Trotz Finanzkrise: In der VHS gehen die Lichter nicht aus

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Auch wenn die Stadt klamm ist, an der Kaiserstraße geht das Licht noch lange nicht aus. Trotz schrumpfender Zuschüsse des Landes arbeitet die VHS erfolgreich.

Eschweiler. Es muss gespart werden, und zwar drastisch. Das sind die bitteren Botschaften, die in diesen Tagen aus dem Rathaus zu vernehmen sind. Doch wo wird der Hebel angesetzt? Immer wieder gerät auch die Volkshochschule ins Visier.

Doch noch sieht sich VHS-Leiter Hans-Werner Schmidt auf einem guten und erfolgreichen Weg und ist sich der Unterstützung der Verwaltungsspitze und der Politik sicher. „Hier werden die Lichter definitiv nicht ausgehen”, spricht Schmidt Klartext. Dürfen sie auch gar nicht so mir nichts dir nichts. Denn: „Wir gehören nicht zu den freiwilligen Ausgaben der Stadt!”, erklärt Schmidt. Anders als bei der Stadtbücherei oder den Zuschüssen für Vereine, gibt es bei der VHS einen gesetzlichen Zwang, der ihr Bestehen garantiert.

So heißt es im Weiterbildungsgesetz (WbG) unter anderem: „Kreisfreie Städte, Große kreisangehörige Städte und Mittlere kreisangehörige Städte sind verpflichtet, Einrichtungen der Weiterbildung zu errichten und zu unterhalten.” Und weiter: „Die Grundversorgung mit Weiterbildungsangeboten wird durch das Pflichtangebot der Volkshochschulen sichergestellt.” Das heißt: Einfach Licht aus, Tür zu und Schluss geht bei der VHS nicht. Soll es auch nicht, denn die Eschweiler Volkshochschule ist ein Erfolgsmodell, wie Schmidt betont. Selbst in Zeiten der Krise.

„Die Teilnehmer haben uns getragen”, blickt er auf gute Zahlen. Im Statistischen Jahresbericht 2008 beträgt die Gesamtteilnehmerzahl 9855. 2009, so Schmidt, sei die Resonanz ähnlich gewesen. 12.000 Unterrichtsstunden, circa 250 nebenberufliche Dozenten, neun hauptberufliche Stellen: An der Kaiserstraße und überall dort, wo die VHS ihre Kurse anbietet, herrscht Hochbetrieb.

All dies gelingt Schmidt und seinem Team, obwohl der Landeszuschuss seit Jahren rückläufig ist. Konnte der Leiter 2003 noch mit 171.152 Euro kalkulieren, die von der Düssel an die Inde flossen, waren es 2008 nur noch 128.217 Euro. Zum Vergleich: Die Dozentenhonorare stiegen im gleichen Zeitraum von 154581 auf 262139 Euro.

„Das zeigt, dass wir gut gewirtschaftet haben”, schafft es Hans-Werner Schmidt, auch den städtischen Zuschuss stets im Rahmen zu halten. Bei 157.940 Euro lag er 2008. „Der Bügermeister sagt mir immer: Schmidt, bleib unter 200.000 Euro, dann ist alles gut.” Das gelingt dem VHS-Chef seit Jahren vorzüglich. Möglich ist das durch die konstant hohen Drittmittel. 463.190 Euro strich die VHS 2008 an Leistungsentgelten ein. Ein großer Batzen hiervon geht mittlerweile auf die Integrations- und Deutschkurse zurück. Geld, das häufig direkt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kommt.

Trotzdem macht man sich auch bei allen Volkshochschulen der Städteregion Gedanken, wo Einsparungspotenziale liegen. „Wo können wir noch besser kooperieren?”, lautete daher die Frage auf einem Treffen vor wenigen Tagen.

Der Bürger, muss Schmidt aber auch reinen Wein einschenken, werde es irgendwann spüren, dass insgesamt weniger Geld zur Verfügung steht. „Ein bis drei Jahre kann man von der Substanz gut leben”, bringt er abschließend ein anschauliches Beispiel: Terrabänder, mit denen auch bei der VHS in Sportkursen geturnt wird, halten problemlos fünf Jahre. Sechs Jahre sind auch noch ok, aber im siebten Jahr sind sie rissig und spröde. Dann ist der Substanzverlust spürbar. „Wir sind jetzt im fünften Jahr.”

Schmidt, der sich und die VHS als Service der Stadt für den Bürger sieht, blickt mit wachsendem Ärger darauf, dass Bund und Land immer mehr Kosten auf die Kommunen abwälzen. „Wer politisch denkt, muss empört sein!”, nimmt Hans-Werner Schmidt kein Blatt vor den Mund. Für 2010 befürchte er aber mit Blick auf die VHS keine Landes-Kürzungen. „Es sind ja schließlich Landtagswahlen.” So funktioniert Politik halt. Das weiß Schmidt. Dafür braucht er auch keinen VHS-Kurs zu belegen.
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