Talbahnhof feiert 20-jähriges Bestehen

Von: ran
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Szenen einer munteren Geburtstagsfeier: Neben Tina Teubner und Richard Rogler, Nicole Wollenweber samt „Big Bandits“, Erwin Grosche und dem Wall Street Theatre sorgten Herr Zins und Herr Hammers mit Kulturwirt Walter Danz für einen vergnüglichen Abend. Foto: Andreas Röchter
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Ein Hütchenspiel zum 20-jährigen Bestehen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Das Beste kommt (fast immer) zum Schluss! Zehneinhalb Monate lang war das Jahr 1994 von Ereignissen zwischen durchaus schön und suboptimal geprägt: Silvio Berlusconi wird „als Inkarnation der fleischlichen Lust“ (Zitat Herr Hammers) erstmals italienischer Ministerpräsident, Helmut Kohl setzt sich „als Inkarnation der Lust auf Fleisch“ (Zitat Herr Zins) gegen Rudolf Scharping durch und geht in seine vierte Amtszeit als Bundeskanzler.

Außerdem wird der Eurotunnel zwischen Calais und Dover eröffnet, Sony bringt die erste Playstation auf den Markt, Jassir Arafat erhält den Friedensnobelpreis und ein gewisser Justin Bieber erblickt das Licht der Welt.

Doch schließlich ist es der 19. November 1994, an dem die erste Seite eines Kapitels geschrieben wird, das die Indestadt und die gesamte Region bis heute und hoffentlich auch zukünftig prägt. Denn mit der Eröffnung des Kulturzentrums Talbahnhof beginnt in Sachen Kultur und Kleinkunst eine neue Zeitrechnung. Auf den Tag genau 20 Jahre und unzählige bemerkenswerte Höhepunkte auf der Talbahnhofbühne später wurde am Mittwochabend in der zum Bersten gefüllten Weisweiler Festhalle in gebührender Form Geburtstag gefeiert. Und die Qualität der Gratulanten, die das Programm der Jubiläumsgala gestalteten, spricht Bände und zeigt, in welchen Sphären sich das Eschweiler Kulturzentrum bereits seit Jahren bewegt: Auf der Festhallenbühne begeisterten die Big-Band-Musiker der „Big Bandits“, die Kabarett-Größen Richard Rogler, Erwin Grosche und Tina Teubner, Gitarren-Virtuose Jacques Stotzem und abschließend die beiden Tausendsassas vom „Wallstreet-Theatre“. Großes Kino boten auch die beiden Moderatoren: Herr (Rudi) Zins und Herr (Manni) Hammers, die mehr als zwei Jahrzehnte die alternative Strunxsitzung in Aachen tatkräftig mitgestalteten, waren einmal mehr in ihre legendären Zebrajackets geschlüpft und faszinierten das Publikum mit archaischer Wortakrobatik, bei der das statistische Bundesamt auch schonmal zum buddhistischen Standesamt mutierte.

Besonders herzlicher Applaus brandete auf, als die beiden den Mann auf die Bühne baten, der die Seele des Talbahnhofs verkörpert: Walter Danz! Der Kulturwirt nahm die Gäste der Geburtstagsgala auf eine Zeitreise zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit mit und erinnerte an die Beweggründe, die zur Gründung des Kulturzentrums Talbahnhof führten. „Nach 24 Jahren des Schauspielerdaseins hatte ich einfach Lust, etwas neues zu beginnen. Als ich dann gemeinsam mit Stéfan Horn, ohne dessen Mitarbeit der Talbahnhof heute nicht das wäre, was er ist, dieses leerstehende Gebäude in einer Stadt Namens Eschweiler entdeckte, nahm ein Traum Gestalt an.“ Und wie ist es möglich, immer wieder hochkarätige Künstler auf die Talbahnhofbühne zu holen? „Enge Kontakte zu den Künstlern und deren Managements. Darüber hinaus ist es kein Nachteil, selber Schauspieler gewesen zu sein und somit eine Ahnung zu haben, was Künstler in Sachen Betreuung mögen und brauchen.“ Gibt es denn keine Sehnsucht, wieder selber auf der Bühne zu stehen? „Der Talbahnhof ist meine Bühne!“, ließ Walter Danz keine Zweifel offen.

Den knackigen, temperamentvollen und nicht allzu leisen Startschuss zur Jubiläumsgala, die unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Rudi Bertram, Sparkassen-Gebietsdirektor Klaus Wohnaut sowie AWA-Geschäftsführer Ulrich Koch stand, hatten zuvor die „Big Bandits“ unter der Leitung von Werner Hüsgen und unterstützt durch die stimmgewaltige Nicole Wollenweber abgegeben. Der „special guest“ wagte sich an große Nummern, stimmte „Valerie“ von Amy Winehouse, den im Original von Adele intonierten James-Bond-Titelsong „Skyfall“, den Stevie-Wonder-Hit „Superstition“ sowie die Robbie-Williams-Hymne „Let me entertain you“ an. Starke Instrumentalsoli einiger „Big Bandits“ gaben dem kurzen Programm weitere Würze.

Kabarett-Urgestein Richard Rogler setzte zum politischen Rundumschlag an, sprach der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die ihren Nachnamen auf Grund des einen oder anderen Fettnäpfchens statt mit „ey“ inzwischen mit „ai“ schreibe, sein Mitleid aus, gratulierte der SPD zu ihrem Prinzip „Wie machen wir es, ohne es zu tun“, bescheinigte der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, mit ihren Reden Meilensteine in Sachen Anästhesie gesetzt zu haben und brachte seine Meinung zur Riege der Bundestagsvizepräsidenten zu Gehör: „Wer die Grenzen der eigenen Inkompetenz so weit nach hinten geschoben hat, ist für jedes Amt brauchbar.“ Erwin Grosche ließ es dagegen „entschleunigt“ angehen und berichtete, seine Frau behaupte, Kontakt zum Jenseits zu haben. „Das hört man doch gerne“, freute sich der Paderborner, der ausdrücklich der Meinung ist, dass es in einer Beziehung einem Beteiligten gut gehen sollte.

Als „alleinerziehende Ehefrau“ und begleitet von Ben Süverkrüp am Klavier zeigte Tina Teubner dem männlichen Geschlecht die Grenzen auf und dachte über die Idee nach, auch als Außenstehende die Scheidung für ein Paar einreichen zu können.

Einen wahren Ohrenschmaus bereitete anschließend Jacques Stotzem seinen Zuhörern. Der Virtuose an der Akustik-Gitarre, in Eschweiler bekannt durch zahlreiche Talbahnhof-Auftritte im Rahmen der Serie „Saitensprünge“, holte unfassbare Töne aus seinem geliebten Instrument und interpretierte unter anderem den U2-Klassiker „With or without you“ sowie den durch Jimy Hendrix bekannt gewordenen Song „Hey Joe“. „Very british“ zeigten sich zum krönenden Abschluss einmal mehr Herr Schultze und Herr Schröder vom „Wallstreet Theatre“. Einleuchtend erklärten die beiden „dear friends“, dass die Wurzeln des Briten an sich in Australien beim Stamm der „Windsurfs“ lägen, aus dem bedingt durch die „Frühneuenglische Vokalverschiebung“ im Laufe der Zeit die „Windsors“ entstanden seien. Selbstredend ergänzten wahnwitzige Jonglageeinlagen sowie „das durchzwängen durch den Rahmen eines Tennisschlägers“ das Programm. Nicht weit vor Mitternacht endete die Geburtstagsparty, der noch viele weitere folgen sollten.

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