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Traumazentrum und Feuerwehr proben gemeinsam den Ernstfall

Von: Irmgard Röhseler
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Gebannt verfolgen die Zuschauer die gemeinsame Übung von Traumazentrum und Feuerwehr am Florianweg. Foto: I. Röhseler
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Hier zählt jede Minute und eine optimale Zusammenarbeit von Feuerwehr und Ärzten: Klinikmitarbeiter und Rettungskräfte probten die Abläufe von realitätsnahen spektakulären Unfallszenarien. Foto: I. Röhseler
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Die Verletzte wird so schnell wie möglich in eine Unfallklinik gebracht. Häufig entscheiden die ersten beiden Stunden nach dem Unglück, die so genannte „golden hour of shock“, über Leben und Tod. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Verzweifelt versucht die Autofahrerin noch das Lenkrad herumzureißen. Doch sie schafft es nicht mehr. Ein Aufschrei ist zu hören, dann gibt es einen dumpfen Schlag. Wie in Zeitlupe segelt das Auto der Frau durch die Luft und bleibt mit einem lauten Aufprall auf dem Dach liegen. Sekundenlang ist es gespenstig still, bevor ein leises Wimmern zu vernehmen ist.

Ein Unfallzeuge greift unverzüglich zum Handy und alarmiert die Feuerwehr und den Notarzt. Der Notarztwagen trifft ein, die Feuerwehr eilt mit mehreren Einsatzfahrzeugen an den Unfallort. Die Retter eruieren blitzschnell die Lage. Die Fahrerin aus dem Pkw, der sich aufs Dach gelegt hat, liegt in einer riesigen Blutlache. Ihr Arm ist unter dem Auto eingeklemmt.

Die 30-Jährige hat starke Schmerzen, ist blass und kaltschwitzig. Sie wird unverzüglich notärztlich versorgt, während die Feuerwehrmänner alles daran setzen, die Schwerverletzte so schnell wie möglich von der schweren Last zu befreien. Neben dem Pkw hockt ein verstörter Junge, der immer wieder nach seiner Mutter fragt. Auf der abgeknickten Rückbank des Unfallfahrzeugs liegt ein regungsloses blasses Mädchen. Die Retter agieren in Windeseile und schneiden das Heck des Fahrzeugs auf. Ein Notarzt kriecht ins Fahrzeuginnere, versorgt und beruhigt den traumatisierten Teenager.

Der unter Schock stehende Fahrer des zweiten Pkw hat sich von der Unfallstelle entfernt, auf der Rückbank sitzen zwei kleine Jungen. Beide sind blass und klagen über Knie- und Bauchschmerzen.

„Gott sei Dank ist das nur eine Übung“, zeigte sich einer der vielen Zuschauer am Samstag sichtlich geschockt, als er die spektakulären Unfallszenarien auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr am Florianweg verfolgte. Das Regionale Traumazentrum Eschweiler (im TraumaNetzwerk Euregio Aachen) und die Feuer- und Rettungswache Eschweiler probten gemeinsam die Abläufe von realitätsnahen Unfallszenarien mit mehreren Polytraumatisierten – von der Alarmierung bis zur Übergabe im Schockraum, um so bestmögliche Versorgungsabläufe in jeder Situation zu gewährleisten. Für diese Übung war in der Fahrzeughalle der Feuerwache eigens ein Schockraum aufgebaut. Nach der „Erstversorgung“ am Unfallort wurden die „Unfallopfer“ hier vom Notarzt an das Schockraumteam übergeben.

„Häufig entscheiden die ersten beiden Stunden nach dem Unglück, die so genannte „golden hour of shock“, über Leben und Tod“, erklärte Dr. Oliver Heiber, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie am St.-Antonius-Hospital und Mitglied im Leistungsteam des Regionalen Traumazentrums, der die Übungen am Samstag auf dem Feuerwehrgelände mit Argusaugen beobachtete. „Die Zeitspanne vom Trauma bis zur Aufnahme im Krankenhaus beträgt durchschnittlich etwa 72 Minuten, ein Zeitraum, in dem viele Polytrauma-Patienten ihren Verletzungen erliegen.“ Gründe dafür sind, dass ein Krankenhaus zu weit vom Unfallort entfernt liegt oder nicht genügend auf die Versorgung Schwerstverletzter vorbereitet ist. Muss der Rettungsdienst das nächste Hospital anfahren, kann es schon zu spät sein.

Das Eschweiler Traumazentrum gehört zum grenzüberschreitend arbeitenden „TraumaNetzwerk Euregio Aachen“, das eines von 53 Netzwerken dieser Art in der deutschlandweiten Initiative Trauma-Netzwerke der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie ist. Diese hat sich dem Ziel verschrieben, dass jeder der mehr als 35000 Schwerverletzten pro Jahr in Deutschland an jedem Ort, zu jeder Zeit rund um die Uhr die gleiche Überlebenschance haben soll.

Bei einem Polytrauma liegen Verletzungen von mindestens zwei Körperregionen vor. Entweder ist eine oder die Kombination verschiedener Verletzungen lebensbedrohlich für das Unfallopfer.

Bereits im vergangenen Herbst hatten das Traumazentrum und die Feuerwehr den Ernstfall geprobt. Eschweiler Feuerwehr, Notärzte, Anästhesisten, Unfallchirurgen und Pflegeteams des St.-Antonius-Hospitals traten am Samstag nun zur zweiten großen Übung an. Von morgens bis abends war die Feuerwache Schauplatz für Extremsituationen.

Vor den spektakulären Aktionen erläuterten Christian Haake und Dr. Theresa Kaminski den Übungsablauf. Axel Johnen, Stadtbrandinspektor und Leiter der Feuerwache, und Marcel Krott erklärten die Rettungstechniken der Berufsfeuerwehr.

Mit einem gemeinsamen Grillen auf der Feuerwache endet der arbeitsreiche Tag für die Retter.

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