Eschweiler - Talbahnhof: Beifall für „Frühere Straßen in Eschweiler“

Talbahnhof: Beifall für „Frühere Straßen in Eschweiler“

Von: ran
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Trug in monatelanger Kleinarbeit hunderte Fotos und zahlreiche Informationen über Eschweilers ehemalige Innenstadt zusammen: Armin Gille. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Viel hätte nicht gefehlt, und der Talbahnhof wäre am Donnerstagabend aus allen Nähten geplatzt! Aus gutem Grund: Der Eschweiler Geschichtsverein hatte in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule unter der Überschrift „Frühere Straßen in Eschweiler“ zum Vortrag eingeladen.

Und sehr viele an der Historie der Indestadt interessierte Menschen strömten in das Kulturzentrum, um den Ausführungen von Referent Armin Gille zu folgen.

Das Vorstandsmitglied des Geschichtsverein hatte in monatelanger Kleinarbeit hunderte Bilder und Informationen zu den ehemaligen Straßenzügen Mühlenstraße, Knickertsberg, Juden-, Ufer- und Bachstraße in der Eschweiler Innenstadt zusammengetragen, die im Zuge des Ausbaus der Indestraße sowie der Indebegradigung verschwanden oder stark verändert wurden.

„Fünf Straßen in zwei Stunden! Ein gewaltiges Vorhaben zu einem Thema, dessen Behandlung absolut notwendig ist. Schließlich verblassen die Erinnerungen an diese Straßen, die einmal den Kern Eschweilers bildeten, immer mehr“, begründete Armin Gille seinen Entschluss, sich der „Straßenkunde“ zu widmen.

„Die wirtschaftliche Entwicklung in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte ein Straßensterben zur Folge“, leitete der Heimatkundler seinen Vortrag ein. Diesem Straßensterben fiel auch die Mühlenstraße zum Opfer. „Diese begann in Höhe der Kochsgasse, führte über das Gelände der ehemaligen Drahtfabrik, das heute den Bushof sowie die Agentur für Arbeit beherbergt, und endete an der Aachener Straße“, so Armin Gille.

Eindrucksvolle Fotografien ließen die Zuschauer und -hörer immer wieder tief in die Vergangenheit Eschweilers eintauchen. Der Wiedererkennungswert war bei zahlreichen Vortragsgästen hoch. Häufig konnten Stimmen aus dem Publikum vernommen werden, die deutlich machten, dass Menschen gerade in Erinnerungen schwelgten und an Zeiten zurückdachten, in denen sie durch eben diese Straßen geschlendert waren. Auch so manches Gebäude am Straßenrand rief Bilder aus der Vergangenheit hervor. Etwa das Friseurgeschäft von Heinrich Külzer in der Uferstraße oder das Hotel „Wantzen“ in der Judenstraße, die heute einen Teil der Indestraße ausmacht.

„Eine der ältesten Straßen Eschweilers, die die Altstadt mit der seit 1860 entstandenen Neustadt verband“, erläuterte Armin Gille, der betonte, dass die jüdischen Bewohner der Indestadt keinesfalls nur in der Judenstraße beheimatet waren, sondern in der gesamten Innenstadt wohnten.

Impressionen dieser engen Straße, die nach der Machtübernahme der Nazis 1933 in Horst-Wessel-Straße unbenannt wurde und nach dem 2. Weltkrieg ihren ursprünglichen Namen zurückerhielt, ließen so manchen Zuseher schlucken. Zumal Armin Gille an die „Stolpersteine“ erinnerte, die heute an Eschweiler Juden erinnern, die dem Naziterror zum Opfer fielen. Im Jahr 1971 kam schließlich das Ende für die Judenstraße, deren Häuser dem Ausbau der Indestraße sowie der Inderegulierung weichen mussten.

Dieses Projekt, das 1966 begonnen, 1980 abgeschlossen und durch Bauleiter Toni Spies maßgeblich geprägt wurde, veränderte das Gesicht Eschweilers entscheidend. Dabei immer im Mittelpunkt: Die Inde! „Diese wurde vor der Begradigung gezwungen´, in der Eschweiler Innenstadt quasi rechtwinklig um die Ecke zu fließen. Ein unnatürlicher Zustand, der unter anderem dazu führte, dass beim Hochwasser im Jahr 1906 Gebäude von der Inde unterspült wurden“, machte Armin Gille deutlich.

 

Von eben diesem Wasser war nicht zuletzt das Bestehen der ehemaligen Bachstraße, die sich an die heutige Wollenweberstraße anschloss, abhängig. „Die Bachstraße erlebte ihre Glanzzeit, als das Indewasser noch zur Verarbeitung von Wolle und Leder gebraucht wurde. Nach dem 2. Weltkrieg verlor sie jedoch vollkommen ihre Bedeutung“, erklärte Armin Gille, der den aufmerksamen Zuschauern unter anderem Aufnahmen der 1971 abgebrochenen Gaststätte „Linden“ sowie des Hauses „Buchacker“ präsentierte.

Zahlreiche Zeugnisse aus der „alten Zeit“ seien aber auch heute noch zu entdecken. „Geht man mit offenen Augen durch die Eschweiler Innenstadt, sind noch viele Spuren der Vergangenheit zu erkennen“, unterstrich der Referent nach einem zweistündigen Parforceritt durch ein in dieser Form nicht mehr existierendes Eschweiler, das er zumindest für kurze Zeit in das Gedächtnis seiner Zuhörer zurückrufen konnte. „Bravo“-Rufe sowie lautstarker und langanhaltender Applaus zeigten Armin Gille, dass sich die Mühen absolut gelohnt haben.

Begeistert vom Vortrag zeigte sich mit René Hahn auch der Vorsitzende des Geschichtsvereins: „Für mich, der ich dem Jahrgang 1971 angehöre, waren dies Bilder aus einer vollkommen anderen Zeit. Eschweiler hatte Flair. Und wenn ich die Bilder der nicht mehr existierenden Judenstraße sehe, dann frage ich mich, warum diese Straße abgerissen wurde?“, sprach er auch nachdenkliche Worte.

Armin Gille hofft jedenfalls, dass die Premiere des Vortrags „Frühere Straßen in Eschweiler“ nicht zugleich die Derniere war. „Ich würde Interessierten gerne mehr erzählen. Vielleicht nicht über alle fünf Straßen auf einmal, dafür mehr ins Detail gehend“, hat er klare Vorstellungen. Schließlich gilt es darum zu kämpfen, einen wichtigen Teil der Eschweiler Geschichte nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen.

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