände von Medikamenten wie Antibiotika in die Natur gelangen“. Hier gebe es aber strenge Auflagen.

In den meisten Fällen würden sich die Bürger aber nicht aus Sorge um das Grundwasser melden, sondern weil sie sich von dem Gestank der Gülle belästigt fühlen. Der Eschweiler Landwirt Hubert Mock setzt in einem solchen Fall auf „nachbarschaftliches Miteinander“: „Wir wollen die Geruchsbelastung so gering wie möglich halten und tragen den Dünger direkt in den Boden ein – aber ganz vermeiden können wir Geruch natürlich nicht.“ In seinen Augen ist die Düngeverordnung, deren Einhaltung streng kontrolliert wird, ausreichend. „Die dort erlaubten Mengen führen dazu, dass das Grundwasser nicht belastet wird“, sagt Mock. Die meisten Mengen seien bereits im Frühjahr aufgetragen worden, jetzt seien kaum noch Güllelieferungen zu erwarten.

Die Wasserversorger sehen die Transporte zwar nicht gerne, sie verweisen aber auf eine gute Kooperation mit den Landwirten und sehen keine Gefahr für das Trinkwasser. „Das funktioniert ganz gut. Wenn sich alle daran halten, gibt es wenige Probleme“, sagt Pressesprecher Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Die Werte des als Trinkwasserspeicher genutzten Obersees seien „im grünen Bereich“. Diese Erfahrungen bestätigt auch Walter Dautzenberg, der Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG).

Bei den von der WAG genutztenTalsperren (Dreilägerbachtalsperre, Kalltalsperre, Obersee und Wehebachtalsperre) lägen die Werte meist um zehn Milligramm pro Liter oder darunter, sagt er. Die EU schreibt einen Grenzwert in Höhe von 50 Milligramm pro Liter vor, dieWeltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Grenzwert von 20 Milligramm pro Liter. Durch die Kooperation mit den Landwirten sei ein konstruktiver Austausch gewährleistet, die Düngung erfolge bedarfsgerecht. „Wir können die Situation relativ entspannt beobachten. Da brennt uns nichts an.Wir haben hier mit den Talsperren keine Probleme“, sagt Dautzenberg.

Der Unteren Wasserbehörde der Städteregion Aachen liegen zum Thema Gülletourismus und zur Belastung des Grundwassers mit Antibiotika keine Erkenntnisse vor. Für die Nitratwerte verweist die Städteregion auf den NRW-Nitratbericht 2014. Demnach gibt es im Bereich der Städteregion vier Grundwassermessstellen, an denen der Schwellenwert für Nitrat von 50 Milligramm pro Liter im betrachteten Zeitraum (1992 bis 2011) überschritten wurde. Alle vier Messstellen befinden sich jedoch im Nordkreis der Städteregion.

 

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