Eschweiler - Talentscouting findet verborgene Talente im Klassenzimmer

CHIO-Header

Talentscouting findet verborgene Talente im Klassenzimmer

Von: at
Letzte Aktualisierung:
16139256.jpg
Talentscout Gürkan Özkan übergibt Oberstufenleiterin Petra Schönwald die Plakette „Schule im NRW-Talentscouting“. Beratungslehrerin Dr. Annette Lüchow (2.v.r.) und die Schüler freuen sich über das zusätzliche Beratungsangebot an der Schule. Foto: Annika Thee

Eschweiler. In den Klassenzimmern der Waldschule schlummern verborgene Talente, das weiß nicht nur die Beratungslehrerin Dr. Annette Lüchow. Auch Vertreter der RWTH und FH Aachen und des NRW-Zentrums für Talentförderung haben das verbogene Potenzial erkannt.

Daher haben sie mit der Schule nun einen Kooperationsvertrag unterschrieben und die Waldschule ist, wie das Berufskolleg Eschweiler, offiziell „Schule im NRW Talentscouting“

Einige Schüler, bei denen die Lehrer das Potenzial zum Studium nach dem Abitur sehen, können seit Mai 2017 Kontakt zu dem Talentscout Gürkan Özkan aufnehmen, der ihnen ganz unbürokratisch bei der Zukunftsplanung hilft.

Denn die kann nach der Schule erstmal ziemlich angsteinflößend sein. „Wir begleiten die Schüler auf ihrem Weg bis zur Hochschulzugangsberechtigung. Aber danach geht es für sie eigentlich erst richtig los“, sagt Oberstufenleiterin Petra Schönwald. „Jetzt können wir den Schülern Ansprechpartner an die Hand geben, die sie durchs Studium begleiten.“

Das Beratungsangebot richtet sich besonders an Schüler aus Familien ohne akademische Erfahrung. Denn in Deutschland ist nach wie vor hauptsächlich die soziale Herkunft ausschlaggebend für den Werdegang der Kinder – und nicht deren Begabung. Das soll sich an der Städtischen Gesamtschule Eschweiler ändern. „Das Studium ist für viele Schüler eine Utopie. Uns geht es darum, Informationsdefizite aufzuarbeiten, um Türen zu öffnen“, sagt der Talentscout.

Unterstützung auf Augenhöhe

Mehr als 30 Schüler der Waldschule, die für das Talentscouting ausgewählt wurden, sind von Scout Gürkan Özkan begeistert. „Das ist eine ganz neue Art der Beratung, die auf einer Freundschaft basiert. Es geht Gürkan nicht nur darum, uns an die Uni zu holen. Er hat mir neben Plan A, B und C auch noch das ganze Alphabet vorgelegt“, sagt Andreas aus der Stufe 13.

Die Schüler, die von Özkan beraten werden, haben nach Einschätzung ihrer Lehrer allesamt das Zeug zum Studium, sie sind motiviert und engagiert. Was ihnen fehle, sei meist der Mut zu schauen, was sich hinter der abstrakten Institution Universität verbirgt. „In meiner Familie hat niemand studiert und keiner hätte mir mit der Bewerbung helfen können. Ohne Gürkan hätte ich mich nie für ein Studium entschieden“, sagt Eva-Maria.

Der Talentscout hilft den Schülern in jeder Lebenslage, er ist für sie immer übers Handy erreichbar und zeigt den Schülern bei Interesse auch den Campus in Aachen. Vor allem aber findet er mit den Schülern gemeinsam heraus, wie diese ihre Zukunft gestalten möchten und er verleiht ihnen Mut und Selbstbewusstsein.

Motivation auf verschiedenen Ebenen

„Ich habe eine so große Motivation aus dem Gespräch mitgenommen. Gürkan hat mir das Gefühl gegeben, mit der Zukunftsplanung nicht auf mich gestellt zu sein“, sagt Maja. Ardita stimmt ihr zu. „Wir befinden uns gerade alle in einer Selbstfindungsphase und sind so kurz vor dem Ziel. Da motiviert es umso mehr, dass jemand da ist, der uns pusht und an uns glaubt.“

Die Angst vor der Uni sei dabei häufig nicht das einzige Problem. Die Talentscouts geben auch Tipps für die Finanzierung des Studiums, für die Bewerbung bei Stipendien und dem Ausfüllen von Bafög-Anträgen.

„Die Stärke des Projekts zeigt sich vor allem darin, dass die Talentscouts landesweit vernetzt sind und dank ihres engen Austauschs jene Hürden beseitigen können, die den Schülern manchmal in den Weg gelegt werden“, sagt Jennifer Peters vom Zentrum für Talentförderung.

Insgesamt 17 Hochschulen sind bei dem Kooperationsangebot für die Schulen beteiligt. Jede Hochschule lässt Talentscouts aus den eigenen Reihen beim NRW Zentrum für Talentförderung ausbilden. Dabei gehe es nicht darum, die Schüler von der Qualität der eigenen Hochschule zu überzeugen, sondern sie dazu zu ermutigen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und die Hochschule zu finden, die zu den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen am besten passt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert