Tina Teubner: Herrlich ehrlich und richtig böse

Von: sh
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Erzählte brühwarm aus dem Tagebuch ihres Mannes: und überzeugte auch an der Geige: Tina Teubner im Talbahnhof. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. In ihrer rechten Jackettasche hatte sie es versteckt, dieses Schriftstück, das ihrem neueste Programm den Namen gibt. Ein Schriftstück, das Tina Teubner Anlass gab, an diesem frühsommerlichen Abend im proppenvollen Talbahnhof Einblick zu gewähren. Einmal Mäuschen spielen, dachten sich da alle Damen. Und die Herren der Schöpfung? Die kamen gleichfalls auf ihre Kosten.

Mit „Aus dem Tagebuch meines Mannes” lockte Teubner, Gewinnerin des Kleinkunstpreises 2010, all jene in das Kulturzentrum, die bei einem unterhaltsamen Abend mehr erwarten als platte Comedy mit vorhersehbaren Pointen.

Aus einer Schublade hatte Teubner das Tagebuch stibitzt. Eine Schublade, in die man sie nie stecken könnte. Was macht Tina Teubner da gut 90 Minuten auf der Bühne? Kabarett oder Konzert? Kleines Theater mit großen Zwiegesprächen, wie sie es an diesem Abend zur Freude des Publikums mehrmals mit ihrem kongenialen Partner Ben Süverkrüp am Klavier zelebrierte? Die Mischung machts bei Teubner. Kleinkunst „at his best”, die durch ihren Facettenreichtum besticht.

Kabarettistische Kleinode sind ihre grandiosen Imitationen. Wenn sie unter der Karriereformel „Von unten bis nach Udo Walz” den Weg von Kanzlerin Angela Merkel in perfekter Gestik, Mimik und Aussprache beschreitet, ist Teubner einfach unwiderstehlich.

Wenn sie mit perfektem Wiener Schmäh eine nicht näher benannte „Wiener Schauspiel-Schabracke” imitiert, wähnt sich der Zuschauer in einer der x-beliebigen Talkshows, die eben solchen selbstverliebten Darstellerinnen eine Bühne bietet.

Es ist ihr Blick auf die Welt, der so herrlich ehrlich, aber auch richtig böse sein kann. Ein kurzer Abstecher ins Reformhaus wird da schnell zur Generalabrechnung mit der Körner-Generation. Gesundheitswahn und Bewegungsdrang? Tina Teubner schwimmt lieber gegen den Strom, wobei ja auch das wieder mit unnötigem Aufwand verbunden wäre. „Ich verstehe einfach nicht, warum ich laufen soll, wenn ich auch sitzen kann.”

Doch Teubner ist nicht nur eine Meisterin der Alltagsphilosophie: Sie singt wunderbare, poetisch-verträumte Chansons, sie spielt Ukulele, Geige und eine Säge, sie schreckt aber auch vor blankem Unsinn nicht zurück und verwandelt ein Stück Käse in den „Fliegenden Holländer”.

Mit Süverkrüp legt sie eine Synchron-Meckerei aufs Parkett, die im typischen finalen Beziehungsstreitsatz endet: „Du bist wie deine Mutter!” Teubner verfällt in den hysterischen „Mein Mann ist mein Feind”-Ton, um kurz darauf nach Süverkrüps Parforceritt durch „Bachs haariges Schaffen” eingestehen zu müssen: „Ich bin nicht immer sprachlos, aber sowas muss man mal gesehen haben!” Das Publikum applaudiert zustimmend.

Pointenreich und charmant

Und das Tagebuch? Ja, das zieht sie am Ende auch noch einmal aus der Tasche. Was bleibt nach ihrem pointenreichen wie charmanten Kabarett/Chanson-Abend? „Ich liebe meinen Mann schon. Ich habe es nur nicht immer auf dem Schirm.” Das Publikum hatte da längst Liebesbekundungen verteilt. Tina Teubner werden sie weiter auf dem Radar haben.
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