Eschweiler - Sympathisch, verwurzelt und doch ehrgeizig

Sympathisch, verwurzelt und doch ehrgeizig

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Zwei Rennfahrer, die jeder auf
Zwei Rennfahrer, die jeder auf seine Art viel für den Radsport getan haben, im Gespräch: Olympiasieger Olaf Ludwig (links) und Teamchef Markus Ganser. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Ein großes, ein fachkundiges Publikum: Bei der Präsentation des Radsportteams Eddy-Merckx/Indeland waren im Saal des Eschweiler Kulturzentrums Talbahnhof viele Gäste, die genau wissen, wie sich ein Fahrradsattel nach hundert Kilometern anfühlt.

Und bei den Interviews mit den Sportlern - den zwölf Rennfahrern des regionalen Teams ebenso wie dem Olympiaspieger Olaf Ludwig als Ehrengast - waren Aufmerksamkeit und Begeisterung groß.

In der Region verankert und mit solider Aufbauarbeit erfolgreich ist das Radsportteam Eddy-Merckx-Indeland eine feste Größe im Profi-Rennsport und geht jetzt in die zwölfte Saison. Das ist Rekord, versicherte Rudi Schröder. Die Mannschaft mit den Wurzeln in Stolberg und Eschweiler ist das mit Abstand älteste deutsche Profi-Radsport-Team. Schröder, Chefredakteur des deutschsprachigen belgischen Rundfunksenders BRF und Radsportkenner, moderierte die Präsentation am Freitagabend im Talbahnhof gemeinsam mit Teamchef Markus Ganser, der trotz beruflicher Belastung immer noch sportlich aktiv ist, inzwischen als Triathlet mit bereits vier Teilnahmen am Ironman auf Hawaii. 2011 wählten die Leser unserer Zeitung ihn zum Sportler des Jahres in der Region.

Markus Ganser gibt der Mannschaft keine Anzahl von Siegen als Saisonziel vor. Ist auch nicht nötig: „Das sind doch alles Sportler, die Radfahren wollen, die kämpfen wollen, und die möchten natürlich auch gewinnen!” Druck von außen sei da gar nicht nötig. Auch diese Anschauung ist eine Grundlage für die solide Arbeit über so viele Jahre. Markus Ganser: „Manche Leute sagen, wir sind ein Ausbildungsteam, aber es ist eher ein Sprungbrett, um dann in größeren Teams erfolgreich zu sein.” Wenn dann Andreas Stauff zur Quickstep-Mannschaft geht oder wie jetzt Cross-Spezialist Marcel Meisen zu einer belgischen Spitzenmannschaft wechselt, dann „macht uns das stolz, wenn diese Leute ihren Traum leben können”.

Die Eddy-Merckx-Indeland-Mannschaft fährt als Kontinental-Team (KT) in der dritten Radsport-Liga. Seit der Einführung der Einheitslizenz vor einigen Jahren gibt es die früher übliche Unterscheidung in Profis und Amateure im Radsport nicht mehr. Die „erste Liga” sind die Pro Teams (PT), es folgen Pro-Kontinental- und Kontinental-Teams. „Als Team der Region”, sagt Markus Ganser, „wissen wir, wo wir herkommen. Es ist unsere Aufgabe, den jungen Fahrern aus der Region eine Möglichkeit zu geben, Sport zu treiben.”

In seinem Anspruch, die Region im Radsport hoch zu halten, liegt er auf gleicher Wellenlänge wie Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, der zugleich im Aussichtsrat des Sponsors Indeland-GmbH sitzt. Er wies auf die Bedeutung der Sportförderung in der Region hin: „Da wachsen Persönlichkeiten heran, die der Gesellschaft auch etwas zurückgeben können.”

Bertram dankte Ganser für dessen Einsatz, ebenso dem zweiten Teamleiter Rüdiger Systermans, der für sein ehrenamtliches Wirken - nicht nur für junge Rennfahrer, sondern auch für notleidende Kinder - viel Beifall erhielt. Aus dem Betreuerteam, das Ganser und Schröder komplett vorstellten, wurde neben Systermans besonders Rainer Sorge hervorgehoben. Der Organisator erzählte Anekdoten aus elf Jahren Radsport:

Ein voller Rennkalender wartet auf die zwölf Rennfahrer des Teams, unter denen fünf Neuzugänge sind. Los geht es bereits am 25. Februar in den Niederlanden, und ab dann gibt es bis in den Oktober hinein fast keine Woche ohne ein oder zwei Rennen.

In kurzen Interviews stellten Markus Ganser und Rudi Schröder die zwölf Fahrer einzeln vor: Joop de Gans, Matthias Bertling, Thomas Schneider, Alexander Nordhoff, Kim-Simon Nottebohm, Daniel Westmattelmann, Julian Hellmann, Robert Retschke, Patrick Bercz, Michael Kurth, Florian Monreal und Stefan Ganser.

Spannend auch das Interview mit einem Radsport-Idol: Olaf Ludwig. Der aus Gera stammte Sportler (zweifacher Sieger der Friedensfahrt, 1988 Olympiasieger, Gesamtsieger im Weltcup 1992) plauderte mit Ganser über Trainingsmethoden damals und heute. Er erzählte dabei als Anekdote, wie er gemeinsam mit Sportkameraden 1979 bei einer Trainingsfahrt in Äthiopien von einer Militärstreife festgenommen wurde - damals hatten die Geräte, mit denen Körperfunktionen wie der Puls gemessen wurden, noch zwei Meter lange Antennen, und das kam den Soldaten doch sehr verdächtig vor.

Ein unterhaltsames Programm bildete den Rahmen der Teampräsentation. Zwei Tanzgruppen des Studios Simone Brandt traten mit Hip-Hop-Tänzen auf. Faszinierend auch das Theatergruppe „Disziplinlos” aus Kaarst. Sie spielte auf Zuruf aus dem Publikum improvisierte Szenen, ebenso witzig wie ausdrucksstark. Improvisiert und überraschend ein weiterer Programmpunkt: „Dr Prinz kütt!” Eschweilers Karnevalsprinz Alfred III. und sein Bruder und Zeremonienmeister Gregor Wings besuchten die Radsportler. Sie dekorierten Markus Ganser und Rüdiger Systermans mit dem Prinzenorden.
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