Eschweiler - Trojas Königin besiegt das Dschungelcamp

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Trojas Königin besiegt das Dschungelcamp

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen? Hekabe, die ehemalige Königin von Troja, hat im Krieg gegen die Griechen ihren Mann Priamus sowie einige ihrer Kinder verloren. Nun soll sie nicht nur ihr Dasein als Sklavin der siegreichen Griechen fristen, auch ihrer Tochter Polyxena droht der Opfertod am Grab des Achilles.

Als schließlich auch noch die Leiche ihres Sohnes Polydoros, der vom Vater mit dem Schatz Trojas nach Thrakien geschickt worden war, an den Strand gespült wird, bricht sie endgültig zusammen. Doch als deutlich wird, dass ihr Sohn ermordet wurde, sinnt sie auf Rache.

Anspruchsvoller Stoff, alles andere als fröhlich

Seit neun Jahren ist die Städtische Gesamtschule Eschweiler Teil des Aischylos-Projekts, in dem sich unter der Leitung des Regisseurs Sjeng Verheijden inzwischen zwölf Schulen der Euregio zusammengeschlossen haben, um griechische Dramen auf die Theaterbühne zu bringen. Am Dienstagabend stand nun im vollbesetzten Pädagogischen Zentrums der Gesamtschule die Aufführung des Euripides-Drama „Hekabe” auf dem Programm. Mit großer Hingabe gelang es den jungen Schauspielern, Sängern und Musikern, das Publikum mit dem anspruchsvollen und alles andere als fröhlichen Stoff zu fesseln.

Auch Lehrerin Eva Neugebauer, Projektleiterin an der Gesamtschule Eschweiler, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Schüler, zitierte aber zunächst mit Aristoteles einen Philosophen, der mit seiner vor mehr als 3000 Jahren geäußerten Meinung auch in die Gegenwart passen würde: „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft, wenn einmal unsere Jugend die Gesellschaft von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.” Dieses Zitat habe sie stutzig gemacht, erklärte Eva Neugebauer. „Ich maße mir an, Sie am heutigen Abend vom Gegenteil zu überzeugen”, sprach die Pädagogin das Publikum direkt an.

„60 Schüler aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland widmen ihre Zeit heute nicht den Dschungelcamps oder den Superstar-Castingshows unserer Fernsehkultur, sondern schaffen selbst Kultur - und zwar ganz klassisch mit Theater und Musik”, lobte sie die Mitwirkenden bereits vor dem ersten Vorhang und hatte damit keinesfalls zu viel versprochen.

Hekabe (Hamiyet Aydin) ist am Ende ihrer Kräfte. Im Verlauf des Krieges gegen die Griechen hat die einstige Königin von Troja ihren Mann und mehrere ihrer Kinder verloren. Als sie von Odysseus (Mart Knoben) erfährt, dass nun auch noch ihre Tochter Polyxena (Laura Kalsbeek) den Opfertod am Grab des Achilles sterben soll, bricht sie zusammen. Doch damit nicht genug: Die Leiche ihres Sohnes Polydoros (Vincent van der Linden), der von Priamus beim vermeintlichen Freund Polymestor (Thomas Geling) in Thrakien in „Sicherheit” gebracht worden war, wird an den Strand geschwemmt.

Schnell wird deutlich, dass Polydoros ermordet worden ist. Polymestor, der auch Freunde bei den Griechen hat, ist der Mörder. In ihrem unvorstellbaren Kummer sinnt Hekabe auf Rache. Sie lockt Polymestor mit seinen beiden Söhnen nach Troja. Mit Hilfe weiterer Frauen blendet Hekabe den Mörder ihres Sohnes und lässt die beiden Söhne Polymestors töten. Vor Agamemnon (Rick Oosterwijk), dem Anführer der Griechen, behauptet Polymestor, Polydoros nur getötet zu haben, um den Griechen Leid zu ersparen. Doch der Mörder wird entlarvt.

„Du hast allein getötet, um das Gold zu behalten”, wirft Agamemnon dem Tätet vor. „Kein Mensch ist wirklich frei, wenn er sich der Macht des Geldes beugt”, stellt Hekabe fest. Und: „Wer ein Unrecht begeht, muss den Preis bezahlen.” Zur Strafe für seine Tat wird Polymestor auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Doch Hekabes Leid ist nicht gemildert. „Mein Leben ist zu Ende”, lautet der Schlusssatz des Dramas. Starker und anhaltender Applaus belohnte die Darsteller nach einer bemerkenswerten Leistung.

Zwölf Schulen arbeiten im Projekt Aischylos

Initiiert wurde das Projekt durch die Arbeit von Regisseur Sjeng Verheijden mit dem Sint-Maartens-College in Maastricht. Unter dem Namen „Aischylos” arbeiten jetzt zwölf Schulen aus der Euregio zusammen. Ziel ist, den Schülern in internationalem Rahmen gemeinsame Erfahrungen in der Theaterarbeit zu ermöglichen. Neben dem Abbau von Sprachbarrieren sollen die Erfahrungen auf internationalem Parkett den Schülern auch für ihre berufliche Zukunft Perspektiven aufzeigen.

An der Aufführung am Dienstag waren neben den Darstellern der Gesamtschule Eschweiler auch Schüler des Graaf Huyn College Geleen, Athnee Royal Chenée, Het College Weert, Sophianum Gulpen sowie des Sintermeerten Heerlen beteiligt.

Die Mitwirkenden in Euripides´ Drama:

Darsteller: Hamiyet Aydin, Laura Kalsbeek, Vincent van der Linden, Thomas Liepe, Rick Oosterwijk, Thomas Geling, Isabelle san Jose, Simone Uittenboogaard, Selma Rekik, Anika Schmitz, Danny Schleip, Lukas Hendryk, Delano van Luik, Elvis Delic, Bart van Wijlick, Jelle Beijers, Kathleen Lecrompe, Imane Frij, Loes Wenemoser, Koen Dijkstra, Annemiek Slootbeek

Chor: Alexander Fuchs, Julia Gärtner, Heike Heymich, Elisa Patti, Eva Tornow, Iris Verhülsdonk

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