Eschweiler - „Tag der Energie”: Strom aus der Dose hat eine Geschichte

„Tag der Energie”: Strom aus der Dose hat eine Geschichte

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Immer wieder werden die riesigen Schaufelradbagger auf den neuesten Stand der Technik gebracht, um 20 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr in Inden zu fördern. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Ohne Energie läuft nichts: keine Waschmaschine und kein Trockner; keine Stereoanlage und kein Fernseher; und auch Autos sind auf Energie angewiesen, um in die Gänge zu kommen. Der Strom aus der Steckdose ist ein Luxus, an den sich unsere Gesellschaft längst gewöhnt hat.

Doch fossile Brennstoffe - die großen Energieträger des vergangenen Jahrhunderts - befinden sich auf der Zielgeraden. Die Zukunft des Energiestandortes Deutschland ist das Thema der Zeit. Die Politik in Berlin diskutiert über eine Verlängerung der Atomlaufzeiten, in Aachen wird die Modellregion für Elektromobilität ausgerufen, und auch direkt vor Ort, in Eschweiler, ist Energie ein Dauerthema.

Bundesweite Aktion

Der Samstag wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2010 zum „Tag der Energie” ausgerufen. Auch der Weisweiler Kraftwerksstandort beteiligte sich an der bundesweiten Aktion. Die Dauerausstellung im neuen Informationszentrum am Hagelkreuz öffnete ihre Pforten. „Wer es verpasst hat, für den haben wir schon wieder am Sonntag Tür und Tor geöffnet”, sagt Dominique Heimo.

Der Mitarbeiter der RWE Power AG steht vor Ort bei Fragen zur Verfügung, erläutert an Landschaftsmodellen, wie sich die Region durch den Tagebau wandelt, beschreibt mit Hilfe interaktiver Elemente, wie einzelne Arbeitsschritte im Kraftwerk ablaufen und weiß auch sonst auf (fast) alles eine Antwort. Dreidimensionale Animationen nehmen den Betrachter mit auf den Weg des Rauchgases oder auf den Wasserkreislauf im Kessel und in den Turbinen.

Und selbst ein Rundflug über das Kraftwerksgelände ist via Bildschirm möglich. „Unser altes Informationszentrum war einfach nicht mehr zeitgemäß”, sagt Heimo und blickt sich in den neuen Räumen um. Der Charme der 70er ist modernem Design gewichen. „Der Neubau ist auch eine Reaktion auf die stetig wachsenden Besucherströme”, erklärt Heimo.

Denn die Menschen interessiert es zunehmend, wie die Zukunft der Energie aussieht. Vor allem aber möchten viele erfahren, wie die „Wolkenfabrik” an der A4 heute Strom produziert, wie es um die visionären Rekultivierungspläne für die Region bestellt ist (Stichwort „Indescher Ozean”) und wie der Arbeitsalltag im Tagebau Inden aussieht. Ob per Filmdokumentation oder Infotafel, der Besucher erfährt hier viel Wissenswertes rund um Braunkohlegewinnung und Stromerzeugung.

„Die Weisweiler Besonderheit ist, dass es sich hier um einen Inselbetrieb handelt”, erklärt Heimo. Der Tagebau Inden baut Kohle ausschließlich für das nahegelegene Kraftwerk ab. Über Förderbänder rollt der Brennstoff Richtung Weisweiler. Die Bezeichnung im Volksmund als „Wolkenfabrik” hat das RWE-Kraftwerk übrigens durchaus zu Recht: 5000 Tonnen Wasserdampf gehen pro Tag aus den Kühltürmen in die Atmosphäre.

Für die jährlich 18 Milliarden Kilowattstunden Bruttostromerzeugung werden 20 Millionen Tonnen Kohle in Inden abgebaut. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Damit ist der hiesige Tagebau aber eher eine kleinere Nummer. Zum Vergleich: In den Tagebauen Hambach und Garzweiler werden jedes Jahr jeweils 40 Millionen Tonnen gefördert.

Gigantisch dagegen sind die Pläne, wie das Indeland, die Region im Städtedreieck Eschweiler-Jülich-Düren, in einigen Jahrzehnten aussehen soll. Das ausgekohlte Loch soll zu einem riesigen See werden. „Mit geplanten 1100 Hektar ist die Wasserfläche dann vergleichbar mit dem Tegernsee”, sagt Heimo. Auch hierzu gibt es im Info-Zentrum interessante Installationen, die einen Blick in die Zukunft erlauben.

„Das Ziel aller Beteiligten ist es, die Marke Indeland über die Grenzen der Region hinaus zu vermarkten”, erläutert Heimo. Der Wandel zur Seenlandschaft - eine Vorstellung, die nicht alle vorbehaltlos gutheißen. Kritiker monieren, dass dadurch wertvolle landwirtschaftliche Fläche aufgegeben wird. Doch bis zum Jahr 2030 prägen noch Kohleabbau und Kraftwerk das Bild.

„Wo wird die Kohle abgebaut, wie wird Strom produziert? Wer sich einfach mal schlau machen will, ist bei uns richtig”, lädt Heimo Jung und Alt, Schulklassen ebenso wie Familien und Senioren zu einem lehrreichen und spannenden Abstecher ins Info-Zentrum am Kraftwerk ein.
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