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Töne müssen sitzen: Original Eschweiler nehmen wieder CD auf

Von: Sonja Essers
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Die 29. Musikproduktion der Original Eschweiler ist im Kasten. Foto: Sonja Essers/privat

Eschweiler. Mein Herz klopft schneller, der Puls rast. Mein Hals ist trocken und ich muss mich immer wieder räuspern. Kurzum: Ich bin total nervös. Das passiert mir normalerweise nur, wenn Auftritte vor vielen Menschen anstehen. So wie beim Tag der Fanfarentrompeter. Heute ist alles anders. Keine Menschenmassen, „nur“ ich und das Mikrofon.

„Hoffentlich hat alles funktioniert“, denke ich und warte auf eine Rückmeldung. „Du musst auf deine Aussprache achten. Das, was du singst, geht zu sehr ins Hochdeutsche, aber es muss ‚richtiges‘ Platt sein“, sagt die Männerstimme, die ich über die Kopfhörer wahrnehme. „Wie bitte? Das kann doch gar nicht sein“, denke ich leicht verärgert, sage jedoch nichts.

Plötzlich wird mir heiß. Den Schal, den ich mir um meinen Hals gebunden habe, lege ich zur Seite. Mit dieser Aussage habe ich gar nicht gerechnet. Schließlich hatte ich beim Singen besonders auf die „richtige“ Aussprache geachtet. „Bist du noch da?“, höre ich über die Kopfhörer. Ich antworte mit einem knappen „Ja“. Zeitgleich schießen mir tausend Gedanken durch den Kopf.

„Bleib‘ einfach ganz locker. Wir probieren es noch mal und dann wird es schon klappen“, motiviert mich die Männerstimme. Diese gehört Malte Hallemann. Der 28-jährige Indestädter studiert Tontechnik am SAE Institute in Köln und leitet mit zwei seiner Kommilitonen ein Projekt, von dem auch ich ein Teil bin: Die CD-Aufnahme des neuen Sessionstitels der Original Eschweiler.

Doch zurück zum Anfang: Im Handumdrehen verwandelt sich unser Proberaum in der Donnerbergkaserne in ein Aufnahmestudio. 25 Mikrofone sind im Einsatz. Allein zehn nehmen das Schlagzeug auf. Ein ganz schön ungewohnter und imposanter Anblick. Acht Trompeter, acht Posaunisten und ein Saxophonist sowie der komplette Rhythmus, bestehend aus einem Gitarristen, einem Keyboarder, einem Bassisten sowie einem Schlagzeuger und zwei Percussionisten, machen den Anfang. Ein ganzes Wochenende lang schaue ich entspannt zu, wie sich die Musiker abrackern, immer wieder die gleichen Passagen einspielen. Als ich den Schlagzeuger (meinen Bruder) damit aufziehen will, fällt mir ein, dass ich ja selbst noch dran bin.

Das ist vier Wochen später der Fall. Und jetzt kann ich eben nicht entspannt zusehen. Der Gesang wird aufgenommen. Vier Stimmen, um genau zu sein, und eine davon ist meine. Die anderen gehören zu René Bäcker, Andreas Bergs und Anton-Josef Vinken. Während ich in der kleinen Aufnahmekabine einen Schluck aus meiner Wasserflasche nehme, blicke ich auf die Warmhaltekanne, die neben mir steht. „Vielleicht hätte ich meine Stimme lieber mit etwas Salbeitee ölen oder mich zumindest mal vernünftig einsingen sollen“, denke ich. Tja, zu spät.

„Es geht weiter“, sagt Malte Hallemann und schon läuft das Playback wieder an. Aus dem 95-minütigen Material des ersten Termins haben Malte Hallemann, Andreas Eller und David Fritzsche die besten Sequenzen zusammengeschnitten. Ich fasse an meine Kopfhörer und schon habe ich das Stück, das 2011 von Christian Leuchter, dem Texter und Komponisten sowie Prinzen in spe, geschrieben wurde und den Titel „Ach Marie“ trägt, in den Ohren.

Ich denke an unsere letzten beiden CD-Aufnahmen zurück. Bisher hat immer alles auf Anhieb funktioniert. Aber an diesem Abend scheint irgendwie alles anders zu sein. Obwohl ich ganz genau weiß, worauf ich zu achten habe, fällt mir das Singen schwer und dies liegt nicht nur an der Erkältung, die ich seit einigen Tagen mit mir herumschleppe.

Eine CD-Aufnahme ist schließlich etwas ganz anderes als ein Auftritt vor einem großen Publikum. In dem Proberaum, der hinter einem Kinosaal liegt, komme ich mir alleine ziemlich verloren vor. Wie soll da die richtige Stimmung aufkommen? Angetrieben von meinem Ehrgeiz vergleiche ich mich zudem immer mit meinen Mitstreitern. Ich will nicht diejenige sein, die die meiste Zeit für die Aufnahme benötigt. Ich versuche mich zu konzentrieren, atme tief durch und erinnere mich an die Worte von Jens Streifling.

Das Höhner-Mitglied nahm unsere letzte CD auf und gab uns Sängern einen guten Tipp: „Versucht während der Aufnahme zu lächeln. Wenn eure Mimik stimmt, merkt man das auch in eurer Stimme.“ Na toll. Lächeln, während ich verkrampft bin. Aber gut, einen Versuch ist es wert. Das Playback ertönt wieder. Ich forme den Mund zu einem Lächeln und öffne die Augen noch etwas weiter. Außerdem nehme ich die Arme hoch und verschränke sie hinter dem Kopf. Ein Tipp, den ich von Malte Hallemann erhalten habe. In dieser Position soll man entspannter singen können. Davon habe ich zuvor zwar noch nie etwas gehört, ausprobieren möchte ich es aber trotzdem.

Nach vier Minuten habe ich es geschafft. Es ist still. Gespannt warte ich auf die Stimme aus meinem Kopfhörer. Einige Sekunden vergehen, doch diese kommen mir vor wie eine halbe Ewigkeit. „Super. Genauso soll es sein. Wir haben es im Kasten“, sagt Malte Hallemann. Sein Tipp hat was gebracht. Ich merke, wie sich auf meinem Gesicht ein entspanntes Lächeln einstellt. „Geht doch“, denke ich. Ein bisschen stolz bin ich schon.

Viele blinkende Knöpfe

Als ich den Vorraum des Kinosaals betrete, in dem das Mischpult sowie ein Laptop aufgebaut sind, empfängt mich der musikalische Leiter Patrick Oder. „Hast du gut gemacht. Ich wusste gar nicht, dass du in dieser hohen Lage singen kannst“, neckt er mich. Gemeinsam hören wir uns die Aufnahme an. Ein mulmiges Gefühl breitet sich in mir aus. Die eigene Stimme zu hören, ist immer irgendwie komisch. Dann drückt Malte Hallemann auf einen der vielen blinkenden Knöpfe des Mischpults und schon höre ich auch die restlichen Gesangsstimmen. Alle Beteiligten sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Nun müssen die besten Sequenzen ausgesucht und zusammengeschnitten werden. Dann geht die Aufnahme an ein Tonstudio in München. Im Dezember werde ich die fertige CD in meinen Händen halten. Darauf freue ich mich besonders. Bereits beim Gedanken daran merke ich, dass mein Herz ein wenig schneller klopft...

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