Stadtkämmerer: Morgens Mann der Zahlen, abends Biker

Von: Patrick Nowicki
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Im Job bewältigt er Aktenberge... Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Seit 1998 ist er der Herr der Zahlen im Eschweiler Rathaus, privat sitzt er gerne auf seiner Harley und bläst Trompete. Manfred Knollmann übernahm zur Zeit der CDU-UWG-Koalition die Funktion des Stadtkämmerers.

Von der rot-grünen Mehrheit wurde er 2006 im Amt wiedergewählt. Im kommenden Sommer ist Schluss: Die Stelle des Kämmerers war ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. Knollmann hat sich nicht beworben, weil man ihm signalisiert hatte, einen neuen Weg gehen zu wollen. Der Etat 2014 wird also der letzte Stadthaushalt sein, den er auf den Weg gebracht hat. Im Interview zieht er erste Bilanz und sagt, warum er enttäuscht über sein Aus als Kämmerer ist.

Der Etat 2014 ist verabschiedet, sind Sie erleichtert und froh?

Knollmann: Ich bin nicht froh. Ich mache meine Arbeit auch heute noch gerne und habe sie in den 43 Berufsjahren immer gerne gemacht, auch wenn der Druck immer größer wird.

Was hat sich denn in den vergangenen Jahren gewandelt?

Knollmann: Ich gebe zu, dass die Schnelligkeit durch die modernen Medien unsere tägliche Arbeit belastet. Ich denke da an E-Mails, die man schnell beantworten soll. Ich fürchte, dass die Geschwindigkeit zu Lasten der Sorgfalt geht. Wenn man nicht wie ich über eine gewisse Routine verfügt, dann bekommt man aus meiner Sicht als Kämmerer Probleme.

Sie mussten als Kämmerer immer wieder Sparkurse einfordern und dafür Kritik einstecken. Hat Sie das belastet?

Knollmann: Das hat mir nichts ausgemacht. Der Kämmerer ist nun mal das ungeliebte Kind einer Verwaltung, das wusste ich vorher. Getroffen haben mich jedoch Angriffe, die ins Persönliche gehen. Ich musste zwei Strafermittlungsverfahren gegen mich ertragen. Das war Politik mit anderen Mitteln und hat mich sehr beschäftigt.

Sie sind ja auf der einen Seite Kämmerer, der streng auf Zahlen schaut, aber auf der anderen Seite auch Sozialdezernent, der zum Beispiel ein Auge auf die Entwicklungen im Jugendamt hat. Schlagen da nicht häufiger zwei Herzen in Ihrer Brust?

Knollmann: Ja, das muss ich schon sagen. Auf der anderen Seite betone ich aber auch, dass man in der Jugendhilfe nicht sparen darf. Das Nötige muss man zur Verfügung stellen. Da gibt es für mich keine Kompromisse.

Kommen wir zum Etat 2014 und dem Haushaltssicherungskonzept. Glauben Sie wirklich, dass der Haushaltsausgleich 2016 erreicht wird?

Knollmann: Natürlich, ich würde mich ja sonst unglaubwürdig machen. Aber ich habe auch immer gesagt, dass es ein schwerer Weg wird. Manchmal habe ich das Gefühl – querbeet durch alle Parteien –, dass man noch nicht verinnerlicht hat, dass wir in der Haushaltssicherung stecken.

Glauben Sie, dass nach 2016 ein Sparkommissar die Geschicke der Stadt übernimmt?

Knollmann: Dies sehe ich im Moment noch nicht.

Im Moment?

Knollmann: Ja, die Strukturen weiter zu verfolgen, kann auf Dauer nicht gutgehen. Es ist kein Geheimnis, dass die Städte in Nordrhein-Westfalen eine andere finanzielle Ausstattung fordern. Klar ist, dass wir auch nach 2016 einen Sparkurs fahren müssen.

Immer nur nach Land und Bund zu rufen, klingt aber recht einfach. Was kann die Stadt Eschweiler selbst tun?

Knollmann: Man muss auch neue Wege gehen. In Ostdeutschland sind Kommunen hingegangen und haben einen Mitarbeiter eingestellt, der jeden einzelnen Job in der Verwaltung angeschaut und bewertet hat. Anschließend wurde dann festgelegt, welche Abläufe man verbessern kann. Ein pauschales Kürzen, wie zum Teil im Rat gefordert, käme aber einem Kahlschlag gleich. Wo will ich denn im Jugendamt kürzen? Dann muss ich Bücherei, Jugendmusikschule und Volkshochschule schließen. Das will doch niemand.

Wie erklären Sie Bürgern, dass die Stadt ein hohes Defizit verzeichnet, aber gleichzeitig viel investiert?

Knollmann: Rentierliche Investitionen sind auch wichtig, denn auf der Gegenseite haben wir als Stadt in der Regel eine Wertsteigerung. Man kann sich natürlich darüber streiten, wann eine Investition nötig ist und wann nicht. Aber das ist Sache der Ausschüsse und des Stadtrates.

Im Etat 2014 sind einige Investitionen drin, die die Verwaltung nicht vorgeschlagen hat. Wie schwierig ist es, solche Entscheidungen umzusetzen, wenn man ein Haushaltssicherungskonzept zu erfüllen hat?

Knollmann: Das ist nicht einfach. Aber wir haben im Bereich der Investitionen immer einen Puffer. Schwieriger sind die sogenannten nichtinvestiven Ausgaben, da dort sofort der Haushaltsausgleich betroffen ist und meist kein Wert gegenübersteht.

Es heißt, Sie hätten gerne als Kämmerer weitergemacht...

Knollmann: Ja, ich bin jetzt 61 Jahre alt. Erst mit 65,5 Jahren erreiche ich mein gesetzliches Rentenalter. Darüber hinaus kann man bei Wahlbeamten drei Jahre draufsatteln. In Pulheim hat man eine solche Entscheidung getroffen.

In Eschweiler jedoch nicht. Sind Sie enttäuscht?

Knollmann: Ich bin ein Stück weit enttäuscht.

Gehen Sie denn im Zorn?

Knollmann: Nein, das ist eine politische Entscheidung, auch vom Bürgermeister. Wobei ich betonen muss, dass die Zusammenarbeit stets gut war. Auch mit den Kommunalpolitikern. Mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Leo Gehlen zum Beispiel. In Gesprächen lagen wir am Ende nur selten auseinander. Auch Franz-Josef Dittrich als ehemaliger CDU-Fraktionschef fällt mir als besonders positiv ein. Er ist ein Mensch aus dem Leben, was man spüren konnte.

Ab Juli haben Sie dann mehr Zeit für Ihre Hobbys?

Knollmann: Ich glaube nicht. Von Hundert auf Null ist nicht gut. Ich kann mir aufgrund meiner Erfahrung die Arbeit als Geschäftsführer in einem Unternehmen gut vorstellen. Mal sehen. Für den Ruhestand fühle ich mich noch nicht reif. In jedem Fall möchte ich aber meine Dozententätigkeit am Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Aachen fortsetzen.

Im Rathaus müssen Sie nüchtern Zahlen verwalten, im Privatleben ziehen sie gerne eine Kutte an und steigen auf Ihre Harley – wie passt das zusammen?

Knollmann: Ich habe als junger Mann schon eine Kreidler gefahren. Sie hatte fünf Gänge. Später habe ich dann den Motorradführerschein gemacht. Irgendwann präsentierte mir der Wirt in der Stammkneipe seine neue Harley. Er bat uns in den Nebenraum, dort stand sie dann. Da habe ich mir gedacht, den Traum erfülle ich mir und habe gespart. In den vergangenen Jahren ist noch einiges an Chromteilen hinzugekommen, aber ich käme nie auf den Gedanken, sie zu verkaufen. Das ist eine Lebensanschaffung.

In der Bikerszene haben Sie auch einen netten Namen...

Knollmann: (lacht) Ja, Weizenmanni. Aber ich habe kaum Zeit für größere Touren. Ich fahre lediglich zu zwei Festivals, nach Ürzig an der Mosel und nach Rüdesheim. Aber es gibt nichts Entspannenderes, als nach dem Dienst einige Kilometer mit der Maschine zu fahren. Dann finde ich Antworten oder vergesse die Fragen.

Den Glitzeranzug aus Ihrer Zeit als Trompeter in einer Oldie-Band ziehen aber nicht mehr an, oder?

Knollmann: Nein, jetzt ist es die Feuerwehruniform. Ich spiele nämlich das Flügelhorn im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Stolberg. Dies kommt daher, dass ich den Leiter dort schon seit Jahren kenne. Die Musik gefällt mir natürlich auch. Wir spielen dort auch viele moderne Sachen. Jetzt steht das Weihnachtskonzert auf der Stolberger Burg auf dem Programm.

Wann haben Sie denn begonnen, Trompete zu spielen?

Knollmann: Mit 18 Jahren. Ich habe bei Professor Bauer in Aachen gelernt. Anschließend bin ich mit verschiedenen Tanzkapellen von Festzelt zu Festzelt gezogen. Das war eine schöne Zeit. Die klassische Besetzung war damals noch Gitarre, Bass, Schlagzeug und vier Blasinstrumente. Später kamen die Orgel und noch später das Keyboard hinzu.

Wer hat Sie musikalisch besonders beeindruckt?

Knollmann: Aktuell ist das der Jazztrompeter Till Brönner. Fasziniert war ich auch von Derek Watkins, dem leider im März verstorbenen Trompeter von James Last. Der konnte bei „My Way“ das viergestrichene C erreichen. Einfach unglaublich. Jeder, der einmal selbst Trompete gespielt hat, weiß, wie unmöglich dies scheint.

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