„Trinity Gospel Company“ bewirbt sich für Liederfest in Estland

Von: Andreas Röchter
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Bewerben sich, um im kommenden Jahr aktiv am „Liederfest“ in der estnischen Hauptstadt Tallinn teilnehmen zu dürfen: die Sängerinnen und Sänger der „Trinity Gospel Company“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Eine Nation singt. Und bringt damit ihre Identität zum Ausdruck. Alle fünf Jahre steht ganz Estland vollkommen im Bann des Liederfestes, dessen Tradition bis 1869 zurückreicht. Im Jahr 2009 intonierten 26.000 (!) Sänger vor 70.000 (!) Zuhörern estnische Volkslieder in der Hauptstadt Tallinn.

Während der 26. Auflage des Liederfestes im Juli 2014 könnten nun etwa 40 Sängerinnen und Sänger aus Eschweiler mit von der Partie sein. Denn die „Trinity Gospel Company“, Chor der Evangelischen Gemeinde Eschweiler, bewirbt sich unter der Leitung von Kantor Gerhard Behrens um die Teilnahme an diesem Kulturfest, das zu den weltweit größten seiner Art zählt, 2003 von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt und 2008 in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menscheit aufgenommen wurde.

Eine Bewerbung, die den Vortrag zweier estnischer Volkslieder enthält, ist zwingend notwendig, da nicht jeder Chor am Liederfest teilnehmen darf. Die Veranstalter legen Wert auf Qualität. Und so trafen sich die Chormitglieder vor einer Woche im Martin-Luther-Haus, um „Puudutus“ („Die Berührung“) und „Isamaale“ („Für das Vaterland“) einzusingen. Nun heißt es hoffen, dass der Daumen der Jury in Tallinn für die „Company“ nach oben zeigt.

Den Stein ins Rollen brachte nicht zuletzt Margeth Böhland, die sich im Januar 2012 der „Trinity Gospel Company“ anschloss. Die begeisterte Sängerin lebt seit vier Jahren in Eschweiler und ist Estin. „Das bedeutet, dass ich mit Gesang groß geworden bin“, betont sie. Während eines Gesprächs mit Chorleiter Gerhard Behrens fiel dann erstmals das Wort „Liederfest“. „Zunächst eigentlich ein Scherz. Aus dem bald aber eine ernsthafte Idee wurde“, blickt der Kantor zurück. Dieser erinnert sich auch an eine Begebenheit aus den 90er Jahren, die zeigt, welche Bedeutung der Chorgesang in dem baltischen Staat genießt. „Damals war der Kammerchor der estnischen Stadt Tartu in unserer Gemeinde zu Gast. Die 24 Sänger präsentierten auswendig und a-capella ein eineinhalbstündiges Programm höchster Qualität“, so das Fazit von Gerhard Behrens.

Als der Chorleiter die Idee zur Teilnahme am Liederfest in Tallinn dann erstmals „seinen“ Sängern vorstellte, mussten einige „Company“-Mitglieder doch erst einmal schlucken. Schließlich sind die Teilnahmebedingungen auch für ausländische Chöre eindeutig: Als Bewerbung muss die Aufnahme zweier Lieder eingeschickt werden. In estnischer Sprache! „Für uns als Gospelchor ist eine Fremdsprache zwar kein ganz neues Metier, schließlich sind die meisten Texte unserer Lieder in Englisch verfasst, doch Estnisch ist natürlich noch einmal eine andere Hausnummer. Vom Wortstamm her ist die Bedeutung für uns jedenfalls nicht abzuleiten“, schmunzelt Gerhard Behrens.

An dieser Stelle kommt dann Margeth Böhland wieder ins Spiel. Als Übersetzerin. „Alle im Chor wissen, was sie singen“, unterstreicht sie. Eine Voraussetzung, um den Liedern gerecht werden zu können. „Estnische Lieder handeln oft von Liebe und Treue, aber auch von der Trauer um das Vaterland. Das hat mit der Geschichte Estlands und der Esten zu tun. Mein Heimatland und dessen Bürger wurden oft von seinen größeren Nachbarn unterdrückt. Die Esten mussten sich behaupten. Das gemeinsame Singen während des Liederfestes gab einem kleinen und im Grunde nicht vorhandenen Volk die Gelegenheit, sich stark zu fühlen“, erklärt die Estin, die, bevor sie in Eschweiler ihre Zelte aufschlug, Mitglied des „European Choir of Estonians“ war und als Kind bereits am Liederfest teilnahm, mit hörbarem Stolz. Jetzt fiebert sie der Juryentscheidung, deren Termin den Indestädtern nicht bekannt ist, entgegen.

Die Bewerbungs-CD, die unter der Mithilfe von „Cheftechniker“ Wilhelm Bohnen entstand und deren Ergebnis sich die Chormitglieder während ihrer Probe am vergangenen Freitag gespannt anhörten, ist jedenfalls unterwegs in Richtung Estland. „Ich glaube, die CD kann man zu Hause durchaus laufen lassen“, zeigte sich Gerhard Behrens mit dem Resultat in norddeutschem Überschwang mehr als einverstanden.

Sollte die Nachricht aus Tallinn positiv ausfallen, liegt übrigens noch eine Menge Arbeit vor der „Company“. Neun weitere estnische Lieder müssten bis Juli 2014 eingeübt werden. „Dann heißt es wieder, abtauchen in eine völlig andere Klangwelt“, so Gerhard Behrens. Die Reise nach Tallinn antreten werden zahlreiche Sänger des Chors definitiv, um zumindest als Zuhörer das Ereignis zu erleben. Doch als aktive Teilnehmer stünde die Fahrt natürlich unter einem ganz anderen Stern. „Schließlich blickt ganz Estland auf das Liederfest. Das Fernsehen überträgt die komplette Veranstaltung. Es ist quasi so wie bei den Olympischen Spielen“, verdeutlicht Margeth Böhland noch einmal die Dimension des Kulturfestes.

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