Eschweiler - Thomas Freitag für neues Programm gefeiert

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Thomas Freitag für neues Programm gefeiert

Von: kaba
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„Worum es eigentlich geht“ ist der Titel des Buches, in dem Schüttlöffel blättert, während er über Marx, dessen Ideen und den Kapitalismus nachdenkt. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Es ist dunkel im Talbahnhof. Leises, gespanntes Gemurmel hört man im ausverkauften Saal. Dann: Eine Explosion, Bücher fliegen aus den Regalen auf der Bühne und schwungvoll erstürmt Thomas Freitag die Bühne. Ein spektakulärer Auftakt seines Programms, das die Eschweiler im weiteren Verlauf begeistern sollte.

Mit einer hervorragenden Feinfühligkeit zog Freitag das Publikum sofort in seinen Bann. Mal sorgte er für schallendes Lachen, gleich darauf wurde er todernst und brachte seine Zuhörer zum Nachdenken. Auffallend, wie die Anwesenden ihm an den Lippen hingen. Immer wieder vernahm man aus dem Publikum geflüsterte Zustimmung, weitere Anregungen oder betroffene Stille.

Die Geschichte des Herrn Schüttlöffel berührte und betraf jeden. Anders als in seinen vorherigen Programmen oder auch bei vielen anderen Kabarettisten wurden nicht einzelne Politiker hochgenommen, sondern dieses Mal hielt Freitag den Zuschauern den Spiegel vor.

Warum haben es denn die Konzerne so leicht? Weil wir zum Discounter gehen, wenn in unserer Straße einer eröffnet und „dann ist uns doch die Tante Emma nebenan scheißegal“, stellt Schüttlöffel schonungslos ehrlich dar.

Gegen den Optimierungswahn

Aber nicht nur als Schüttlöffel beeindruckt Thomas Freitag mit seinem Auftreten und seinem Kampf gegen die Schließung seiner Bibliothek, die angeblich „zu wenig abwirft“. Während er über aktuelle Themen aus Weltgeschichte und Politik sinniert, tauchen Figuren aus vergangener Zeit oder von Sparmaßnahmen Betroffene auf. So schlüpft Thomas Freitag einmal in die Rolle des Karl Marx und lässt sich über den Kapitalismus und Marx einstige Ideen aus, und im nächsten Moment ist er der Pommesbuden-Besitzer von der Ecke und führt den Eschweilern vor Augen, wie es, ausgelöst durch den allgegenwärtigen Schlankheitswahn, um ihn steht.

Mit seiner Sprache, Gestik und Mimik verleiht Freitag diesen Rollen so viel Überzeugung, dass auch der Letzte im Saal erreicht wird. Auch als bayrischer Bauer und CSU-Mitglied bringt Freitag wichtige Aspekte der derzeitigen Gesellschaftsphilosophie auf die Bühne. „Es geht immer nur um Glück und Produktivität“, behauptet er und erläutert die Unterschiede von Politik, Wirtschaft und Alltag in den vergangenen Jahren mit denen von heute. In einem Nebensatz kommt er schließlich zu dem Schluss, dass es die Menschen krank mache, sich immer nur am Optimalen zu orientieren. Und was so nebenbei gesagt wurde, scheint doch die Essenz zu sein, die die Eschweiler mit nach Hause nehmen sollen.

Fast schon provozierend kam Freitag schließlich in der Rolle von Kafkas Affen daher und zeigte sehr plakativ, was im menschlichen Leben derzeit „zum Kopfschütteln“ ist. „Muss man denn erst Affe sein, um das zu sehen?“, fragt er die Anwesenden und mit dem Satz „ihr macht euch zum Affen“ verlässt er die Bühne.

So bildlich zu sehen, wie wir den Zustand der Welt mittragen, ist nicht leicht für das Publikum, weiß auch Freitag, aber es sei eine neue Herausforderung. „Natürlich ist es einfacher über andere Politiker zu witzeln“, berichtet er, aber sein neues Konzept sei, jetzt den Wähler anzusprechen. Und dafür hat er genau die richtige Mischung aus Witz und Ernst getroffen.

Die Geschichte des Herrn Schüttlöffel, der sich in seiner Bibliothek verschanzt und immer wieder von Polizeibeamten aufgefordert wird, das Feld zu räumen, führt in einem Einzelschicksal klar vor Augen, was durch den „Optimierungswahn“ verloren geht. Das Angebot, statt in seiner Bibliothek in einem kulturellen Projekt zu arbeiten, lehnt Schüttlöffel vehement ab: „Ich will einen Beruf, kein Projekt“, denn ein „Beruf“ bedeutet für ihn Sicherheit. Mit Charme und Witz schafft es Thomas Freitag aber auch die Balance zu halten, denn „es soll uns beiden Spaß machen!“, stellt der Kabarettist klar.

„Mit diesem Programm werde ich meinen Frust los und schaffe gleichzeitig ein Stück Solidarität“, erklärt er. Und das kommt beim Publikum an. Die Eschweiler sind begeistert vom Abend im Talbahnhof.

Nach diesem doch politisch kritischen und themenschweren Programm war Freitags Zugabe nicht zuletzt ein auflockerndes Highlight. Mit einer unglaublichen schauspielerischen Leistung las er aus dem „Tagebuch eines Rentners“. Mit Wortwitz und Situationskomik brachte er das Publikum dazu, Tränen zu lachen. Immer wieder hallte lautes Gelächter durch den Saal und der Applaus zum Abschluss war riesig. Eine weitere Zugabe war, dass Thomas Freitag sich im Anschluss Zeit nahm, auf der Bühne die CD zum Abend zu signieren und ein kurzes Wort mit den interessierten Besuchern zu wechseln.

Der Abend im Talbahnhof war somit ein voller Erfolg. Amüsiert und bestens gelaunt entließ Thomas Freitag sein Eschweiler Publikum. Aber sicherlich auch ein wenig nachdenklich.

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