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„Türkisch Gold”: Von Mauern zwischen Menschen

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
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Ein schöner Traum: Aynur (Shadi Hedayali) und Jonas (Daniel Heck) fliegen auf einem Teppich in die gemeinsame Zukunft. Doch wird dieser Wunsch irgendwann Wirklichkeit? Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Menschen suchen immer einen Grund, ihrem Glück im Weg zu stehen.” Aynurs Großmutter gibt ihrer Enkelin den Rat, auf ihr Herz zu hören. Denn Jonas hat sich in Aynur verliebt. Doch Vorurteile stehen zwischen ihnen. Wie solche entstehen und immer wieder bedient werden, davon handelt das Theaterstück „Türkisch Gold”.

Die beiden Schauspieler Shadi Hedayali und Daniel Heck von „Greta”, dem jungen Grenzlandtheater Aachen, präsentierten es am Donnerstag auf der Bühne der Aula der Realschule Patternhof vor Schülern der neunten Jahrgangsstufe der Realschule sowie der Oberstufe der Willi-Fährmann-Schule.

Luiza und Jonas sind beste Freunde. Doch als Jonas erzählt, dass er sich in Aynur verliebt hat, reagiert Luiza skeptisch. Kann das gut gehen? Zwar ist Aynur in Deutschland geboren, doch ihre Wurzeln sind türkisch. Deshalb ist für Luiza klar: „Aynur ist eine Ausländerin!” Aber bedeutet dies, das Jonas nicht mit ihr zusammen sein kann?

„Ich kann mir ein Paar aus so unterschiedlichen Kulturen nicht vorstellen. Wenn man zu viele Farben mischt, kommt immer braun heraus”, ist Luiza überzeugt. Schließlich sind Deutsche verlässlich und vernünftig, aber unromantisch, während Türken spontan, leidenschaftlich und temperamentvoll, jedoch vor allem unberechenbar sind.

„Wir leben in der gleichen Stadt, mögen die gleiche Musik. Aynur trägt ähnliche Klamotten wie Luiza. Doch irgendetwas steht zwischen uns, wie eine Mauer”, hat auch Jonas Bedenken. Doch wie schön wäre es, mit Aynur auf einem fliegenden Teppich in Richtung Türkei zu fliegen, und dort für immer mit ihr am Strand zu leben.

Viele Fragezeichen stehen hinter der Beziehung: Wie reagiert Aynurs Familie? Was hält Jonas Vater davon? Muss Jonas Muslim werden, um mit Aynur zusammen sein zu können? Und möchte sich Jonas überhaupt diesen Herausforderungen stellen? Schließlich gibt sich Jonas einen Ruck und entscheidet sich für Aynur. Doch wo ist nun der Platz von Luiza?

Ein unbequemes Theaterstück von Autorin Tina Müller, das von Regisseurin Ingrid Gündisch glänzend in Szene gesetzt und von den Darstellern Shadi Hedayali und Daniel Heck hervorragend interpretiert wurde.

Beeindruckend, wie es den beiden ausgebildeten Schauspielern gelingt, glaubhaft nicht nur Luiza und Jonas zu verkörpern, sondern auch in die Rollen von Aynur, ihres Bruders sowie ihrer Eltern und Großmutter, Jonas Vater sowie von Marius und seiner Nazi-Clique zu schlüpfen.

„Wir wollen mit diesem Stück auch provozieren”, verdeutlicht Theaterpädagogin Monika Reichle. „Menschen reißen den Mund übereinander auf, ohne etwas voneinander zu wissen. Vorurteile sind überall zu finden, nicht nur zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Auch zwischen Schülern unterschiedlicher Schulformen kann es zu Spannungen kommen, weil wir den anderen zu wenig kennen”, betont sie.

Sehr aufmerksam verfolgten die Schüler der Realschule Patternhof sowie der Willi-Fährmann-Schule die Aufführung und erhielten dafür ein dickes Lob von Monika Reichle. Im anschließenden Unterricht wurde das Gesehene und Gehörte dann noch einmal reflektiert. Ein wichtiger Schritt, denn „Türkisch Gold” fordert heraus und dazu auf, sich über seine eigenen Gedanken Gedanken zu machen.
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