Eschweiler - Telekom hat für das Schätzchen nicht viel übrig

Telekom hat für das Schätzchen nicht viel übrig

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So sieht auch das alte Schmuckstück aus, dass nach der Sanierung des Hauptbahnhofes nicht mehr aufgestellt wurde: Die britsiche Telefonzelle soll auch an die Partnerschaft mit der englischen Stadt Reigate & Banstead erinnern. Foto: imago/Rainer Unkel

Eschweiler. Langsam aber sicher verschwinden die Telefonzellen aus dem Stadtbild. Seitdem die meisten Menschen im Besitz eines Handys sind, baut die Telekom immer mehr der öffentlichen Fernsprecher ab. Auch die alte rote englische Telefonzelle, die einst den Hauptbahnhof schmückte, ist im Zuge der Sanierungsarbeiten an dem Bahnhofsgebäude abgebaut worden.

Dass die Telekom während der Bauarbeiten keinen Ersatz zur Verfügung stellen wollte, führte schon damals vor allem bei älteren Reisenden zu Unmut und Unverständnis. Es hat eben noch nicht jeder ein Handy und manch einer will auch gar keins. Sei es, weil er sich von der Technik überfordert fühlt, oder weil er nicht ständig erreichbar sein will. Trotzdem ist hin- und wieder ein Telefonat vonnöten. Gerade an einem Bahnhof. Doch auch nach Abschluss der Arbeiten vor einigen Jahren hat sich an der Situation nichts geändert. Die alte Telefonzelle ist bis heute nicht wieder aufgestellt worden, und eine neue gibt es nicht.

Einige Reisende waren mit der Situation so unzufrieden, dass sie sich mit einer Beschwerde an den Vorstand der Telekom gewendet haben. „Viele Bahnreisende, und auch ich als täglicher Nutzer des Nahverkehrsangebotes nach Köln, sind immer wieder nach verspäteten oder ausgefallenen Fahrmöglichkeiten mit der unfassbaren Frechheit und Arroganz konfrontiert, dass eine minimale Infrastruktur nicht bereitgestellt wird, um erforderliche und wichtige Telefonate - zum Beispiel um ein Taxi zu rufen, Angehörige oder Arbeitgeber zu informieren und nicht zuletzt auch in Anbetracht von Gewalt - führen zu können”, heißt es in einem Schreiben.

In ihrer Antwort verweist die Telekom darauf, dass sie nicht verpflichtet sei, an dieser Stelle eine Grundversorgung bereitzustellen. Der Hauptgrund sei aber die fehlende Zustimmung des Denkmalschutzes. Das war im Oktober 2010. Auf Nachfrage erklärt Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter in der Stadt Eschweiler, dass er Ende 2010 versucht habe, mündlich Kontakt mit der Telekom aufzunehmen, um die alte Telefonzelle wieder aufstellen zu lassen. Das Ok des Denkmalschutzes habe es damals schon gegeben. „Das war nicht strittig”, sagt Gödde.

Da er mündlich aber nichts bei der Telekom erreichen konnte, versuchte er es im Januar 2011 schriftlich und legte dem Brief einige Fotos bei, die die Situation vor dem Umbau und heute zeigen. Daraufhin antwortete die Telekom am 30. März, dass es nicht möglich sei, in der alten Zelle ein passendes Gerät zu installieren, das alte Gerät sei nicht mehr verfügbar.

In weiteren Telefonaten räumten Mitarbeiter der Telekom hinter vorgehaltener Hand ein, dass die Telefonzellen im Zuge der zunehmenden Handynutzung zurückgebaut würden, weil sich die Investitionen für den Konzern nicht mehr lohne und man auch keinen Bedarf sehe. Einige Bürger haben sich inzwischen mit der Forderung an die Stadt gewandt, die Zelle wieder aufzustellen. Nicht zuletzt ist die Zelle auch ein Geschenk der britischen Partnerstadt Reigate & Banstead. Daher hat die Stadt die Zelle sicher untergebracht und will sie restaurieren und wieder aufbauen lassen. „Die Stadt würde die Kosten für die Restauration und das Aufstellen der Zelle übernehmen”, sagt Gödde. Dabei handelt es sich laut Gödde um einen Betrag von rund 4500 Euro. Die Telekom ist auf diesen Vorschlag bislang nicht eingegangen.

Es sei aus den genannten technischen Gründen nicht möglich die alte Zelle wieder aufzustellen, und die Einrichtung einer neuen Telefonzelle sei mit erheblichen Kosten verbunden, sagt André Hofmann, Pressesprecher der Telekom für die Region West. Daher müsse auch das wirtschaftliche Potential gesehen werden, und das sei aus Sicht der Konzerns am Eschweiler Hauptbahnhof nicht ausreichend.
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