Aachen/Eschweiler - Täter in Psychiatrie: Fast 40 Minuten dauerte das Massaker

Täter in Psychiatrie: Fast 40 Minuten dauerte das Massaker

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Urteil gegen Messerstecher
Trotz seiner äußerlich scheinbar völligen Normalität kam am Donnerstag die psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski zu dem Ergebnis, dass der 55-jährige Täter in einem eigenen Wahnsystem gelebt und nach dessen Maximen gehandelt habe. Foto: Roeger

Aachen/Eschweiler. Trotz seiner äußerlich scheinbar völligen Normalität kam am Donnerstag die psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski zu dem Ergebnis, dass der 55-jährige Täter in einem eigenen Wahnsystem gelebt und nach dessen Maximen gehandelt habe.

Der Mann, erklärte die Gutachterin, sei ein klassischer Fall eines psychotischen Falles, der nach langen Jahren von Cannabiskonsum sein Verhalten nicht mehr steuern könne.

Der aus Usbekistan stammende Mann deutscher Nationalität war wie berichtet am 29. Januar in der Taverne Korinth ausgerastet und hatte mit zahlreichen Stichen in den Gesichts- und Halsbereich einen 39-Jährigen schwer verletzt sowie einen 45-Jährigen getötet.

Die Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht folgte der Einschätzung der Sachverständigen und wies den bislang zurückgezogen lebenden und teilweise künstlerisch tätigen Täter in die forensische Psychiatrie ein. Der Beschuldigte habe sich bei seinem Gang mit dem Enkel in das Lokal in einen Wahn hineingesteigert, hieß es.

Zunächst brachte er das Kind nach Hause, weil er fälschlicherweise glaubte, die dort sitzenden Männer gehörten der Mafia an und hätten beschlossen, das Enkelkind zu entführen.

Als das Kind in Sicherheit war, nahm er die Sache selbst in die Hand, holte sich aus der Küche des Restaurants ein langes Messer und begann mit dem beinahe 40 Minuten andauernden Massaker. Zuletzt richtete er das Messer gegen sich selbst, seine Halsvene und die Kopfsehnen wurden verletzt.

Die Sachverständige hatte in drastischen Worten das Wahnsystem des Mannes beschrieben. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, die geistige Wende zum Normalen wiederherzustellen. Er habe überall Verfolgung durch kriminelle Elemente gesehen, die ihm und schließlich seinen Enkelkindern Böses wollten.

„Sicher gibt es unzweifelhaft eine Mafia und das organisierte Verbrechen”, konstatierte Jankowski. Hier aber sei eine Wahnsystem zu Tragen gekommen, das letztlich einen Menschen das Leben kostete. Der medizinische Sachverständige hatte am Verhandlungstag zuvor erläutert, dass bei einem schnelleren Eingreifen das 45-jährige Opfer eventuell zu retten gewesen sei.

Auch die Plädoyers der Staatsanwaltschaft wie eines Nebenklägers bestätigten die Einschätzung der Sachverständigen und forderten die dauerhafte Einweisung. Verteidigung und der zweite Nebenkläger stellten keinen Antrag.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl verfügte am Donnerstag gegen Mittag die Einweisung des 55-Jährigen in die Psychiatrie, die Anklage wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung entfällt wegen seiner Schuldunfähigkeit zur Tatzeit.
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