Synergie ist plattdütsch für „Sonnenkraft”

Von: vr
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Chansons, Kabarett, Nonsens - die Zutaten des 35 Jahre alten Erfolgsrezepts von Deutschlands ältester Folkgruppe „Liederjan” gab es auch im Talbahnhof in Mengen zu genießen. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „Sport, blutiger Krimi und ein bisschen was zum Mitmachen - hier bekommen Sie alles, was das Samstagabendherz will”. Die dienstälteste deutsche Folkgruppe „Liederjan” hatte den langen Weg aus dem hohen Norden der Republik in den indestädtischen Talbahnhof zurück gelegt und jede Menge „Lieder aus der Lästerhöhle” mitgebracht.

Frisch, nicht ganz so fromm, aber dafür sehr fröhlich und gedankenfrei präsentierten sich die drei Musiker aus Kiel, Hamburg und Bremen dank ihrer rund zwanzig verschiedener Instrumente und mal mehr, mal weniger sinnreicher Chansons mit einer erfrischenden Mischung aus Kabarett, Comedy und ein wenig Nonsens. Und das in ihrem 35. Jubiläumsjahr.

Wenn „Synergie” plattdeutsch ist und für „Sonnenkraft” steht, dann sprüht das Trio nur so vor Stärke, schließlich spielen sich Altmeister Jörg Ermisch, Michael Lempelius und Hanne Balzer die Pointenbälle auf der Bühne unentwegt zu und scheinen sich blind zu verstehen, um es mit den Worten eines neuen Liederjan-Songs zu sagen: „Und so gleicht sich alles wieder aus”.

Am Samstag brachten die musikalischen Nordlichter Werke aus den Anfängen ihres Schaffens, der „mittfrühen” Kreativperiode und vor allem aus ihrem neuen Album „7/8 oder am Stück?” zu Gehör und bedienten sich dabei reichlich an Oboe, Tuba, Schiffersklavier, Banjo, Ukulele, Triangel, Gitarre, Low-Whistle, Bouzouki und der singenden Säge.

Die Angst des Schützen vor dem Elfmeter, bedeutungsschwer in Sinatras Klassiker „Mir tut das Bein way” verpackt, oder das unverbindliche und doch unvermeidliche Treffen mit Gevatter Tod in „Sonst gerne” sorgten für amüsantes Schmunzeln beim Eschweiler Publikum am Samstag Abend.

Überhaupt haben „Liederjan” die Gabe, alltägliche Situationen, vor allem auch unangenehme, in mit Wortwitz gespickte Texte zu kleiden und mit musikalischer Leichtigkeit zu bewältigen, wer würde das nicht gerne im Alltag können? „Der Kurs fährt Achterbahn, auf dem Parkett herrscht der Cash-flow-Wahn” aus dem „Börsen-Blues”, bzw. die Ode an den Ackermann, natürlich nur ein anderer Name für den Berufsstand der Landwirte, sind dafür der beste Beweis.

Auch vor dem deutschen Dichter- und Liedgut scheinen „Liederjan” keine Hemmungen zu haben und bedienen sich munter, so geschehen bei der Stasi-Version von „Die Gedanken sind frei” und Heinrich Heines Gedicht „Die schlesischen Weber”.

Bei jedem Stück fragt sich der Zuhörer, was wohl als nächstes passiert, in musikalischer und inhaltlicher Sicht und wenn die drei Musiker gemeinsam ein Schifferklavier spielen und dazu noch die Moritat von „Des Schleusenwärters blindes Töchterlein” inklusive Puppenschauspiel aufführen, wird klar, dass „Liederjan” in keine Kategorie einzuordnen sind, bzw. in keine Schublade zu stecken, „Schubladi schublada”.

Urdemokratisch hatten „Liederjan” zu ihrem bereits restlos ausverkauften Jubiläumskonzert am 24. Oktober in Hamburg dazu aufgerufen, die besten drei Songs aus 35 Jahren zu benennen, die dann noch einmal gespielt werden sollen. Ein Privileg, in dessen Genuss am Samstag auch das Talbahnhof-Publikum kam: „Die Lippischen Schützen”, „Heide” und „Die Gedanken sind frei” funktionieren auch nach drei Jahrzehnten noch hervorragend.

Und so hatte der geneigte Zuhörer auch am Samstag das Gefühl, die drei aus dem hohen Norden schon seit Ewigkeiten zu kennen und doch immer noch überrascht zu werden, mit „Musik, von Hand gemacht, mit Hirn erdacht” wie es ein Homepage-Besucher ins Gästebuch geschrieben hat.
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